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Oberschenkelhalsbruch nicht festgestellt.

14.11.2011 11:16 |
Preis: ***,00 € |

Medizinrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Martin P. Freisler


Hallo,

meine Mutter (65) leidet seit Jahren unter Krebs und befindet sich in Chemo.
Nach einem 14 Tägigen Krankenhaus aufenthalt vor 7 Wochen aufgrund von Nierenversagen etc. wurde sie nach 14 Tagen Intensivstation entlassen.
-> Mit starken schmerzen in der Hüftregion.
Die Ärzte (Chefarzt der Abteilung) hielten es für Begleiterscheinungen der Chemo (Zitat: Die Schmerzen können von den Nieren oder dem Rücken kommen - da sie mehrere Formen von krebs hat und auch das Rückenmark betroffen ist.
Ihr Behandelnder Hausarzt (Onkologe) meinte es könne auch ein Bruch sein. Aber es ist nur eine Vermutung. Weitere Untersuchungen fanden nicht statt.
Es wurden stärkere Schmerzmittel bis hin zu Morphium verschrieben und eine Gehhilfe verordnet.
Vor zwei Tagen letztendlich wurden die Schmerzen so groß, das sie erneut ins Krankenhaus musste.
Befund nach 10 Minuten:Oberschenkelhalsbruch seit 5 Wochen ! OP Termin war heute morgen. Zwischenzeitlich sind Knochensplitter die sich gelöst haben. Da Ihre Krebsform osteoporose Ähnlich wirkt (die Knochen werden anfällig) ist dies besonders kritisch.

Welche Möglichkeiten gibt es nun? Kann ich etwas tun?
Und meine zweite Frage: Sie und mein Vater haben keine Rechtschutzversicherung. Nur ich. Kann ich im Namen meiner Mutter klagen?

Vielen Dank

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Sehr geehrter Fragesteller,

aufgrund Ihrer Schilderungen beantworte ich Ihre Frage in einer ersten rechtlichen Einschätzung wie folgt:

Von der rechtlichen Seite betrachtet kann Ihre Mutter gegen die beteiligten Ärzte bzw. den Träger der Klinik einen Anspruch auf Schadensersatz und Schmerzensgeld geltend machen, wenn diesen nachgewiesen werden kann, dass bei der Behandlung aufgrund der starken Schmerzen in der Hüftregion entweder der medizinische Standard (Facharztstandard) nicht eingehalten oder eine ordnungsgemäße Aufklärung unterlassen worden ist und es dadurch zu einem Schaden gekommen ist.

Ist dieser Nachweis möglich, hat der Schädiger die Schäden zu ersetzen, die kausal auf die Pflichtverletzung zurückzuführen sind. Dies betrifft in Ihrem Fall z.B. die Folgen der verzögerten Befunderhebung bzw. Operation, die Kosten der weiteren Heilbehandlungen, aber auch etwaige Komplikationen oder zurechenbare Folgeschäden.

Zudem besteht in diesen Fällen ein Anspruch auf Schmerzensgeld. Schmerzensgeld soll einen angemessenen Ausgleich sowie eine Genugtuungsfunktion für die erlittenen Schmerzen und Beschwerden haben. Daher kommt es hinsichtlich der Angemessenheit immer auf den individuellen Einzelfall an. Dafür ist insbesondere entscheidend, von welcher Art und welcher Dauer die Verletzungen sind, die durch die Fehler verursacht worden sind.

Da in Arzthaftpflichtfällen bei der Durchsetzung der Ansprüche sowohl medizinische, als auch rechtliche Gesichtspunkte zusammen greifen, ist es für die Verfolgung von rechtlichen Ansprüchen entscheidend, zunächst einmal den Sachverhalt aufzubereiten und diesen sodann unter rechtlichen Gesichtspunkten, aber auch unter medizinischen über einen medizinischen Sachverständigen prüfen zu lassen.

Zur Vorbereitung eines solchen Vorgehens sind am Anfang immer die vollständigen Behandlungsunterlagen anzufordern, zu prüfen und der sich daraus ergebende Sachverhalt durch einen Gutachter auf die Einhaltung des medizinischen Facharztstandards und eine ordnungsgemäße Aufklärung zu überprüfen.

Für die fachkundige ärztliche Begutachtung bietet es sich an, je nach dem konkreten Einzelfall, die eigene Krankenkasse, die Schlichtungsstelle der Landesärztekammer, einen Privatgutachter oder direkt einen gerichtlichen Gutachter einzuschalten. Im Rahmen der Begutachtung wird der Gutachter dazu stellen nehmen, ob im Rahmen der Behandlung ein Fehler geschehen ist und welche Schäden durch diesen Fehler entstanden sind. Das weitere Vorgehen richtet sich nach den daraus gewonnenen Ergebnissen.

Für die fachkundige rechtliche Prüfung und Begleitung bietet sich die Einschaltung eines Fachanwalts für Medizinrecht an. Gemäß Ihren Schilderungen wird im Rahmen dieser rechtlichen Prüfung u.a. ein besonderes Augenmerk darauf zu stellen sein, ob aufgrund der Schmerzsymptomatik in der Hüftregion ein sog. Befunderhebungsfehler nachgewiesen werden kann. D.h. die Schmerzsymptomatik eine unmittelbare weitere Abklärung medizinisch zwingend indiziert hatte, bei welcher sich der Oberschenkelhalsbruch gezeigt hätte. Zudem wird ein weiterer Schwerpunkt darin liegen, den tatsächlichen Eintritt des Oberschenkelhalsbruches festzustellen bzw. die vermeidbaren Folgen einer erst verzögerten Behandlung von den Folgen abzugrenzen, die auch bei sofortiger Behandlung eingetreten wären.

Die vorgenannten Ansprüche auf Schadensersatz und Schmerzensgeld stehen Ihrer Mutter zu. Deshalb wird es aktuell nicht möglich sein, in eigenem Namen Klage zu erheben, bzw. Deckungsschutz von Ihrer Rechtsschutzversicherung zu erhalten. D.h. Sie selbst könnten nur Ansprüche in eigenem Namen verfolgen, wenn Ihnen selbst ein Schaden entstanden ist, wie z.B. ein Unterhaltsschaden oder Kosten.

Ich hoffe, Ihnen mit meinen Ausführungen eine erste rechtliche Orientierung geben zu haben. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass eine abschließende rechtliche Bewertung Ihres Problems die Kenntnis des vollständigen Sachverhaltes erfordert. Im Rahmen dieses Forums können sich die Ausführungen aber ausschließlich auf Ihre Schilderungen stützen, und somit nur eine erste anwaltliche Einschätzung darstellen.

Ich empfehle Ihnen, einen Rechtsanwalt Ihres Vertrauens zu beauftragen, sofern Sie eine abschließende Beurteilung erhalten möchten. Bitten beachten Sie, dass dabei weitere Kosten anfallen.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen



Martin P. Freisler
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Medizinrecht
Fachanwalt für Versicherungsrecht

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