Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Nachträgliche Anerkennung als Betriebsausgabe? Bitte nur Anwalt f. Steuerrecht

| 28.05.2017 17:35 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Sehr geehrte Anwältin, sehr geehrter Anwalt,

Die Gewinnermittlung meiner Praxis erfolgt per Einnahmeüberschussrechnung.
Es erfolgte für 2012-2014 eine Betriebsprüfung des Finanzamtes und der Sozialversicherung. Dabei wurde festgestellt:

(1)
Wegen falscher sozialrechtlicher Einordnung von Geringverdienern wurde Sozialversicherungsbeiträge nacherhoben. Die von mir 2016 geleisteten Nachzahlungen wollte ich steuerlich dem Jahr zugerechnet wissen, in dem sie auch angefallen waren, also den Jahren 2012-2014. Dieses wurde vom Finanzamt unter Verweis auf § 11 Abs. 2 EStG abgelehnt, wonach die steuerliche Berücksichtigung erst im Jahr der Zahlung zu erfolgen hat.

(2)
Ich habe meine Praxis in einem Wohn-Geschäftshaus. Es fallen für den Unterhalt des betrieblich genzutzten Hausanteils Betriebsausgaben an. Dieser betrieblich genutzte Hausanteil wurde bei allen vorausgegangen Betriebsprüfungen seit 1989 vom Finanzamt mit 52% angesetzt, so dass seit mehr als 20 Jahren vom Finanzamt immer 52% der Gesamtkosten für den Hausunterhalt als Betriebsausgaben anerkannt wurden. Diese Regelung hatte über alle bisherigen Betriebsprüfungen Bestand.
Jetzt ist der Betriebsprüfer von dieser "pauschalen" Regelung abgewichen und ordnet jede einzelne Ausgabe für das Haus (Reparaturen, Wasserschaden, Heiz- und Wasserkosten usw.) entweder dem privaten oder dem betrieblichen Bereich zu. Dabei ist es zu Unbilligkeiten gekommen. So wurde z.B. das Legen einer Drainage wegen Feuchtigkeitsschäden um das Haus nicht zu 52% als Betriebsausgabe anerkannt, sondern gar nicht, weil ja nicht der Praxiskeller direkt von der eindringenden Nässe betroffen war, sondern vor allem privat genutze Kellerräume, wo sich übrigens auch die Gebäudeheizung befindet.
Die Folgen waren erhebliche Steuernachzahlungen.

Bitte helfen Sie mir bei der Klärung folgender Fragen:

Zu 1.)
Können die später erfolgten Nachzahlungen von Sozialversicherungbeiträgen für die geprüften Jahre 2012-2014 tatsächlich nicht für diese Jahre steuerlich berücksichtigt werden? Oder gibt es doch ein Möglichkeit, diese als "nachträglich angefallene Betriebsausgaben" Berücksichtigung finden zu lassen?

Zu 2.)
Nachdem die geschilderte Pauschalregelung, bei der 52% der Betriebskosten für das Haus 25 Jahre lang unbeanstandet als Betriebsausgaben anerkannt wurden, nun gekippt wurde: kann ich dagegen vorgehen? Vertrauensschutz? Bestandsschutz?

Vielen Dank für Ihre Hilfe.

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Zu 1)
Da Sie Ihr Ergebnis im Wege der EÜR ermitteln, gilt das Zufluss- und Abflussprinzip.
Hiervon gibt es nur dann Ausnahmen, wenn Zahlungen kurz nach dem Jahreswechsel erfolgen und diese nach Sinn und Zweck und Veranlassung jedoch noch ganz klar dem Altjahr zuzuordnen sind. In Ihrem Fall ist dies jedoch nicht der Fall. Zwar entfallen die Zahlungen auf vergangene Zeiträume. Hierfür sehen jedoch weder die Abgabenordnung noch das Einkommensteuergesetz Ausnahmen vor. Erst mit dem Abfluss liegen Betriebsausgaben vor.
Selbst im Fall sogenannter "nachträglicher Betriebsausgaben", welcher typischerweise verlangt, dass nach der Aufgabe eines Betriebes noch Betriebsausgaben anfallen, sind diese erst im Jahr des Abflusses steuerlich verwertbar.

Zu 2)
Vertrauensschutz und Bestandsschutz kennt die Abgabenordnung nur für bereits ergangene Verwaltungsakte, also Steuerbescheide. Diese können idR nicht ohne das Vorliegen weiterer Voraussetzungen geändert werden.
Auch hier liegt Ihr Fall jedoch anders. Sie hatten in vergangenen Betriebsprüfungen bestimmte Ergebnisse zur Kostenaufteilung erreicht. Diese Ergebnisse gelten jedoch stets nur für die vergangenen Zeiträume und entfalten keine Indizwirkung für die Zukunft. Dies nämlich würde zu einer Selbstbindung der Steuerverwaltung führen, die ggf auch für rechts- oder sachwidrige Ergebnisse gelten würde. Dies soll gerade nicht der Fall sein. Daher können Sie sich nicht auf einen Bestands- oder Vertrauensschutz berufen.

Bitte beachten Sie, dass ich damit ausdrücklich nicht sagen möchte, dass das Ergebnis des Betriebsprüfers zutreffend ist. Denn grundsätzlich ist eine Kostenaufteilung nach der Grundfläche (Praxisanteil zu Wohnungsanteil) durchaus üblich und nicht zu beanstanden, solange nicht ganz klar lediglich private Bereiche betroffen sind. Ich würde Ihnen raten, einen Steuerberater vor Ort zu mandatieren und mit diesem die Räumlichkeiten anzusehen sowie das Ergebnis der BP zu besprechen. Evtl. bieten sich hier gute Ansatzpunkte für einen erfolgreichen Einspruch.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Bewertung des Fragestellers 30.05.2017 | 12:29

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort, die mir sehr weitergeholfen hat."