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Neuer Arbeitgeber vereitelt Ausübung der Tätigkeit


03.11.2005 12:03 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Sylvia True-Bohle



Ich bin seit über zwanzig Jahren in einem sehr speziellen Gebiet bei unterschiedlichen Banken tätig. In der ganzen Zeit war ich in derselben Region bzw. Bundesland unterwegs und habe mir dort bei "meinen" Kunden eine sehr gute Reputation aufgebaut.

Zuletzt war ich vier Jahre erfolgreich bei einer deutschen Großbank beschäftigt und hatte dort aufgrund meiner sehr guten Verbindungen zur Kundschaft einen mehr als gesicherten Arbeitsplatz. Dort wurde ich von einem Headhunter angesprochen, ob ich nicht bei einer europäischen Großbank genau dieses Geschäft aufbauen wolle. In den weiteren Gesprächen mit meinem jetzigen Arbeitgeber (seit Januar 2005) haben wir sehr detailliert die Art der Geschäfte besprochen, dabei wurde mir der Eindruck vermittelt, dass die Bank sehr wohl alle diese Geschäfte auch abbilden kann und darüber hinaus sehr interessiert ist an meinen Kundenkontakten. Letztlich überzeugt hat mich die Aussage, es gebe im Gegensatz zu meinem damaligen Arbeitgeber eine klare Wachstumsstrategie, das von mir verantwortete Geschäft sei als eines der Kerngeschäftsfelder identifiziert.

Sehr bald durfte ich aber feststellen, dass es sich bei den Aussagen mehr um Wunschdenken des deutschen Managements als um Realität handelte. Mein Geschäft wird organisatorisch von einem anderen Bereich verantwortet, der permanent dazwischenfunkt, meine Kunden gehören überwiegend auch nicht zu den Zielkunden in Deutschland, da zu groß. Diese werden ebenfalls von einem zentral geführten Bereich betreut, der sich am Sitz der Bank befindet. Das Verständnis meines Geschäfts entspricht dem einer deutschen Raiffeisenbank (soll keine Abwertung dieser Institute sein ...). Bereits nach fünf Monaten (also noch während der Probezeit) habe ich eine Initiative gestartet mit dem Ziel, derartige Hemmnisse aus dem Weg zu räumen. Erste Gespräche mit zunächst akzeptablen Ergebnissen wurden geführt, dann aber vom Management am Sitz der Bank widerrufen obwohl diese Herren an den Gesprächen teilnahmen.

Ich bin beinahe 44 Jahre alt und fürchte im Moment aufgrund der offensichtlichen Unfähigkeit meines neuen Arbeitgebers um meine in langen Jahren aufgebaute Reputation bei namhaften Unternehmen. Darüber hinaus muss ich befürchten, dass mein Arbeitgeber irgendwann entscheidet, mangels ausreichender Ergebnisse (die mehr an seiner eigenen Organisation liegen denn an meinen Fähigkeiten - ich habe bereits Geschäfte verloren, die der Bank einen deutlich siebenstelligen Ertrag beschert hätten) mein Geschäftsgebiet in Deutschland einzustellen.

Fazit: ich fühle mich hinters Licht geführt und befürchte nun, dass ich die Risiken, die daraus resultieren, alleine ausbaden kann.

Frage: Ich will keinesfalls ohne weiteres zur Tagesordnung übergehen und will ein Gespräch mit den Personalverantwortlichen und dem Management führen mit dem Ziel, für beide Seiten eine Gesichts wahrende Lösung zu finden. Meiner Meinung nach kann und darf sich der Arbeitgeber einer solchen nicht entziehen.

Wie würde ein deutsches Arbeitsgericht einen solchen Fall beurteilen ? Habe ich irgendwelche Regressansprüche gegen den Arbeitgeber ? Oder ist man als Arbeitnehmer hier der Willkür ausgeliefert ?

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Sehr geehrter Ratsuchender,

zur "Tagesordnung übergehen" würde ich an Ihrer Stelle auch nicht.

Etwas unverständlich ist hier das Verhalten des AG, wobei Sie allerdings das erhebliche Problem haben, dass Sie den AG weder zu einem Gespräch noch zu einer Änderung des Verhaltens zwingen können.

Dieses folgt aus der sogenannten Dispositionsmaxime des AG, wonach dieser in der Tat alle unternehmerischen Belange allein steuern kann (sofern nicht zwingend die Mitbestimmung eingreift, was hier aber nicht unterstellt werden kann).

Eine gerichtliche Auseinandersetzung auf Führung eines Gespräches oder Änderung der Firmenpolitik sollten Sie daher nicht führen. Dieser wird - nach Ihre Darstellung - zum Scheitern verurteilt sein.

Auch werden Sie kaum Ansprüche aus der allgemeinen Fürsorgepflicht, die den AG auch gegenüber seinem AN trifft, in messbare Ergebnisse umwandeln können. Die derzeitige Rechtsprechung der Arbeitsgerichte stützt vielmehr die Dispositionsfreiheit des AG.

Regressansprüche könnten Sie daher allenfalls dann gerichtlich erfolgreich durchsetzen, wenn Sie nachweisen könnten, dass der AG wissentlich und willentlich IHNEN persönlich schaden will. Diesen (theoretisch möglichen) Nachweis erfolgreich zu führen, ist praktisch aber nahezu unmöglich.

Empfehlen kann man daher nur, die Leitung (und ggfs. auch die Großgesellschafter /Anleger) direkt anzuschreiben und anhand von detailierten und belegbaren Zahlen deutlich zu machen, dass der Verlust der Geschäfte hier nicht nur Ihnen, sondern auch der Bank schadet; dabei sollten Sie dann auch Ihre Lösung offenlegen, um damit ggfs. Gesellschafter bzw Anleger auf Ihre Seite zu bekommen, und damit vielleicht einen gewissen Druck auf die Leistung auszuüben.

Erfolgt dann (wie offenbar bisher) trotzdem kein Einsehen, kann man nur zum Arbeitsplatzwechsel (ich bin mir bewußt, dass sich dieses leichter schreiben, als umsetzen läßt) raten, um sich "von diesem Zug zu lösen" und nicht weiter den Kundenstamm zu verlieren.

Ich bedauere, Ihnen keine andere Lösung mitteilen zu können. Aber "Schönschreiberei" und das Risiko eines mE aussichtslosen Prozess hilft Ihnen in Ihrer schwierigen Situation nicht weiter.


Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwältin
Sylvia True-Bohle
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