Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Nötigung durch Schwester und Anwalt

| 27.08.2007 03:27 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Im Rahmen einer Erbschaftsangelegenheit wurde konstruiert, daß ich unsere Mutter bestohlen haben sollte. Die Schwester beeinflußte unsere arme alte Mutter und benutzte sie fortan als Handlangerin, die alles unterschreiben mußte. Es kam zur Strafanzeige gegen mich, wegen schweren Einbruch-Diebstahls. Ich fand ein Schreiben meiner Schwester an Mutters Anwalt, ich hätte u.a. auch Mutters ec-Karten entwendet. Die ec-Karten fanden wir bei der Wohnungsbegehung nach Mutters Tod. Meine Schwester nahm sie sofort an sich und versenkte sie in ihrer Handtasche.
Diese Strafanzeige nahmen Schwester und Mutters Anwalt, der jetzt Anwalt der Schwester ist, zum Anlass, mein Handeln zu beeinflußen. Sollte ich in der Erbschaftsangelegenheit der Gegenseite zu Willen (mein Ausdruck)sein, d.h. mit allem Einverstanden, würde man das Verwandtenprinzip gelten machen und die Strafanzeige gegen mich zurückziehen. Der Anwalt hat es mir bestimmt 5 Mal mit lauter Stimme vorgeschlagen und ich habe es sogar schriftlich von ihm. Ich ließ mich darauf nicht ein. Das Strafverfahren gegen mich ist übrigens inzwischen eingestellt worden. Es diente zu 2 Zwecken. 1.) durch Psychoterror und massiven Telefonterror meiner Schwester und durch eine Hausdurchsuchung während meiner Geschäftszeiten sollte meine Firma schwer geschädigt werden. Hat ja auch funktioniert. 2.) Ich sollte in der Erbschaftssache beeinflußt werden. Hat nicht geklappt, denn ich ließ mich nicht erpressen.

Frage: Kann ich meine Schwester und den Anwalt wegen Nötigung anzeigen. Hat das Aussicht auf Erfolg?

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich im Rahmen dieser Erstberatung wie folgt beantworten:

I. Der vorliegende Fall kann möglicherweise als versuchte Nötigung qualifiziert werden.
Nicht unwichtig ist allerdings zu wissen, ob wirklich ein Strafantrag der „Verletzten“, also Ihrer Mutter vorgelegen hat. Ein Strafantrag ist etwas anderes als eine Strafanzeige. Letztere ist nur die Mitteilung an die Strafverfolgungsbehörden, dass eine Straftat begangen wurde. Ein Strafantrag hingegen ist die ausdrückliche Kundgabe des Verletzten, dass er eine Verfolgung der Tat wünscht.

II. Hat ein Strafantrag vorgelegen, so hatte Ihre Schwester nach dem Tod der Mutter nach § 77d II StGB (soweit keine weiteren Geschwister außer Ihnen neben Ihrer Schwester existieren; insoweit bitte ich um ergänzende Angaben im Rahmen der kostenlosen Nachfragefunktion) durch eine mögliche Zurücknahme des Strafantrags nach § 247 StGB durchaus Einfluss auf das weitere Betreiben des Verfahrens gehabt, da ein Haus- oder Familiendiebstahl in der Tat nur auf Antrag verfolgt wird.

III. Eine Drohung mit rechtlichen Schritten (bzw. umgekehrt durch das Unterlassen einer rechtlichen Handlung) ist nicht immer als Nötigungshandlung anzusehen.
Hier meine ich allerdings, dass eine Nötigungshandlung vorliegen dürfte, da die Erbschaftsangelegenheit (dies unterstelle ich an dieser Stelle) von für Sie erheblicher (auch finanzieller) Bedeutung gewesen ist. Allerdings sollten Sie die Umstände des verlangten „zu willen seins“ noch näher darlegen, also welche rechtlichen Konsequenzen sich für Sie bei einer „Kooperation“ mit Ihrer Schwester ergeben hätten.

Letztlich wäre noch zu beurteilen, ob die Handlung der Schwester (und des Anwalts) als „verwerflich“ im Sinne des § 240 II StGB anzusehen ist. Dies ist der Fall, wenn die Handlung einen erhöhten Grad sittlicher Missbilligung besitzt.
Ich meine, dies hier bejahen zu können. Da Ihre Schwester ebenfalls als Erbin in die erbrechtliche Angelegenheit verstrickt gewesen ist, hätte diese den Ausgang des Strafverfahrens schlicht abwarten können oder aber den Strafantrag einfach nur ohne Weiteres zurücknehmen können, da die EC-Karten ja „von selbst“ wieder aufgetaucht waren. Der naheliegende Umstand, dass Ihre Schwester sich den bestehenden Einfluss auf das Strafverfahren zunutze machen wollte, um zivilrechtlich einen „Vorteil“ zu erreichen, halte ich jedoch für insgesamt nicht mehr „hinnehmbar“ und deshalb für erhöht sozialwidrig.

IV. Eine strafbare versuchte Nötigung kann daher auf der Kenntnis der jetzigen Tatsachengrundlage angenommen werden. (Zu den fehlenden Informationen siehe oben.)

Über den Ausgang eines Ermittlungsverfahrens kann hier nur „spekuliert“ werden. Möglich erschiene mir eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldbuße. Ggf. sollten Sie anwaltliche Hilfe bei der Formulierung der Strafanzeige (Nötigung ist kein Antragsdelikt) in Anspruch nehmen.

Ich hoffe, Ihnen mit meiner Antwort geholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen
Stephan André Schmidt, LL.M.
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 27.08.2007 | 13:23

Vielen Dank für Ihre umfassende Antwort. Die Kooperation hätte bedeutet: eine sofortige Verschleuderung unseres Familienbesitzes - Hauses, also, zu einem Spottpreis. Habe gehört, Schwester hatte/hat schon einen Käufer. Alles was an Wert vorhanden war ist schon bei meiner Schwester (Brilliantschmuck von nicht unereblichen Wert wurde von ihr unterschlagen, Geld, etc.), also meine Hinnahme dessen. Und ich sollte allein Mutters Anwalt bezahlen, der wie geschrieben nun Anwalt der Schwester ist.
Es gab lediglich ein Ermittlungsverfahren, von einem Strafantrag weiß ich nichts, er wurde lediglich angedroht.
Da die Gegenseite wußte, daß ich nichts gestohlen hatte, erreichte mich an einem Samstag ein Brief des Anwaltes, ich wäre des Schweren Einbruch-Diebstahles überführt (Psychoterror). Durch diesen Brief erfuhr ich erstmalig von der Sache. Die Hausdurchsuchung fand erst viel später nach dem Erhalt des Briefes statt. Ich sagte der erstaunten Polizei, ich hätte sie schon erwartet.
Wahrscheinlich sollte ich lieber ein Buch schreiben, denn es ist so viel passiert.
Danke Ihnen!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 27.08.2007 | 14:22

Sehr geehrter Fragesteller,

die weiteren Angaben ändern an dem oben vertretenen Ergebnis nichts, so dass ich eine versuchte Nötigung dem Grunde nach als gegeben ansehe.
Es könnte auch dahinstehen, ob Ihre Mutter seinerzeit wirklich eigenhändig einen Strafantrag gestellt hat; sollte dies nicht der Fall gewesen sein, so hat hier die Gegenseite Ihnen jedenfalls vorgespiegelt, Einfluss auf den Ablauf des Strafverfahrens zu haben, weshalb ebenfalls eine Nötigungshandlung vorläge.

Mit freundlichen Grüßen
Stephan André Schmidt, LL.M.
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers |

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Super, danke! Eine mit soviel Mühen und umfassend beantwortete Frage. Der Anwalt hier hat sich wirklich Gedanken gemacht! "
FRAGESTELLER 5/5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 70628 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
3,6/5,0
Das Thema ist sicherlich komplex. habe auch nicht ein abschließendes Ergebnis erwartet, jedoch ein Hinweis zur Abhängigkeit zwischen Ehevertrag und notarieller Vereinbarung einer ehebedingten Zuwendung. Der Hinweis auf eine anwaltliche ... ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Herr RA Aust hat meine Frage zu einer Gesetzesinterpretation, die bis 55 Jahre zurückliegt, sehr detailiert und verständlich beantwortet. Gerne wieder!!! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Ich möchte mich an dieser Stelle bei Frau True-Bohle bedanken. Die Antwort kam sehr schnell und war sehr verständlich formuliert. Mit der realistischen, juristischen Einschätzung meiner Chancen auf Erfolg, ist es mir gelungen, ... ...
FRAGESTELLER