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Namensrecht bei Erwachsenenadoption

| 25.11.2021 11:20 |
Preis: 50,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von


09:45

Seit über 20 Jahren lebe ich in einer nicht-ehelichen Beziehung. Zur Familie gehört die ältere Tochter meiner Partnerin aus einer früheren Beziehung. Sie ist heute 26 Jahre alt und trägt den Nachnamen der Mutter. Wir haben auch eine gemeinsame Tochter (21). Diese trägt meinen Namen. Die Kinder haben also unterschiedliche Nachnamen.

Ich möchte nun die ältere Tochter meiner Partnerin adoptieren. Wir gingen hierbei immer davon aus, dass meine (unverheiratete) Stieftochter auch nach der Adoption ihren Nachnamen behalten kann, wurden jetzt allerdings von der Familienrichterin dahingehen informiert, dass die Adoptivtochter zwingend meinen Namen annehmen müsse, um hiermit Namensgleichheit der Kinder herzustellen.

Wir wollen dies nicht! Ich finde die Argumentation der Richterin auch nicht schlüssig, schließlich leben die beiden Töchter bereits seit 21 Jahren mit unterschiedlichen Nachnamen und bei der Geburt unserer gemeinsamen Tochter bestand auch ein Wahlrecht.

Frage: gibt es eine Möglichkeit dass meine Adoptivtochter den Nachnamen der Mutter beibehält?

25.11.2021 | 11:59

Antwort

von


(2447)
Damm 2
26135 Oldenburg
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Web: http://WWW.RECHTSANWALT-BOHLE.DE
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Sehr geehrter Ratsuchender,

es ist wirklich unverständlich, aber derzeit ist die Aussage der Richterin korrekt.

Mit der Adoption wäre Ihr Nachname auch der Nachname der Stieftochter, was sich aus §§ 1767, 1757 BGB zwingend ergibt.

Dass dieses nicht gerade sinnvoll ist, hat auch der BGH erkannt:

Der BGH hat dem Bundesverfassungsgericht mit deswewgen mit Beschluss vom 13.05.2020 die Frage vorgelegt,

"ob die zwingende gesetzlichen Regelung, wonach die volljährige Angenommene den Namen ihrer Adoptiveltern führen muss, mit dem Persönlichkeitsrecht nach Art. 2 GG vereinbar ist."

Der BGH geht entgegen der noch zwingenden gesetzlichen Regelung davon aus, dass bei der Erwachsenenadoption die Bindung an die Herkunfstfamilie eigentlich erhalten bleibt, also auch der „alte" Nachname dann weiterhin Bestand haben müsste.

Nach der derzeitigen Regelung wäre es nur möglich, dass die Stieftochter den angenommenen Namen dem Geburtsnamen voranstellt (also einen Doppelnamen führt), kann aber Ihren Geburtsnamen nicht alleine weiter führen.

Und genau diese Regelung hält der BGH für verfassungswidrig, hat es also dem Bundesverfassungsgericht vorgelegt.

Denn diese Regelung verletzt das Namensrecht der Angenommenen und den Schutz des Art.2 GG auf Ausdruck der eigenen Identität und Individualität.

Und gerade bei der Erwachsenenadoption, bei der die neue Verwandtschaft nur zum Annehmenden selbst entsteht und die verwandtschaftlichen Beziehungen zur Herkunftsfamilie bestehen bleiben, kann – wie in Ihrem Fall - die erzwungene Namensänderung eben eine unzumutbare Belastung darstellen.


Aber bisher hat das Bundesverfassungsgericht noch nicht entschieden, sodass es bei der bisherigen rechtlichen Regelung verbleibt, Ihre Stieftochter also allein der Doppelname bleiben würde.


Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwältin

Sylvia True-Bohle


Rückfrage vom Fragesteller 27.11.2021 | 09:34

Sehr geehrte Frau True-Bohle,

haben Sie vielen Dank für Ihre Antwort. Nach dem Gespräch mit der Richterin hatte ich diese Antwort befürchtet. Es ist jedoch interessant, dass hierzu eine Entscheidung beim BVG anhängig ist. Vielleicht werden wir diese abwarten.

Dennoch zwei Rückfragen:

Sie schreiben von annehmender- und Herkunftsfamilie mit einem jeweiligen Familiennamen. In einem solchen Fall wäre eine verpflichtenden Namensänderung ja noch nachvollziehbar. Wir haben jedoch als unverheiratetes Paar keinen Familiennamen. Auch bleibt das Verhältnis zur Mutter unverändert bestehen. Nach der Adoption hat unsere Tochter als Eltern ihre leibliche Mutter und einen Adoptivvater. Wie rechtfertigt der Gesetzgeber die Vorgabe, dass die Tochter den Namen der leiblichen Mutter aufgeben muss, um den Namen des Adoptivvaters anzunehmen? Warum sollte der Name des Adoptivvaters eine größere Bedeutung haben als der Name der leiblichen Mutter? Und dies nach 26 Jahren Namenszugehörigkeit?!

Und allgemeiner nur zum Verständnis: Gesetze werden zum Schutz der Bürger erlassen. Bei der hier besprochen Regelung sehe ich jedoch für alle beteiligten ausschließlich Nachteile, insbesondere für die Anzunehmende. Was hat sich der Gesetzgeber dabei gedacht? Wo ist - wenn auch nur rein hypothetisch - irgendein hilfreicher/sinnvoller Aspekt in dieser gesetzlichen Regelung?

Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen aus Berlin
Andreas Albrecht

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 27.11.2021 | 09:45

Sehr geehrter Ratsuchender,

der Gesetzgeber hatte dieses mit dem Umstand begründen wollen, dass das Adoptivkind eben in die "neue" Familie komplett integriert werden soll und eben ein Namensunterschied das angeblich verhindern könnte.

Die hypothische Frage lässt sich kaum mit vernünftigen Argumenten beantworten. Aber das trifft auf eine Vielzahl von gesetzlichen Regelungen zu.

Genau diese bisherige Motivation des Gesetzgebers ist derzeit noch auf dem Prüfstand.

Daher sollten Sie mit der Adoption warten (oder der Doppelname durch die Stieftochter wird gewählt).

Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwältin

Sylvia True-Bohle


Bewertung des Fragestellers 27.11.2021 | 10:22

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