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Pauschalreise und Änderung Flugzeiten


08.05.2018 15:43 |
Preis: 47,00 € |

Reiserecht


Beantwortet von


Zusammenfassung: Fluggastrechte bei Verschiebung des An- oder Abflugs.


Seit Buchung meiner Pauschalreise nach Korfu am 06.10.2017 wurden die Flugzeiten dreimal geändert.
In der Buchungsbestätigung waren folgende feste Flugzeiten angegeben:
Abflug nach Korfu am 16.06.2018 um 06:00 Uhr
Rückflug von Korfu am 30.06.2018 um 10:00 Uhr

1. Änderung am 05.03.2018
Abflug nach Korfu am 16.06.2018 um 14:15 Uhr
Rückflug von Korfu am 30.06.2018 um 10:00 Uhr

2. Änderung am 19.03.2018
Abflug nach Korfu am 16.06.2018 um 14:15 Uhr
Rückflug von Korfu am 30.06.2018 um 18:15 Uhr

3. Änderung am 04.05.2018
Abflug nach Korfu am 16.06.2018 um 17:30 Uhr
Rückflug von Korfu am 30.06.2018 um 21:20 Uhr

In der Buchungsbestätigung steht nichts von vorläufigen Flugzeiten o.ä.
In den allgemeinen Veranstalterbedingungen heißt es:
Änderung Reiseleistung.
a. Änderungen wesentlicher Reiseleistungen sind zulässig, wenn sie nach Vertragsschluss
erforderlich werden, nicht vom Veranstalter der Reise gegen Treu und Glauben herbeigeführt
wurden, nicht erheblich sind und den Gesamtzuschnitt der Reise nicht beeinträchtigen.
Eventuelle Gewährleistungsansprüche bleiben hiervon unberührt.
b. Soweit Änderungen nach Nr. 1.a. zulässig sind, bleiben insbesondere kurzfristige Änderungen
der Abreise- und Ankunftszeiten, der Schiffsrouten und Flugstreckenführung
wie auch kurzfristiger Wechsel von Kreuzfahrtschiff, Fluggerät oder Fluggesellschaft ausdrücklich vorbehalten.

Ich habe die Flugzeiten bei Buchung extra so gewählt, um einen Nachtflug zu vermeiden. Mit den letztgenannten Flugzeiten ist mein Heimatort mit öffentlichen Verkehrsmitteln am gleichen Tag nicht mehr erreichbar. Ich will den Urlaub antreten, eine Stornierung steht nicht zur Debatte.
Frage:
Muss ich diese Änderungen hinnehmen?
Sind diese Flugzeitenänderungen mit dem BGH Urteil (Az.X ZR 24/13) vom 10.12.2013 vereinbar?
Wenn nein: Welche Rechte habe ich und wann muss ich sie geltend machen, vor oder nach der Reise?
Steht mir eventuell Schadenersatz nach der Kemptener Reisemängeltabelle zu?



10.05.2018 | 11:20

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Ihre Fragen beantworte ich nicht einzeln, sondern insgesamt an der Thematik Flugzeitverspätung/-änderung.

Sie haben primär das Recht auf eine Ausgleichszahlung. Entscheidend ist hier die Abweichung der neuen von der alten Abflug- bzw. Ankunftszeit und wann Ihnen die Änderung mitgeteilt wird. Wird die Änderung mehr als vierzehn Tage vor dem eigentlichen Abflug mit, so müssen Sie dies hinnehmen und bekommen keine Entschädigung. Somit steht Ihnen nach der europäischen Fluggasterechteverordnung keine Entschädigung zu.
Sollten noch weitere Änderungen hinzutreten ist zu beachten:
Erhalten Sie 7-14 Tage vor Abflug Kenntnis, haben Sie einen Anspruch auf Entschädigung, wenn der Abflug um mehr als zwei Stunden früher oder die Ankunft mehr als vier Stunden später als die ursprünglich geplanten Zeiten stattfinden.
Alles was noch kurzfristiger geändert wird, führt automatisch zu einem Entschädigungsanspruch, wenn der Abflug um mehr als eine Stunde nach vorne oder die Ankunft um mehr als zwei Stunden nach hinten verschoben wird.
Die Höhe der Entschädigung, die Ihnen bei einer Flugzeitenänderung von Ihrer Fluggesellschaft zusteht ist abhängig von der Gesamtflugstrecke.
Hinzutreten stets auch weitere Rechte wie die Kosten für Übernachtung und Verpflegung.

Weitere Ansprüche aus dem Reiserecht heraus, wie eine Reisepreisminderung oder entgangene Urlaubsfreuden müssen aus dem Reisevertrag heraus geltend gemacht werden, also nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Eine Orientierung Über die Höhe des Minderungsbetrags geben verschiedene Tabellen, die auf einer Urteilsdatenbank beruhen. Hierbei bevorzuge ich die Frankfurter Tabelle des OLG Frankfurt, die zumeist in reiserechtlichen Angelegenheiten zuständig sind.

Ich sehe hier allenfalls einen Erfolg für Sie, wenn es sich um sachgrundlose Flugverschiebung handelt. Hier müssen Sie sich, wenn es sich um eine Pauschalreise handelt, an den Reiseveranstalter wenden.
Nach der Frankfurter Tabelle können ab einer Verschiebung von 4 Stunden 5 % des auf einen Tag entfallenden Reisepreises zurückgefordert werden – und weitere 5 % für jede weitere Stunde. Sie müssen sich dann ausrechnen, ob die Forderung oder die pauschale Erstattung nach der Fluggastrechteverordnung wirtschaftlich besser ist.

Ist die Verschiebung größer als 4 Stunden und unzumutbar, ist der Reiserücktritt möglich. Hier ist dann auch ein Anspruch auf Schadensersatz möglich.
Bei einer erheblichen Verschiebung ist auch der Anspruch auf eine Ersatzbeförderung möglich oder Erstattung der Ersatzbeschaffung (Amtsgericht Hannover: Az. 568 C 7273/15).

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Michael Wübbe

Nachfrage vom Fragesteller 10.05.2018 | 12:57

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt,
herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Leider sind Sie auf meine Frage nicht eingegangen, ob der vorliegende Sachverhalt auf das Urteil des BGH vom 10.12.2013 Az. X ZR 24/13 zutrifft. Nach diesem Urteil sind Reisezeiten im Reisevertrag im gewissen Umfang verbindlich, da der Reiseveranstalter die Möglichkeit hat, sich hinsichtlich der Reisezeiten durch große Zeitfenster abzusichern. Viellicht habe ich aber als Laie das Urteil falsch interpretiert.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 10.05.2018 | 13:20

Sehr geehrter Ratsuchender,
verzeihen Sie, wenn ich nicht deutlich genug herausgearbeitet habe, dass das Urteil des BGH nur für die dort genannten Fälle und Klauseln gilt. Insbesondere auch den Hinweis auf die Vorgehensweise und auf die Möglichkeit der Reisepreisminderung. Zudem sagt das Urteil des BGH lediglich, dass die Veranstalter sich mit Klauseln keine sachgrundlose Flugverschiebung ausbedingen dürfen. Daher auch der Hinweis auf den Anspruch bei sachgrundloser Verschiebung.

Nur aus diesem Grund, wenn es sich um eine sachgrundlose Verschiebung handelt, haben Sie einen Anspruch in dem o.g. Umfang. Auch der nicht in dem Urteil behandelte Anspruch auf pauschalen Schadensersatz, ist nur dann möglich, wenn die Voraussetzungen gegeben sind.

Aus diesem Grund ist es so, dass das Urteil nur dann greift, wenn eine sachgrundlose Verschiebung vorliegt. Aus diesem Grund noch einmal der Tip: wenden Sie sich an den Reiseveranstalter, wenn Sie eine Pauschalreise gebucht haben.

Für den Fall, dass Sie den Flug direkt gebucht haben, müssen Sie sich an die Airline wenden.

Freundliche Grüße,
RA M. Wübbe


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