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PUV verweigert Entschädigung nach Sportunfall

31.03.2015 12:59 |
Preis: ***,00 € |

Versicherungsrecht, Privatversicherungsrecht


Zusammenfassung: Probleme bei der Unfallregulierung nach Sportunfall

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Oktober letzten Jahres zog ich mir während eines Fußballspiels meines Sportvereins eine Knieverletzung (Innenmeniskusriss und Teilruptur vorderes Kreuzband) zu. Die Bewegung, die dazu führte war ein schneller Lauf/Sprint. Am selben Tag war ich noch in der Notaufnahme und wurde untersucht. Ich habe den Unfall meiner PUV (Interrisk) fristgerecht gemeldet und bekam einen Unfallfragebogen zugesandt, den ich innerhalb kurzer Zeit ausfüllte und zurückschickte.

Nun kam es zum ersten Problem. Da ich versicherungstechnisch ein Laie bin und nicht wusste, was ich denn genau alles in dem Unfallbogen schildern sollte, schrieb ich wortwörtlich " ...dass ich bei einem Fußballspiel plötzlich ein heftiges Schnalzen im Knie verspürte und daraufhin nicht mehr auftreten konnte..".

Die PUV antwortete, dass es für einen Unfall einen plötzlich von außen auf den Körper wirkendes Ereignis oder eine erhöhte Kraftanstrengung (außergewöhnlicher Einsatz von Muskelkraft) braucht. Da in Ihren Augen aber beides nicht vorliegt, übernehmen Sie keinen Versicherungsschutz.

Daraufhin legte ich Einspruch ein und schilderte nochmals genau wie es zu dem Unfall kam. Dass der Schritt, welcher zu der Verletzung führte im Sprint geschah und die Verletzung folglich somit durch eine erhöhte Kraftanstrengung entstand. Dafür habe ich auch mehrere Zeugen.

Meine PUV sah das wohl ein und bat mich Ihnen ein Schweigepflichtsentbindung zu unterzeichnen, damit Sie bei der Notaufnahme nach dem Aufnahmeprotokoll fragen konnte.

Bei dem Notarzt, der mich erstversorgt hatte, gab ich den Unfallhergang jedoch korrekt an und erwähnte den Sprint als Unfallursache. Auch dafür habe ich einen Zeugen. Jedoch protokollierte der Notarzt auch nur das "plötzliche Schnalzen" im Knie, was meine PUV als Grund nahm um meinen Einspruch abzulehnen.

Nun folgte mein zweiter Einspruch, indem ich der PUV nochmals erklärte, dass ich sowohl Zeugen habe, die den Unfallhergang, wie bereits geschildert, beobachtet haben und bezeugen können und dass es desweiterten Zeugen gibt, die meine wahrheitsgemäße Schilderung in der Notaufnahme bestätigen können. Ich bat die PUV nochmals meinen Fall ordnungsgemäß zu prüfen.

Als Antwort von der PUV kam dann nur ein Zweizeiler, dass "das an dem Sachverhalt nichts ändere und Sie bei Ihrer Entscheidung bleibe."

In meinen Augen war das ganz klar ein Unfall und ich habe viele Zeugen die das belegen können. Ich ärgere mich sehr darüber, dass die Versicherung
1) nicht auf meine Zeugen eingeht und
2) mir die Leistungen verwehrt wegen einer unvollständigen Erstschilderung. (Da ich, wie gesagt, sowas noch niemals ausfüllen musste.)

Nun lautet meine Frage wie folgt:

Lohnt es sich nun für mich den Fall weiter zu verfolgen und wenn nötig auch anwaltlich gegen meine PUV vorzugehen, um die Versicherungsleistung zu erhalten?

Freundliche Grüße

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Ohne Ihre konkreten Versicherungsbedingungen zu kennen, lege ich meiner Antwort das Gesetz sowie die Musterbedingungen des GDV zu Grunde.

Lohnt es sich nun für mich den Fall weiter zu verfolgen und wenn nötig auch anwaltlich gegen meine PUV vorzugehen, um die Versicherungsleistung zu erhalten?

Dazu müssen Sie im Falle einer streitigen Auseinandersetzung den Beweis führen, dass ein bedingungsgemäßer Unfall eingetreten ist.

Lassen Sie dazu bitte alle Ihre Zeugen ein Erinnerungsprotokoll schreiben.

Was mit dem Begriff „Unfall" gemeint ist, beschreibt Ziffer 1.3 AUB 2010/2008 und die Legaldefinition in § 178 Abs. 2 Satz 1 VVG, wonach Unfall dann vor liegt, wenn die versicherte Person durch ein plötzlich von außen auf ihren Körper wirkendes Ereignis unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung erleidet.

Ob ein Unfall im oben genannten Sinne vorliegt, ist eines der Kernprobleme des Unfallversicherungsrechts. Anhand der verschiedenen Unfallmerkmale ist eine genaue Prüfung erforderlich.

Wichtig ist vorliegend das Merkmal eröhte Kraftanstrengung im Rahmen des erweiterten Unfallbegriffes nach § 178 Abs. 1 2 Alternative udn den Musterbedingungen.

Die Musterbedingungen sehen das Reißen von Bändern durch erhöhte Kraftanstrengung als Unfallbedingtes Ereignis an.

So wurde bspw. von der Rechtsprechung als Unfall angesehen (VersR 1992, 1247), wenn es zu eine, Achillessehnenriss durch einen Pressball beim Fußballspielen kommt. Hier überwiegt aber eher das von außen wirkende Element.

Wird eine Sportart ausgeübt, muss es sich also um eine Kraftanstrengung handeln, die über das hinausgeht, was üblicherweise im Rahmen der Ausübung der Sportart an Kraftanstrengungen von der konkret betroffenen Person entfaltet wird und für diese konkrete Person zur normalen Ausübung der Sportart erforderlich ist (OLG Frankfurt, Urt. v. 7. 4. 1994 – 3 U 111/93, r+s 1995, 157 = VersR 1996).

Allein der Umstand, dass es sich um eine Sportausübung handelt, macht den Kraftaufwand nicht zwangsläufig zu einer erhöhten Kraftanstrengung. Andernfalls würden Verletzungen infolge von Kraftanstrengungen, die außerhalb der Ausübung einer Sportart nicht ausreichend wären, um eine erhöhte Kraftanstrengung zu bejahen (Kloth Unfallversicherung, Kapitel F, Rn.7).

Fußball ist bei Ihnen also eher als normale Kraftanstrengung zu werten.

Für die sachgerechte Einordnung eines Bewegungsablaufs ist es entscheidend, darauf abzustellen, ob es sich für die konkret betroffene Person unter Berücksichtigung deren individueller Beschaffenheit und Fähigkeiten um eine erhöhte Kraftanstrengung handelt (Kloth, a.a.O.)

Diese Ansicht ist aber umstritten (vergleiche Naumann/Brinkmann, ZfS 2012, 69, 72; a.A. offenbar Wagner, r+s 2013, 421, 424, der zwar darauf hinweist, dass es auf die Kraftanstrengung der konkreten Person ankommen muss, bei Ausübung sportlicher Tätigkeiten jedoch offenbar ohne Berücksichtigung der individuellen Beschaffenheit generell eine erhöhte Kraftanstrengung bejahen will).

Sie sehen, hier ist genug Streitstoff vorhanden aber leider keine eindeutige Aussage zu Ihren Gunsten noch zu Ihrem Nachteil.

Die Rechtsprechung hält diverse Verletzungen bereit, bei der Sie aber einen Unfall angenommen hat.

Kreuzbandriss am Knie infolge ruckartiger Bewegungsänderung beim Handballspiel (OLG Frankfurt, Urt. v. 11.3.1998 – 7 U 232/96, OLGR 1998, 239).

Annahme eines über 25 m fliegenden Fußballs in der Luft ist eine erhöhte Kraftanstrengung an Gliedmaßen, nämlich des Beines und des Fußes (Folge: Kreuzbandriss)(OLG Karlsruhe, Urt. v. 18.3.2010 – 12 U 218/09, NJW 2010, 1760.).

Der Innenmeniskus ist weder Muskel, Sehne, Bänder noch Kapsel, so dass dieser Schaden ausbleibt und es nur auf den Kreuzbandriss ankommt.

Schließlich komme ich zu dem Ergebnis, dass es durchaus Erfolgsaussichten gibt, dies aber auch von den konkreten Versicherungsbedingungen abhängig ist.

Sollten Sie mich mit dieser Angelegenheit betrauen wollen, teile ich mit, dass die hier gezahlte Gebühr auf die weitere Tätigkeit angerechnet wird.

Als ehemaliger aktiver Fußballer wünsche ich Ihnen eine schnelle Genesung und dass Sie wieder aktiv spielen können.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

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Schnelle und kompetente Antwort, vielen Dank! Ich komme gerne auf Herrn RA Lembcke zurück ...
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Ich bin immer noch der Meinung, dass es damals die passende Rechtsgrundlage gab, aber diese Detektivarbeit sprengt vielleicht diese Fragestellung. Das Drumrum war sehr hilfreich. Danke ...
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