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Nutzung gemeinfreier Kunstwerke / Bilder

25.04.2018 18:27 |
Preis: 50,00 € |

Urheberrecht, Markenrecht, Patentrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Jan Wilking


Sehr geehrte Damen und Herren,

immer häufiger sehe ich Poster, Postkarten, T-Shirts etc. mit den Bildern, Zeichnungen und Texten von "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry. Da dieser länger als 70 Jahre tot ist, ist das Urheberrecht erloschen und seine Werke sind gemeinfrei.

Bedeutet "gemeinfrei" tatsächlich, dass jeder der möchte, Werke von Künstlern die länger als 70 Jahre tot sind, für eigene kommerzielle Zwecke nutzen darf, ohne dass hierfür irgendwelche Lizenzen gezahlt werden müssen? Kann ich beispielsweise einfach so Bilder von Paul Cézanne oder Vincent van Gogh auf T-Shirts drucken und diese verkaufen?

Solche Bilder sind ja vielerorts im Internet als Datei verfügbar. Hat denn der Fotograf, der die Kunstwerke fotografiert und / oder gescannt hat, irgendwelche Rechte? Oder das Museum, wo das entsprechende Werk ausgestellt wird? Und gibt es Einschränkungen in anderen Länder, wo diese 70-Jahre-Regel nicht gilt?

Vielen Dank für Ihren fachlichen Rat!

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Es ist korrekt, dass Sie gemeinfreie Werke (z.B. ein altes Buch oder Gemälde aus Ihrem Eigentum) für eigene, auch kommerzielle Zwecke uneingeschränkt nutzen können, ohne eine Einwilligung des ursprünglichen Urhebers oder dessen Erben zu benötigen.

Dies gilt aber nicht automatisch auch für spätere Fotos der Kunstwerke, denn diese können insbesondere Lichtbildschutz gemäß § 72 UrhG genießen (siehe LG Berlin, 31.05.2016 - 15 O 428/15; OLG Stuttgart, 31.05.2017 - 4 U 204/16), für eine rechtmäßige Nutzung ist daher die Einwilligung des Fotografen erforderlich. Und auch eigene Fotos, die Sie z.B. in einem Museum von dort ausgestellten Kunstwerken machen, dürfen Sie nicht ohne Einwilligung des Eigentümers der Kunstwerke machen und verwerten, da es sich ansonsten um eine Eigentumsverletzung handeln würde (OLG Stuttgart, 31.05.2017 - 4 U 204/16).


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 25.04.2018 | 19:59

Herzlichen Dank.

Eine Nachfrage zu den Reproduktionen der Bilder:

Stellt denn das bloße Fotografieren oder Scannen eines Kunstwerkes eine derartige Leistung dar, die dann unter den Lichtbildschutz gemäß § 72 UrhG fällt?

Sie bspw. hier: https://commons.wikimedia.org

Mir wurde einmal eine einzigarteige und damals sehr innovative Internetseite komplett (!) kopiert und der Richter meinte, dass solch eine Internetseite ja keine schöpferische Tiefe hätte. Und das Abfotografieren eines Bildes hat solch eine?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 25.04.2018 | 20:08

Vielen Dank für Ihre Nachfrage.

Der Unterschied zu Ihrem Beispiel liegt darin, dass Lichtbilder im Sinne des § 72 UrhG im Gegensatz zu Lichtbildwerken (oder anderen urheberrechtlich geschützten Werken) gerade keine Werkqualität erreichen müssen. Geschützt wird nicht eine schöpferische, sondern eine rein technische Leistung, ohne dass es auf die Fähigkeiten und die Technik der Fotoaufnahme ankommt. In der Tat ist es aber juristisch nicht umstritten, ob eine Reproduktion eigenen Schutz genießen kann. Da aber einige Gerichte diesen Schutz bereits bejaht haben, besteht im Falle einer ungenehmigten Nutzung ein hohes Prozessrisiko.

Mit freundlichen Grüßen

Ergänzung vom Anwalt 26.04.2018 | 07:04

Bitte entschuldigen Sie den Tippfehler, richtig sollte es heißen: In der Tat ist es aber juristisch nicht unumstritten, ob eine Reproduktion eigenen Schutz genießen kann.

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