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Nachträgliche Lohnerhöhung in einer GmbH


27.08.2006 19:21 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Marcus Schröter, MBA



Ist es möglich sich für vergangene Monate in 2006 den Lohn zu erhöhen? Sozusagen rückzuvergüten?

Wir zahlen uns brutto nur 1.000 € pro Monat als Geschäftsführer einer GmbH mit 60.000 € Gewinn sowie 400.000 € Umsatz aus.

Wo liegt da wenn die Grenze und falls eine Rückvergütung nicht möglich ist, in welchem Prozentsatz kann man seinen Lohn von Monat zu Monat erhöhen?

Wie steigt der private Einkommenssteuersatz?

Ust.-Voranmeldung wird monatlich abgegeben.


-- Einsatz geändert am 27.08.2006 20:49:36
Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die aufgrund Ihrer Angaben wie folgt beantworte:

1. Ein Rückvergütung oder nachträgliche Lohnerhöhung ist nicht möglich ohne hierbei verdeckte Gewinnausschüttungen durch die Gehaltserhöhungen auszulösen.

Zudem bedarf es bei einer Gehaltserhöhung eine vorherige schriftliche Vertragsgestaltung und einen entsprechenden Gesellschafterbeschluß. Üblicherweise wird die Änderung des Gehaltes zum Beginn des nächsten Geschäftsjahr ausgesprochen.

2. Die Erhöhung des Geschäftsführergehaltes soll moderat erfolgen und keine zu großen Sprünge aufweisen. Das Geschäftsführergehalt, soweit Sie auch Gesellschafter der GmbH sind, hängt von folgenden Faktoren ab:

- der Unternehmensgröße, gemessen am Umsatz, an der Bilanzsumme oder der Mitarbeiterzahl.
- der Branche, in der die GmbH tätig ist. (Branchen mit hohem technologischen Standard und entsprechend guten Ertragsaussichten zahlen tendenziell höhere Gehälter.)
- der Ertragslage der GmbH. (Eine überdurchschnittliche Ertragslage schlägt sich selbstverständlich auch im Gehaltsanspruch des Geschäftsführers nieder.)
- der gesellschaftsrechtlichen Stellung des Geschäftsführers als Unternehmer, der zugleich Besitzer des Unternehmens ist. (Das Gehalt eines Fremd-Geschäftsführers liegt regelmäßig unter dem eines vergleichbaren Gesellschafter-Geschäftsführers, dieses wiederum unter dem eines Gesellschafter-Geschäftsführers mit beherrschendem Einfluss (mehr als 50 % der Anteile).
- der Größe und der Stellung des Geschäftsführers innerhalb des Geschäftsführergremiums. (Entsprechend sind die Bezüge eines Alleingeschäftsführers, der Entscheidungen für alle Bereiche der GmbH trifft, zumeisthöher als die eines Geschäftsführers, der nur ein bestimmtes Ressort, z.B. den kaufmännischen oder technischen Bereich, Personal oder Vertrieb, betreut.)
- und Faktoren in Ihrer Person als Geschäftsführer. Das betrifft Ausbildung und Alter und auch die Dauer der Geschäftsführungstätigkeit.

Das Finanzamt prüft hierbei die Angemessenheit des Gehaltes und der Gehaltserhöhungen. Dabei werden sämtliche Gehaltsbestandteile in die Prüfung einbezogen (BFH, Urteil vom 11.09.1998, Az: I 89/63).

Die Finanzverwaltung wertet bei der Beurteilung der Angemessenheit von Geschäftsführer-Gehältern intern die ihr vorliegenden Zahlen aus Betriebsprüfungen und Steuererklärungen aus.

So wurden folgende Durchschnittswerte von Geschäftsführergehälter ermittelt:
(Bereich der Oberfinanzdirektion Karlsruhe, anwendbar auf das gesamte Erlass vom
17.04.2001 – Sc2742 A – St 331)

Richtwerte für einzelne Branchen
Branchengruppe
Zahlen in Euro
Vergleichbarkeit für steuerliche
Veranlagungszeiträume vor dem 01.02.2002

Umsatz unter 2,5 Mio. €
Mitarbeiter weniger als 20

Industrie/Produktion
110.000 – 145.000 €
Großhandel
100.000 – 130.000 €
Einzelhandel
95.000 – 115.000 €
Freiberufler
135.000 – 185.000 €
Sonstige Dienstleistung
110.000 – 150.000 €
Handwerk
90.000 – 120.000 €


Damit die Finanzbehörden eine Gehaltserhöhung für Sie als Gesellschafter-Geschäftsführer steuerlich anerkennen, brauchen Sie
• einen Gesellschafter-Beschluss zur Änderung des Anstellungsvertrags und
• eine klare und eindeutige Festlegung Ihrer neuen Gehaltsvereinbarung(en).

Wenn Sie als Gesellschafter-Geschäftsführer Ihr Gehalt regelmäßig – z. B. bei Eintritt einer bestimmten Preissteigerung – erhöhen wollen, müssen Sie unbedingt die nachfolgend aufgeführten Wertsicherungs- oder Anpassungsklauseln in Ihren Geschäftsführer-Anstellungsvertrag übernehmen.

Musterformulierung:
Die Parteien werden sich jährlich anlässlich der Feststellung des Jahresabschlusses über eine etwaige Anpassung des Gehalts an die Lebenshaltungskosten und die allgemeinen Gehaltssteigerungen verständigen.

Hinsichtlich der derzeitigen Gehaltssituation besteht sicherlich ein erheblicher Anpassungsbedarf. Jedoch ist die Zulässigkeit auch von dem für Sie zuständigen Finanzamt abhängig.

So wurde beispielsweise eine Gehaltserhöhung von 17 % als überhöht angesehen. Jedoch wäre in Ihrem Fall eine Gehaltserhöhung von 17 % bei dem Ausgangsgehalt noch als moderat anzusehen.

Hinsichtlich der konkreten Gehaltserhöhung empfehle ich Ihnen daher eine Steuerberater zu Rate zu ziehen, da er die Begebenheiten des Finanzamtes vor Ort entsprechenden berücksichtigen kann.

3. Die konkrete Berechung der Steuerbelastungen können Sie hier vornehmen:

http://www.bautraeger.de/berechnung6.asp

Allerdings sind hierbei noch keine Werbungskosten oder Freibeträge steuermindernd berücksichtigt.

Ich hoffe Ihre Fragen umfänglich beantwortet zu haben und stehen Ihnen im Rahmen der Nachfragefunktion gerne zur Verfügung.

Mit besten Grüßen

RA Schröter
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