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Nicht anerkanntes Kind

15.07.2018 22:44 |
Preis: 54,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Michael Kinder


Sehr geehrte Damen und Herren,
Meine Frage lautet.
Wir haben erfahren, dass unser Vater ein nicht anerkanntes Kind hat. Es bestand wohl nie ein Kontakt zwischen den beiden. Das besagte Kind wusste nur, dass sein Erzeuger in Westdeutschland lebte und er selber in ostdeutschland DDR wohnte.
Unser Vater wollte leider nie einen Kontakt und es wurde wie damals in den 1950 Jahren so üblich war, der Mutter die ja mit dem Kind in der DDR gewohnt hat ein stattliches Schweigegeld ausbezahlt würde. Die Mutter hat sich Folge dessen auch nie wieder gemeldet. Eine vaterschaftsanerkennung wurde nie gestellt. Der Erzeuger hat uns erst am Sterbebett dann mitgeteilt, dass es da noch ein Kind von ihm gibt. Unser Vater ist jetzt vier Jahre tot. Wie verhält es sich hier mit dem Erbrecht? Kann das nicht anerkannte Kind geb. 1950 noch Erbansprüche stellen? Auch wenn der Vater nicht mehr lebt und uns (seine zwei Töchter) als alleinerbinnen eingesetzt hat?
Herzlichen Dank für ihre Antwort

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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Grundsätzlich sind erbrechtliche Ansprüche davon abhängig, dass das Vater-Kind Verhältnis in rechtlicher Hinsicht feststeht.
Gemäß § 1592 BGB kommt vorliegend, da der Vater nicht mit der Mutter verheiratet war, entweder ein Anerkenntnis oder die gerichtliche Feststellung der Vaterschaft in Betracht.
Da Sie mitteilen, dass auch eine Anerkennung der Vaterschaft nicht stattgefunden hat, käme also nur eine gerichtliche Feststellung in Betracht.
Ob diese erfolgt ist, ergibt sich aus ihren Mitteilungen nicht, die Feststellung könnte aber selbst verständlich grundsätzlich auch jetzt noch erfolgen.
Allerdings könnte dies zwar auf erhebliche tatsächliche Schwierigkeiten stoßen, eine Ausschlussfrist gibt es hierfür jedoch nicht.
Wird die Vaterschaft festgestellt, treten die entsprechenden erbrechtlichen Folgen ein. D.h., dass das Kind dann gesetzlicher Erbe wäre. Soweit es durch Testament von der Abfolge ausgeschlossen ist, hätte es einen Pflichtteilsanspruch, der einem Wertanspruch in Höhe der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils (also wohl 1/6) entspricht.
Dieser Anspruch verjährt gemäß § 195 BGB grundsätzlich in drei Jahren. Allerdings beginnt diese Frist erst mit dem Schluss des Jahres, indem der Pflichtteilsberechtigte vom Erbfall und vom Inhalt des Testaments, dass ihn von der Erbfolge ausschließt, Kenntnis erlangt hat.
Ohne diese Kenntnisnahme verjähren Anspruch spätestens 30 Jahre nach dem Erbbfall (§ 199 IIIa BGB).
Im Ergebnis kann also das Kind noch Ansprüche (Pflichtteilsansprüche) stellen, soweit die genannten Fristen nicht abgelaufen sind. Voraussetzung wäre allerdings, dass die Vaterschaft vorher festgestellt wird.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

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