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Option auf Eintrittskarten erworben - GmbH PLEITE !


04.07.2007 01:35 |
Preis: ***,00 € |

Kaufrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

hallo,

eine kurze frage:

ich habe bei ebay karten für ein paar fussball spiele gekauft. da die karten dem verkäufer noch nicht vorlagen haben wir eine vereinbarung getroffen. wenn er die karten vorliegen hat? dann werden diese sofort an mich weitergeleitet... die zahlung musste ich jedoch sofort leisten (-; .... der vertrag über die abwicklung wurde über seine gmbh gemacht... naja ... nun habe ich die info bekommen : gmbh geht insolvenz ... die karten sollte ich im herbst bekommen ... was nun ?? habe ich die a... karte gezogen weil ich depp einen vertrag mit ´ner gmbh gemacht habe ??

beste grüße
04.07.2007 | 02:57

Antwort

von


344 Bewertungen
Austr. 9 1/2
89407 Dillingen a. d. Donau
Tel: 09071/2658
Web: www.rechthilfreich.de
E-Mail:
Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich wie folgt beantworte:

Mangels gegenteiliger Mitteilung nehme ich an, daß Sie die Karten als Verbraucherin erwerben wollten.

Der Erwerb der Option über ebay erfolgte wohl im Rahmen eines sogenannten Fernabsatzgeschäftes, sodaß ich nach erster Beurteilung der Sach - und Rechtslage davon ausgehe, daß Ihnen gemäß §§ 312 b, 312 d Abs. 1 i.V.m. 355 BGB ein

Widerrufsrecht

zukommt.

Dieses sollten Sie sofort per Einschreiben mit Rückschein ausüben und das bereits bezahlte Geld unter Fristsetzung zurückfordern.

Rein vorsorglich für den Fall, daß das Widerrufsrecht nicht greift, könnten Sie das Rechtsgeschäft auch sofort
( = unverzüglich ! )
gemäß § 119 BGB

anfechten,

da Sie sich hinsichtlich der Kreditwürdigkeit der GmbH in einem zur Anfechtung berechtigenden Irrtum befanden.

Anzuraten ist die Beauftragung eines Rechtsanwaltes, um Ihre Ansprüche schnell und effektiv durchzusetzen.

Insbesondere muss eine Anfechtung gemäß § 121 unverzüglich erfolgen.

Hinsichtlich der Fristen im Zusammenhang mit dem Widerrufsrecht kommt es darauf an, ob Sie ordnungsgemäß und in Textform über das Widerrufsrecht belehrt wurden. Ein beauftragter Rechtsanwalt könnte außerdem prüfen, ob die GmbH überhaupt zum Vertrieb der Kaufoption(en) berechtigt war.

Eile ist in jedem Fall geboten, da die GmbH nach Ihren Angaben vor der Insolvenz steht.

Ich weise schon jetzt darauf hin, daß im Falle eines Rechtsstreits vor Gericht ein nicht zu unterschätzendes Kostenrisiko bestünde. Selbst bei Obsiegen könnten Sie nämlich im Falle der Insolvenz auf den Prozesskosten sitzen bleiben.

Im Insolvenzverfahren könnten Sie übrigens Ihre Forderungen immer noch geltend machen. Dies verspricht jedoch in der Regel wenig Aussicht(en) auf Bezahlung.

Ich hoffe, Ihnen eine hilfreiche erste Orientierung ermöglicht zu haben. Bei Bedarf benutzen Sie bitte die kostenfreie Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Kohberger
Rechtsanwalt
-----------------
Austraße 9 1/2
89407 Dillingen a.d. Donau
Tel.: 09071-2658
www.anwaltkohberger.de

Anhang
§§ 355, 312 b und 312 d BGB ( auszugsweise ):


§ 355 Widerrufsrecht bei Verbraucherverträgen

(1) 1Wird einem Verbraucher durch Gesetz ein WIDERRUFSRECHT nach dieser Vorschrift eingeräumt, so ist er an seine auf den Abschluss des Vertrags gerichtete Willenserklärung nicht mehr gebunden, wenn er sie fristgerecht widerrufen hat. 2Der Widerruf muss keine Begründung enthalten und ist in Textform oder durch Rücksendung der Sache innerhalb von zwei Wochen gegenüber dem Unternehmer zu erklären; zur Fristwahrung genügt die rechtzeitige Absendung.

(2) 1Die Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, zu dem dem Verbraucher eine deutlich gestaltete Belehrung über sein Widerrufsrecht, die ihm entsprechend den Erfordernissen des eingesetzten Kommunikationsmittels seine Rechte deutlich macht, in Textform mitgeteilt worden ist, die auch Namen und Anschrift desjenigen, gegenüber dem der Widerruf zu erklären ist, und einen Hinweis auf den Fristbeginn und die Regelung des Absatzes 1 Satz 2 enthält. 2Wird die Belehrung nach Vertragsschluss mitgeteilt, beträgt die Frist abweichend von Absatz 1 Satz 2 einen Monat. 3Ist der Vertrag schriftlich abzuschließen, so beginnt die Frist nicht zu laufen, bevor dem Verbraucher auch eine Vertragsurkunde, der schriftliche Antrag des Verbrauchers oder eine Abschrift der Vertragsurkunde oder des Antrags zur Verfügung gestellt werden. 4 Ist der Fristbeginn streitig, so trifft die Beweislast den Unternehmer.

(3) 1Das Widerrufsrecht erlischt spätestens sechs Monate nach Vertragsschluss. 2Bei der Lieferung von Waren beginnt die Frist nicht vor dem Tag ihres Eingangs beim Empfänger. 3Abweichend von Satz 1 erlischt das Widerrufsrecht nicht, wenn der Verbraucher nicht ordnungsgemäß über sein Widerrufsrecht belehrt worden ist, bei Fernabsatzverträgen über Finanzdienstleistungen ferner nicht, wenn der Unternehmer seine Mitteilungspflichten gemäß § 312c Abs. 2 Nr. 1 nicht ordnungsgemäß erfüllt hat.

§ 312 b Fernabsatzverträge

(1) 1FERNABSATZVERTRÄGE sind Verträge über die Lieferung von Waren oder über die Erbringung von Dienstleistungen, einschließlich Finanzdienstleistungen, die zwischen einem Unternehmer und einem Verbraucher unter ausschließlicher Verwendung von Fernkommunikationsmitteln abgeschlossen werden, es sei denn, dass der Vertragsschluss nicht im Rahmen eines für den Fernabsatz organisierten Vertriebs- oder Dienstleistungssystems erfolgt. 2Finanzdienstleistungen im Sinne des Satzes 1 sind Bankdienstleistungen sowie Dienstleistungen im Zusammenhang mit einer Kreditgewährung, Versicherung, Altersversorgung von Einzelpersonen, Geldanlage oder Zahlung.
(2) Fernkommunikationsmittel sind Kommunikationsmittel, die zur Anbahnung oder zum Abschluss eines Vertrags zwischen einem Verbraucher und einem Unternehmer ohne gleichzeitige körperliche Anwesenheit der Vertragsparteien eingesetzt werden können, insbesondere Briefe, Kataloge, Telefonanrufe, Telekopien, E-Mails sowie Rundfunk, Tele- und Mediendienste....

§ 312 d Widerrufs- und Rückgaberecht bei Fernabsatzverträgen

(1) 1Dem Verbraucher steht bei einem FERNABSATZVERTRAG ein WIDERRUFSRECHT nach § 355 zu. 2Anstelle des Widerrufsrechts kann dem Verbraucher bei Verträgen über die Lieferung von Waren ein Rückgaberecht nach § 356 eingeräumt werden.
...


Rechtsanwalt Michael Kohberger

Nachfrage vom Fragesteller 04.07.2007 | 03:38

danke für ihr schnelles feedback ... bzgl. widerrufsrecht habe ich ihnen wohl vergessen zu sagen: die karten habe ich vor 5 monaten bezahlt und nun erst meldet die gmbh insolvenz an... die sind pleite !! klage ? lohnt sich doch bestimmt nicht ,oder ? und eine anzeige ? macht die sinn ? ... jedenfalls habe ich daraus echt gelernt... beste grüße

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 04.07.2007 | 10:22

Vielen Dank für die Nachfrage, die ich wie folgt beantworte:

Hinsichtlich dem Lauf eines möglichen Widerrufsrechts mache ich auf den bereits zitierten § 355 BGB, insbesondere auf

§ 355 Absatz 3 Satz 3 BGB aufmerksam.

Es ist also gut möglich, daß die Frist mangels ordnungsgemäßer Belehrung noch nicht zu laufe begonnen hat.

Sie sollten die Geschäftsführung und im Falle eines Insolvenzverfahrens den Insolvenzverwalter auffordern, das Geld zurückzuzahlen. Mit einer solchen Zahlungsaufforderung beginnt kein strittiges Verfahren, sodaß sich das Kostenrisiko in Grenzen hält.

Gut ist es zu wissen, daß es in Ausnahmefällen zu einer sogenannten Durchgriffshaftung auf die hinter der GmbH stehenden natürlichen Personen kommen kann. Besteht gar ein Fall der Insolvenzverschleppung, so spricht die Rechtsprechung den sogenannten Neugläubigern der GmbH regelmäßig den Ersatz des Vertrauensschadens und den Altgläubigern den Quotenschaden zu-
§ 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 64 GmbHG.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Kohberger
Rechtsanwalt
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Tel.: 09071-2658
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Anhang

§§ 38, 174 Insolvenzordnung (InsO ), § 823 Bürgerliches Gesetzbuch ( BGB ) und § 64 GmbHG:

§ 38 InsO Begriff der Insolvenzgläubiger
Die Insolvenzmasse dient zur Befriedigung der persönlichen Gläubiger, die einen zur Zeit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens begründeten Vermögensanspruch gegen den Schuldner haben (Insolvenzgläubiger).

§ 174 InsO Anmeldung der Forderungen
(1) 1Die Insolvenzgläubiger haben ihre Forderungen schriftlich beim Insolvenzverwalter anzumelden. 2Der Anmeldung sollen die Urkunden, aus denen sich die Forderung ergibt, in Abdruck beigefügt werden.
(2) Bei der Anmeldung sind der Grund und der Betrag der Forderung anzugeben sowie die Tatsachen, aus denen sich nach Einschätzung des Gläubigers ergibt, dass ihr eine vorsätzlich begangene unerlaubte Handlung des Schuldners zugrunde liegt.
(3) 1Die Forderungen nachrangiger Gläubiger sind nur anzumelden, soweit das Insolvenzgericht besonders zur Anmeldung dieser Forderungen auffordert. 2Bei der Anmeldung solcher Forderungen ist auf den Nachrang hinzuweisen und die dem Gläubiger zustehende Rangstelle zu bezeichnen.
(4) 1Die Anmeldung kann durch Übermittlung eines elektronischen Dokuments erfolgen, wenn der Insolvenzverwalter der Übermittlung elektronischer Dokumente ausdrücklich zugestimmt hat. 2In diesem Fall sollen die Urkunden, aus denen sich die Forderung ergibt, unverzüglich nachgereicht werden.

§ 823 BGB Schadensersatzpflicht
(1) Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.
(2) 1Die gleiche Verpflichtung trifft denjenigen, welcher gegen ein den Schutz eines anderen bezweckendes Gesetz verstößt. 2Ist nach dem Inhalt des Gesetzes ein Verstoß gegen dieses auch ohne Verschulden möglich, so tritt die Ersatzpflicht nur im Falle des Verschuldens ein.

§ 64 GmbHG
(1) 1Wird die Gesellschaft zahlungsunfähig, so haben die Geschäftsführer ohne schuldhaftes Zögern, spätestens aber drei Wochen nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit, die Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu beantragen. 2Dies gilt sinngemäß, wenn sich eine Überschuldung der Gesellschaft ergibt.
(2) 1Die Geschäftsführer sind der Gesellschaft zum Ersatz von Zahlungen verpflichtet, die nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft oder nach Feststellung ihrer Überschuldung geleistet werden. 2Dies gilt nicht von Zahlungen, die auch nach diesem Zeitpunkt mit der Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmanns vereinbar sind. 3Auf den Ersatzanspruch finden die Bestimmungen in § 43 Abs. 3 und 4 entsprechende Anwendung.

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