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Pendlerpauschale

| 19.09.2018 13:09 |
Preis: 80,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Zusammenfassung: Pendlerpauschale bei Wegzug von der Arbeitsstätte mit seinem schulfplichtigen Sohn zur weiter entfernt wohnenden Verlobten und Beibehaltung der Wohnung in der Nähe der Arbeitsstätte

Hallo,

Ich möchte nächstes Jahr mit meinem Sohn nach Augsburg zu meiner Verlobten ziehen. Da er noch in München seine Schule fertig machen möchte und ich meiner Arbeit weiter nachgehen will, soll die Wohnung in München bleiben und Augsburg der nebenwohnsitz werden. Er pendelt mit einem schülersbbo, ich mit dem Auto aus Augsburg nach MUC. Wir viel Pendlerpauschale können wir absetzten?

Mit freundlichen Grüssen,

Einsatz editiert am 19.09.2018 14:45:28

Einsatz editiert am 20.09.2018 10:18:05
20.09.2018 | 10:40

Antwort

von


(22)
Tackheide 74a
47804 Krefeld
Tel: 02151 4467408
E-Mail:

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen wie folgt beantworten:

Sehr geehrter Herr Fragesteller,

unter Heranziehung der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs zur alten Rechtslage gilt für die neue Rechtslage folgendes:

Aufwendungen des Arbeitnehmers für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte waren nach der Rechtsprechung zur alten Rechtslage grundsätzlich nur bei Fahrten zwischen seiner eigenen Wohnung und der Arbeitsstätte als Werbungskosten abziehbar. Aufwendungen für Fahrten zwischen einer gemeinschaftlichen Wohnung (wie hier) und der Arbeitsstätte waren abziehbar, wenn der Steuerpflichtige selbst keine weitere eigene Wohnung hat oder er zwar noch eine eigene Wohnung besitzt, in der gemeinschaftlichen Wohnung aber nachweislich seit längerer Zeit ständig lebt und übernachtet.
Ferner konnten Arbeitnehmer, die sich von zwei verschiedenen Wohnungen aus jeweils zur Arbeitsstätte begeben, Aufwendungen für Fahrten von jeder Wohnung aus, unabhängig davon, wie häufig sie wöchentlich durchgeführt werden, als Werbungskosten nach § 9 Abs. 1 Nr. 4 EStG geltend machen. Fahrtaufwendungen von der weiter vom Beschäftigungsort entfernt liegenden Wohnung wurden allerdings nur dann als Werbungskosten anerkannt, wenn sie den örtlichen Mittelpunkt der Lebensinteressen des Arbeitnehmers darstellt (so auch die neue Gesetzeslage).
Den Begriff „Wohnung" legte der Bundesfinanzhof dann weit aus. Unter die Vorschrift fielen dann grundsätzlich Fahrten von Unterkünften jeglicher Art, die von einem Arbeitnehmer zur Übernachtung benutzt werden und von denen aus er seinen Arbeitsplatz erreicht. Grundsätzlich musste es sich zwar um eigene Wohnung handeln. Die Norm sollte aber auch Fahrten zur Arbeitsstätte von der Wohnung einer befreundeten Familie aus, in der der Arbeitnehmer z.B. wegen Renovierung der eigenen Wohnung für einige Tage übernachtet, erfassen, z.B. auch das Hotelzimmer, in dem der Steuerpflichtige übernachtet, bis er eine eigene Wohnung am Arbeitsort gefunden hat.

Hat jedoch ein Steuerpflichtiger eine fremde Wohnung oder ein Hotelzimmer nur kurzfristig aufgesucht, liegt grundsätzlich keine Wohnung im Sinne der einschlägigen Vorschrift vor.

Unter Berücksichtigung dieser Ausführungen liegt vorliegend eine Wohnung vor, die verlgeichbar der einen eigenen Wohnung ist. Hiernach sollten Sie die Pendlerpauschale in Höhe von 0,30 €/Entfernungskilometer nach den Kriterien des untenstehenden Gesetzestextes grundsätzlich geltend machen können (kürzeste Straßenverbindung etc.)

Zu beachten ist allerdings, dass für den Fall, dass ein Arbeitnehmer mehrere Wohnungen hat, was vorliegend gegeben ist, die Wege von einer Wohnung, die nicht der ersten Tätigkeitsstätte am nächsten liegt (also Augsburg), nach der neuen Gesetzeslage ausdrücklich nur dann zu berücksichtigen sind, wenn sie den Mittelpunkt der Lebensinteressen des Arbeitnehmers bildet und nicht nur gelegentlich aufgesucht wird.

Ihre Sachverhaltsschilderung verstehe ich so, dass Sie mit Ihrem Sohn nach Augsburg zu Ihrer Verlobten ziehen und sowohl Sie als auch Ihr Sohn regelmäßig von Augsburg nach München pendeln. Da Sie, Ihr Sohn und Ihre Verlobte einen gemeinsamen Haushalt haben werden, dürfte es sich hier um den Mittelpunkt der Lebensinteressen handeln, was dem Finanzamt aber nachzuweisen wäre.
Das Finanzamt wird – zumindest zunächst – aber davon ausgehen, dass sich der Mittelpunkt der Lebensinteressen in München befindet, da Sie hier weiterhin mit dem Hauptwohnsitz gemeldet sind und diese Meldung als Indiz dafür gilt, dass es sich hierbei auch tatsächlich um den Hauptwohnsitz = Mittelpunkt der Lebensinteressen handelt, obwohl sich tatsächlich in München allenfalls ein Nebenwohnsitz befindet.
Wegen der damit verbundenen Beweisschwierigkeiten sollten Sie daher – zumindest aus steuerlichen Gründen – den Hauptwohnsitz in Augsburg nehmen. Dann sind Sie auf der sicheren Seite.

Ihr Sohn kann die Pendlerpauschale nicht geltend machen. Hierbei gehe ich davon aus, dass Ihr Sohn ausschließlich eine allgemeinbildende Schule besucht und keiner Erwerbstätigkeit nachgeht . Zwar können auch Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung bis zur Höhe von 6000,00 im Jahr und damit auch die Pendlerpauschale geltend gemacht werden. Bei dem Besuch einer allgemeinbildenden Schule handelt es sich aber nach einhelliger Meinung nicht um eine Berufsausbildung.

In Ihrer eigenen Steuersache können Sie keine zusätzliche Pendlerpauschale für Ihren Sohn geltend machen. Das sieht das Gesetz nicht vor.

Können Sie mir mitteilen, wie die Wohnung in München noch tatsächlich genutzt wird? So gut wie überhaupt nicht? Diese Frage wird Sie möglicher Weise auch das Finanzamt stellen. Denn in München läßt man üblicher Weise kein(e) Haus/Wohnung leer stehen.

Nachfolgend der einschlägige Gesetzestext:


Einkommensteuergesetz (EStG)
§ 9 Werbungskosten
(1) 1Werbungskosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen. 2Sie sind bei der Einkunftsart abzuziehen, bei der sie erwachsen sind. 3Werbungskosten sind auch
4.
Aufwendungen des Arbeitnehmers für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte im Sinne des Absatzes 4. 2Zur Abgeltung dieser Aufwendungen ist für jeden Arbeitstag, an dem der Arbeitnehmer die erste Tätigkeitsstätte aufsucht eine Entfernungspauschale für jeden vollen Kilometer der Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte von 0,30 Euro anzusetzen, höchstens jedoch 4 500 Euro im Kalenderjahr; ein höherer Betrag als 4 500 Euro ist anzusetzen, soweit der Arbeitnehmer einen eigenen oder ihm zur Nutzung überlassenen Kraftwagen benutzt.

Für die Bestimmung der Entfernung ist die kürzeste Straßenverbindung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte maßgebend; eine andere als die kürzeste Straßenverbindung kann zugrunde gelegt werden, wenn diese offensichtlich verkehrsgünstiger ist und vom Arbeitnehmer regelmäßig für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte benutzt wird.

Hat ein Arbeitnehmer mehrere Wohnungen, so sind die Wege von einer Wohnung, die nicht der ersten Tätigkeitsstätte am nächsten liegt, nur zu berücksichtigen, wenn sie den Mittelpunkt der Lebensinteressen des Arbeitnehmers bildet und nicht nur gelegentlich aufgesucht wird.


(6) 1Aufwendungen des Steuerpflichtigen für seine Berufsausbildung oder für sein Studium sind nur dann Werbungskosten, wenn der Steuerpflichtige zuvor bereits eine Erstausbildung (Berufsausbildung oder Studium) abgeschlossen hat oder wenn die Berufsausbildung oder das Studium im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfindet. 2Eine Berufsausbildung als Erstausbildung nach Satz 1 liegt vor, wenn eine geordnete Ausbildung mit einer Mindestdauer von 12 Monaten bei vollzeitiger Ausbildung und mit einer Abschlussprüfung durchgeführt wird. 3Eine geordnete Ausbildung liegt vor, wenn sie auf der Grundlage von Rechts- oder Verwaltungsvorschriften oder internen Vorschriften eines Bildungsträgers durchgeführt wird. 4Ist eine Abschlussprüfung nach dem Ausbildungsplan nicht vorgesehen, gilt die Ausbildung mit der tatsächlichen planmäßigen Beendigung als abgeschlossen. 5Eine Berufsausbildung als Erstausbildung hat auch abgeschlossen, wer die Abschlussprüfung einer durch Rechts- oder Verwaltungsvorschriften geregelten Berufsausbildung mit einer Mindestdauer von 12 Monaten bestanden hat, ohne dass er zuvor die entsprechende Berufsausbildung durchlaufen hat.

§ 10
(1) Sonderausgaben sind die folgenden Aufwendungen, wenn sie weder Betriebsausgaben noch Werbungskosten sind oder wie Betriebsausgaben oder Werbungskosten behandelt werden:

7.
Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung bis zu 6 000 Euro im Kalenderjahr. 2Bei Ehegatten, die die Voraussetzungen des § 26 Absatz 1 Satz 1 erfüllen, gilt Satz 1 für jeden Ehegatten. 3Zu den Aufwendungen im Sinne des Satzes 1 gehören auch Aufwendungen für eine auswärtige Unterbringung. 4§ 4 Absatz 5 Satz 1 Nummer 6b sowie § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 4 und 5, Absatz 2, 4 Satz 8 und Absatz 4a sind bei der Ermittlung der Aufwendungen anzuwenden.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Franz Meyer
Rechtsanwalt
Steuerrecht Steuerstrafrecht


Rechtsanwalt Franz Meyer

Nachfrage vom Fragesteller 20.09.2018 | 11:08

Ich möchte die Wohnung in München behalten und den Mietvertrag nicht kündigen, vielleicht möchten wir nach einiger Zeit in diese Wohnung nach München zurückkehren. Zum zweiten lebt eine untermieterin in dieser Wohnung der ich diese Wohnung lassen möchte und gegebenfalls an ein paar Tagen im Monat ebenfalls in der Wohnung leben möchte. Im Grunde ist München dann mein nebenwohnsitz wo ich vom hauptwohnsitz Augsburg zum arbeiten hin Pendel. Berührt der eue nebenwohnsitz München meinen bestehenden Mietvertrag? Oder spielt Haupt oder Nebenwohnsitz keine Rolle für einen Mietvertrag? Dann würde ich nämlich so wie ich Sie verstanden habe, Augsburg als Hauptwohnsitz melden und München als Nebenwohnsitz da es steuerlich besser absetzbar ist für meinen Arbeitsweg.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 20.09.2018 | 11:32

Gut, dass Sie nachfragen. Sie können in jeder Hinsicht unbedenklich die Wohnung in Augsburg als Hauptwohnung und die Wohnung in München als Nebeneohnung melden. Genau genommen sind Sie dazu sogar nach dem Bundesmeldegesetz verpflichtet und rein theoretisch könnte ein Bußgeld drohen. Es handelt sich nur um einen melderechtlichen Vorgang, der auf den Bestand des Mietvertrages keinen Einfluss hat. Unabhängig davon sollten Sie bei einer echten Untervermietung prüfen, ob Sie hierzu nach dem bestehenden Mietvertrag berechtigt sind. Ohne Einverständniserklärung des Vermieters könnte sonst ein Kündigungsgrund vorliegend. Ich bin allerdings kein Mietrechtsexperte. Am besten sprechen Sie den Vermieter darauf an.
Mit freundlichen Grüßen
Franz Meyer
Rechtsanwalt
Steuerrecht Steuerstrafrecht

Bewertung des Fragestellers 20.09.2018 | 13:40

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"Mir hat der Herr Meyer sehr gut helfen können, gut fand ich auch das er nachfragte um sich besser auf meine Frage der wohnsitze und Mietvertrag und Pendlerpauschale einzugehen.
Recht herzlichen Dank noch einmal dafür. So weiss ich jetzt das ich mich in Augsburg mit meinem Hauptwohnsitz melden kann ohne das mir in MUC was verloren geht.
Ich empfehle Sie weiter, ich bin auch immer noch erstaunt wie schnell die Antworten kamen nach dem sie mein Angebot angenommen hatten. Ich bin sehr zufrieden. "
Stellungnahme vom Anwalt:
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BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 20.09.2018
5/5,0

Mir hat der Herr Meyer sehr gut helfen können, gut fand ich auch das er nachfragte um sich besser auf meine Frage der wohnsitze und Mietvertrag und Pendlerpauschale einzugehen.
Recht herzlichen Dank noch einmal dafür. So weiss ich jetzt das ich mich in Augsburg mit meinem Hauptwohnsitz melden kann ohne das mir in MUC was verloren geht.
Ich empfehle Sie weiter, ich bin auch immer noch erstaunt wie schnell die Antworten kamen nach dem sie mein Angebot angenommen hatten. Ich bin sehr zufrieden.


ANTWORT VON

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