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Nutzungsausfall bei Totalschaden lt. Gutachten - aber dann repariertem Fahrzeug

| 09.07.2008 18:55 |
Preis: ***,00 € |

Schadensersatz


Es geht um die mögliche Nutzungsausfallentschädigung für ein Unfallfahrzeug. Ich schildere die Angelegenheit ausführlich, ich hoffe das deshalb keine Fragen auftreten:

Ende April wurde mein Fahrzeug bei einem Unfall beschädigt, der gegnerische Verkehrsteilnehmer hatte Schuld. Es wurde drei Tage nach dem Unfall eine Begutachtung durch einen Gutachter der gegnerischen Versicherung erstellt - das Gutachten selbst traf allerdings erst 21 Tage nach dem Unfall bei mir und der Versicherung ein, nach mehrmaliger Nachfrage meinerseits. Der Gutachter begründete dies damit weil das Fahrzeug nicht in seinen Unterlagen vorhanden war (ein älteres Modell 12 Jahre alt) und er solange für die Kalkulation benötigt hätte.
Das Fahrzeug war zu dem Zeitpunkt nicht fahrbereit, da ein erheblicher Schaden vorlag (auch keine Verkehrssicherheit gegeben).

Das Gutachten ergab Totalschaden (Rep-Kosten gut 7.000, Fahrzeugwert lt. Gutachten 4.500, Restwert 100).

Drei Tage später erhielt ich einen Scheck von der gegnerischen Versicherung über 4.400 EUR. In der Zwischenzeit hatte ich mich nach vergleichbaren Fahrzeugen umgesehen, jedoch keines gefunden, auch ein Mitgebot bei ebay blieb erfolglos (ist nachweisbar, auch die Suche nach anderen Fahrzeugen). Vergleichbare Fahrzeuge waren kaum zu finden, da es sich um ein selteneres Sondermodell handelte.

Daraufhin entschied ich mich das Fahrzeug zu reparieren, was ich auch in Eigenleistung tat. Hierzu wurden verschiedentlich Ersatzteile beschafft, was zum Teil dauerte. Das Fahrzeug war dann nach 8 Wochen nach dem Unfall wieder repariert und verkehrssicher. Ab diesem Zeitpunkt wurde das Fahrzeug auch wieder von mir genutzt.

Ich habe mich nun an die gegnerische Versicherung gewendet und wollte Nutzungsausfall haben und zwar:

- für die Zeit vom Unfalltag bis zum Zugang des Gutachtens bei mir (21 Tage)
- ab dann für die im Gutachten angegebene Wiederbeschaffungszeit von 14 Tagen

Das Fahrzeug ist einzustufen in Klasse H, aufgrund des Alters habe ich selbst eine Abstufung um eine Klasse vorgenommen, was einem Tagessatz von EUR 59,00 entspricht.

Die Versicherung erwiderte nun, dass ich den Fahrzeugschein für das Nachfolgefahrzeug vorlegen solle - ich erklärte das ein solcher Schein nicht existiert, da das Fahrzeug in Eigenleistung repariert wurde und nachweislich ab dem xx.xx. wieder genutzt wird. Ich erklärte weiter das ich die Vorzeit mit geliehenen Fahrzeugen überbrückt hatte.

Nun möchte die Versicherung Fotos vom reparierten Fahrzeug sehen und zwar wörtlich: "weisen Sie die sach- und fachgerecht durchgeführte Reparatur anhand von Fotos und Reparaturrechnung nach. Ggf. werden wir das Fahrzeug nachbesichtigen."

Meine Frage ist nun wie ich reagieren soll. Bin ich verpflichtet nachzuweisen dass die Rep. "sach- und fachgerecht" durchgeführt wurde - obwohl es nur um den Nutzungsausfall geht ? Bin ich verpflichtet Fotos vorzulegen ?

Natürlich wurde die Reparatur günstiger (geht man von den Ersatzteilen usw. aus) durchgeführt als das Gutachten dies vorsieht. Auch konnten zum Teil Teile noch verwendet werden. Natürlich ist das Fahrzeug durch die Eigenreparatur nicht so repariert wie von einer Fachwerkstatt - aber verkehrssicher und fahrbereit und optisch weitgehend gut repariert.

Besteht hier ein Risiko, dass bei einer evtl. Nachbesichtigung plötzlich Abschläge möglich sind oder der Gutachter gar sein Gutachten korrigiert - was sich möglicherweise sogar auf die bereits erhaltene Fahrzeug-Entschädigung auswirkt ? Muss ich eine Nachbesichtigung zulassen und wenn ja oder nein, was kann die Folge sein ?

Obwohl meine Forderung auch fällig gestellt wurde erging bisher keinerlei Teilzahlung durch die Versicherung - obwohl meiner Meinung nach zumindest die Zeit zwischen Unfall und Gutachtenszugang unstreitig sein muss (?) was den Nutzungsausfall angeht. Der Gutachter hatte bei der Begutachtung keineswegs gesagt das eindeutig ein Totalschaden vorliegt, er "wolle das erst durchrechnen".

Ich danke im voraus für die Beantwortung.

Sehr geehrter Fragesteller,

zunächst vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich auf der Grundlage der von Ihnen gemachten Angaben gerne beantworte.

Bitte beachten Sie, dass durch das Weglassen oder Hinzufügen von Sachverhaltsangaben Ihrerseits die rechtliche Beurteilung anders ausfallen kann, so dass die Beratung innerhalb dieses Forums grundsätzlich immer nur eine erste rechtliche Orientierung in der Sache darstellen kann und keinesfalls den Gang zu einem Kollegen oder zu einer Kollegin vor Ort ersetzt.

Bezugnehmend auf Ihre Ausführungen, lässt sich Ihre Frage auf die rechtliche Problemstellung reduzieren, inwieweit bei einer möglicherweise gegebenen Eigen-/Billigreparatur eine Nutzungsentschädigung zu gewähren ist.

Es ist hierbei zunächst auszuführen, dass der Anspruch auf Nutzungsentschädigung auch im Falle eines Totalschadens des Fahrzeugs für die Wiederbeschaffungszeit grundsätzlich besteht. Dies umfasst unproblematisch immer schon den Zeitraum, wie bei Ihnen die Zeit vom Unfallzeitpunkt bis zum Eingang des Gutachtens.

Voraussetzung für eine Nutzungsentschädigung ist jedoch zunächst, dass eine fühlbare Beeinträchtigung gegeben ist, was wiederum das Vorhandensein eines entsprechenden Nutzungswillen voraussetzt. Dies ist z.B. zu verneinen, wenn der Geschädigte auf eine Reparatur verzichtet oder die Reparatur erst sehr viel später erfolgt oder sich kein anderes Fahrzeug anschafft. Es gibt zwar auch vertretbare Gegenansichten, wonach der Anspruch auf Nutzungsausfallentschädigung die Anschaffung eines Ersatzfahrzeugs nicht mehr voraussetzen soll, diese Gegensansichten finden jedoch bisher keine ausreichende Stütze in der Rechtsprechung. Letztlich kann dies aber in Ihrem Fall dahinstehen, da es in Ihrem Fall vielmehr um das strittige Problem der Eigenreparatur geht bzw. um den hierbei anzusetzenden Zeitraum. Hinsichtlich der weiteren Voraussetzung des Verlustes der Nutzungsmöglichkeit bestehen betreffend Ihren Anführungen keine Anhaltspunkte dafür das diese Voraussetzung zu verneinen wäre.

Hinsichtlich dem Stichwort der Eigenreparatur ist der Entscheidung des OLG Düsseldorf I-U 210/04 vom 25.04.2005 zu entnehmen, dass bei einer Eigenreparatur eines Unfallfahrzeuges es genügt, wenn der Geschädigte für die Geltendmachung des Nutzungsausfalls die tatsächliche Wiederherstellungsdauer angibt. Hierbei ist jedoch anzumerken, dass es sich in diesem Fall nicht um einen Totalschaden handelte und in dem Gutachten eine fiktive Reparaturdauer angegeben wurde.

In Ihrem Fall wird man aber den angegebenen Zeitraum für die Wiederbeschaffung zugrundelegen dürfen, soweit Sie angegeben, dass eine Wiederbeschaffung Ihrerseits nachweislich versucht wurde, aber letztlich gescheitert ist und Sie sich erst danach für eine Eigenreparatur entschieden haben, und die Dauer den angegebenem Zeitraum mindestens übersteigt.

Man wird in diesen Fällen aber gehalten sein darzulegen, dass eine Reparatur erfolgte, in welchem Zeitraum und durch wen das Fahrzeug repariert wurde. Ebenso ist nachzuweisen, welcher Zeitraum auf die Reparatur entfiel sowie dass die Reparatur auch schnellstmöglich erfolgte.

Vor diesem Hintergrund sind auch die Anfragen der Versicherung zu sehen.

Die Formulierung "Sach- und Fachgerecht" ist insoweit jedoch missverständlich. Hierbei handelt es sich nach diesseitiger Ansicht lediglich um die Befürchtung der Versicherung einer unsachgerechten Reparatur, die im eigentlichen Sinne nicht zu dem gewünschten Erfolg führt, dass das Fahrzeug sich in einem Verkehrsgerechten und Fahrtüchtigen Zustand befindet, so dass die Reparaturzeit bzw. Widerbeschaffungsdauer nicht als notwendig im Sinne einer Nutzungsentschädigung zu berücksichtigen wäre.

Inwieweit das bei Ihnen ein Streitpunkt werden könnte, kann ich aufgrund Ihrer Angaben nicht feststellen, aber es dürfte nicht verwundern, wenn sich die Versicherung quer stellt bzw. versucht Ihre Reparaturleistung herabzuwerten, um zumindest die Nutzungsentschädigung für die Zeit der Reparatur zu mindern oder sogar auszuschließen.

Nicht betroffen hiervon ist jedoch die Frage der Schadensersatzleistung. Ebenso ist auch Ihrerseits keine Korrektur des Gutachtens zu befürchten.

Vor dem Hintergrund der Darlegungslast werden Sie aber kaum umhin kommen eine Nachbesichtigung zuzulassen.

Soweit Sie zutreffend ausführen, dass der Nutzungsausfall bis zum Zeitpunkt des Eingangs des Gutachtens feststeht, bestünde grundsätzlich auch bereits eine Zahlungsverpflichtung seitens der Versicherung. Hierbei wird Ihrerseits jedoch wahrscheinlich übersehen, dass die Versicherung wahrscheinlich noch die angestzte Tagessatzhöhe betreffend des Nutzungsausfalls in Zweifel ziehen könnte, so dass die Forderungshöhe, nicht jedoch der Grund, strittig werden könnte.

Ausgehend davon, dass Sie die zutreffenden Tabellen zu Rate gezogen haben, ist noch anzumerken, dass lange strittig war, bis zu welchem Alter der Fahrzeuge die Werte ungeschmälert zugrunde zu legen sind. So wurde in der bisherigen Rechtsprechung dies nur bis fünf Jahre für angemessen erachtet, während ein geringer Teil der Rechtsprechung sich gegen diese Begrenzung wendete, mit der Begründung, dass das Alter eines Fahrzeuges über den Nutzungswert nichts aussage. Es wurde daher meistens eine entsprechende Abstufungen vorgenommen bzw. sogar die Vorhaltekosten zugrundegelegt.

Die regelmäßige Ausrichtung an den Vorhaltekosten hat aber durch durch das Urteil des BGH 23.11.2004 -<a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%20357/03" target="_blank" class="djo_link" title="BGH, 23.11.2004 - VI ZR 357/03: Merkantile Wertminderung">VI ZR 357/03</a> eine Änderung erfahren. Die Vorinstanz ging dabei davon aus, dass auch bei einem 16 Jahre alten Mercedes mit einer Laufleistung i.H.v. 164.000 km wegen der Nutzungsausfallentschädigung die Tabelle von Sanden/Danner/Küppersbusch anwendbar sei, wegen des höheren Nutzwertes und des geringeren Verbrauchs aktueller Fahrzeuge das streitgegenständliche Fahrzeug aber in der Tabelle um zwei Gruppen herabzustufen sei. Dies wurde seitens des BGH nicht beanstandet, ohne dass sich der BGH jedoch in der Sache letztendlich auf Kriterien betreffend der Tabellenabrechnung oder Vorhaltekosten festlegte. Festgestellt wurde aber, dass die Schadensschätzung nach § 287 ZPO: Schadensermittlung; Höhe der Forderung grundsätzlich dem Richter obliege.

Weiter wurde auch ausgeführt, dass sich die tatsächlichen Grundlagen, die für die bisherige Festlegung auf einen Betrag in Höhe der gegebenfalls maßvoll erhöhten Vorhaltekosten als Nutzungsausfall zugrundelegt wurden, sich geändert hätten und im Rahmen tatrichterlichen Ermessens letztlich auch die Ausrichtung an der Tabelle Sanden/Danner/Küppersbusch möglich sei.

Vor dem Hintergrund aber, dass diesseits das Fahrzeug nicht bekannt ist und Ihrerseits letztlich das Alter von 12 Jahren mit angegeben wurde, könnte hier auch eine andere Tagessatzhöhe zugrundegelegt werden.

Ungeachtet dessen, wäre es aber der Versicherung in jedem Fall möglich gewesen den von ihr angenommen und zugrundegelegten Tagessatz für den unstreitigen Zeitraum bereits abzurechnen.

Soweit Sie abschließend noch angemerkt haen, dass der Gutachter bei Begutachtung angegeben habe, dass nicht eindeutig ein Totalschaden vorgeliegen würde und dieser dies erst durchrechnen müsse, ist davon auszugehen, dass dies mit Gutachtenerstellung erfolgt ist, so dass ich Sie gegebenfalls um Klarstellung bitte soweit meinerseits diese Passage missverstanden wurde.

Abschliessend hoffe ich Ihnen einen ersten Überblick verschafft zu haben und Ihnen zu Ihrer Zufriedenheit behilflich gewesen sein zu können. Selbstverständlich stehe ich Ihnen im Rahmen der kostenlosen Rückfragefunktion weiterhin gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen


Holger Roosen
Rechtsanwalt

Rückfrage vom Fragesteller 21.07.2008 | 11:23

Hallo Herr Roosen,

vielen Dank für Ihre ausführliche Beurteilung. Ich habe daraufhin die gegnerische Versicherung nochmals angeschrieben und Ihnen kurz geschildert wie die Reparatur verlaufen ist und auch Fotos mitgesandt - und eine letzte aussergerichtliche Frist gesetzt. Daraufhin haben Sie mir letzten Freitag einen Scheck über 413,00 EUR gesandt und geschrieben, dass sie mir hiermit ohne Anerkennung einer Rechtspflicht eine Woche Nutzungsausfall bezahlen. Desweiteren fordern Sie nochmals Reparaturrechnungen (die es ja wegen der Eigenreparatur nicht gibt) und Unterlagen über den Reparaturverlauf (Dauer etc.).

Was ich nicht verstehen kann: Sie haben mittels Scheck und Schreiben "eine Woche" bezahlt, d.h. sie stellen also die Höhe des Tages-Nutzungsausfalls nicht in Zweifel, aber anscheinend sehr wohl die Ausfalldauer. Dabei sind zwischen dem Unfalltag und der Erstellung und Zusendung des Gutachtens an mich (Gutachter wurde auch durch die Versicherung beauftragt) schon 21 Tage vergangen, auch der Versicherung selbst ging das Gutachten erst nach 21 Tagen zu. Diese Zeit ist doch meiner Meinung nach absolut das Mindeste was die Versicherung zu ersetzen hat, da ich in dieser Zeit ja gar nicht wissen konnte wie das Gutachten ausfällt und wie ich reagieren soll ? Aber auch nach dieser Zeit ist doch mind. die Reparaturdauer zu bezahlen bzw. die im Gutachten genannte Wiederbeschaffungszeit ?

Wie schätzen Sie die Situation ein? Ich werde wohl kaum ohne anwaltliche Hilfe in dieser Sache weiterkommen ... ?

Vielen Dank im voraus.

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 22.07.2008 | 21:00

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Nachfrage beantworte ich gerne und wie folgt:

Ich teile zum einen Ihre Verwunderung, gleichzeitig aber auch nicht, da selbstverständlich eine Versicherung kein vorrangiges Interesse hat Zahlungen zu leisten und ein Versuch kann offensichtlich nicht Schaden, so zumindest aus der Sicht der Versicherung.

Tatsächlich ist es so, dass die Gutachtenerstellung auf die Zeit des Nutzungsausfalls anzurechnen ist, wenn das Fahrzeug in dieser Zeit nicht Fahrtüchtig bzw. Verkehrsicher war. So dass neben der eigentlichen Reparaturzeit auch die drei Wochen für die Gutachtenerstellung im Rahmen des Nutzungsausfalls auszugleichen sind.

Aufgrund des Verhaltens der Versicherung könnte man die Hinzuziehung eines Rechtsanwalts in Erwägung ziehen, da spätestens ab diesem Zeitpunkt die gegenerische Versicherung erkennt, dass weitere Kosten entstehen, die durch die rechtswidrige Verweigerungshaltung auch durch diese zu ersetzen sind. Möglicherweise würde hierdurch die Versicherung entgegenkommender, wenn ich auch leider die Erfahrung gemacht habe, dass die Ablehnung einem gewissen System unterliegt, ohne das darauf ankäme wer auf der anderen Seite ist. Entsprechendes wurde mir auch schon unverbindlich und indirekt bestätigt.

Soweit Sie den Gang zu einem Kollegen noch scheuen sollten, erlaube ich mir Ihnen ein paar Urteile zu zitieren aus denen deutlich hervorgeht, dass die Zeit der Gutachtenerstellung zu berücksichtigen ist, worauf Sie sich in einem entsprechenden Schreiben berufen könnten.

So führte das OLG Brandenburg in seiner Entscheidung vom 09.11.2006 -AZ <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=12%20U%2059/06" target="_blank" class="djo_link" title="OLG Brandenburg, 09.11.2006 - 12 U 59/06: Schadensersatz bei Kfz-Unfall: Schadenminderungspflic...">12 U 59/06</a>- [Fundstelle VRA 2007, 5] aus, dass das vorhergehnde Landgericht Neuruppin vermutlich irrtümlich den mitzuberücksichtigenden Zeitraum für die Gutachtenerstellung außen vorgelassen hatte und sprach dem Kläger eine Nutzungsausfallentschädigung auch für diese Zeit zu.

Bei der Entscheidung des KG Berlin vom 06.01.2003 -AZ <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=12%20U%20138/01" target="_blank" class="djo_link" title="KG, 06.01.2003 - 12 U 138/01: Kfz-Unfall: Anforderung an die Inanspruchnahme von Sonderrechten ...">12 U 138/01</a>- [Fundstelle VRS 2003, 174] ging es zwar um einen Unfall mit einem Einsatzfahrzeug betreffend der Nutzungsausfallentschädigung führt dieses jedoch völlig unabhängig hiervon aus, dass die Nutzungsausfallentschädigung ab dem Tag des Unfalls zusteht. Da aufgrund der sichtbaren Unfallschäden am klägerischen Fahrzeug ein (wirtschaftlicher) Totalschaden nicht bereits am Unfalltag offensichtlich war, begann die vom Sachverständigen festgestellte Wiederbeschaffungsdauer erst mit Zugang des Gutachtens zu laufen. Entsprechend wurde die Zeit bis zur Gutachtenerstellung neben der Wiederbeschaffungsdauer hinzugerechnet.

Im Urteil des OLG Düsseldorfs vom 17.12.2007 -AZ <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=I-1%20U%20110/07" target="_blank" class="djo_link" title="OLG Düsseldorf, 17.12.2007 - 1 U 110/07: Begrenzung des Nutzungsausfalls bei zumutbarer Notrepa...">I-1 U 110/07</a>- [Fundstelle SVR 2008, VI Heft 6 (Kurzinformation)] wurde ebenfalls ausgeführt, dass auch der Schadensermittlungszeitraum, der bis zur Erstellung des Sachverständigengutachtens vergeht, mit zu berücksichtigen ist.

Ebenso führte das OLG Düsseldorf in seiner Entscheidung vom 22.01.2007 [Fundstelle <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VRR%202007,%20269" target="_blank" class="djo_link" title="OLG Düsseldorf, 22.01.2007 - 1 U 151/06: Zu den Voraussetzungen von Mietwagenkostenersatz und N...">VRR 2007, 269</a>f.] aus, dass in dem konkreten Fall, ein Geschädigter sich zunächst mit sachverständiger Hilfe ein Bild über den eingetretenen Fahrzeugschaden verschaffen kann und auch unter Berücksichtigung seiner Schadensminderungsobliegenheit aus § 254 BGB: Mitverschulden nicht gehalten ist, vor Gutachteneingang die Instandsetzung des Wagens zu veranlassen. Insoweit wurde auch in diesem Fall eine Nutzungsentschädigung für die Zeit bis Gutachtenerstellung gewährt.

Im Ergebnis ist festzuhalten, dass Nutzungsentschädigung auch für die Zeit der Schadensermittlung zu gewähren ist. Ich möchte hierbei allerdings darauf hinweisen, dass selbstverständlich keiner der vorliegenden Fälle zu 100% auf Ihren fall anzuwenden ist und kleine Abweichungen unter Umständen große Wirkung haben können. Ich halte aufgrund Ihrer Angaben die Chancen für eine Durchsetzung für gut, wobei eine abschließende Beurteilung letztlich nur anhand den Ihnen vorliegenden Unterlagen erfolgen könnte.

Sollte nach einer entsprechenden Aufforderung Ihrerseits wiederum keine entsprechende Zahlung durch die gegnerische Versicherung erfolgen, wäre ein Gang zu einem Kollegen kaum noch zu umgehen. Selbstverständlich sollten Sie in einem solchen Schreiben vorab darauf hinweisen, insbesondere als der gegnerischen Versicherung hierdurch deutlich gemacht würde, dass dadurch weitere Kosten entstehen.

Ich stünde Ihnen insoweit auch zur Verfügung, halte den Gang zu einem Kollegen vor Ort jedoch für sinnvoller, da die räumliche Entfernung vorliegend einen gewissen Hinderungsgrund darstellen dürfte.

Hinsichtlich der Wiederbeschaffungsdauer bzw. der Reparaturdauer ist auszuführen, dass dies in Ihrem Fall eine Problematik der Beweisbarkeit ist, wie ich Ihnen schon in meiner ursprünglich Antwort ausgeführt hatte, da letztlich dies von Ihnen darzulegen ist. Auch als Sie angeben, dass eine Wiederbeschaffung versucht wurde und erfolglos war. Wenn allerdings dieser Nachweis geführt werden kann, dann könnte sogar über den Zeitraum der Wiederbeschaffungszeit für die Dauer der Reparatur eine Nutzungsausfallentschädigung zu gewähren sein, soweit die Reparaturdauer nicht unverhältnismäßig war und kein Verstoß gegen die Schadebnsminderungspflicht iSv. § 254 BGB: Mitverschulden gegeben ist. Grundsätzlich würde ich in Ihrem Fall aber auch davon ausgehen, dass mindestens die Wiederbeschaffungsdauer anzusetzen ist, da dies eine Begrenzung darstellen soll und insoweit auch ohne Bedeutung ist, ob eine Wiederbeschaffung in dieser Zeit erfolgt oder erst später.

Abschließend hoffe ich, dass ich Ihnen zu Ihrer Zufriedenheit behilflich sein konnte und verbleibe

mit freundlichen Grüßen



Holger Roosen
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