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Nachlass hat sich verändert, nachdem ein Testament geschrieben wurde


19.06.2005 11:27 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht



Oma ist verstorben und hinterlässt ein privatschriftliches Testament, welches älter als 25 Jahre ist. Erben sollen sein zu gleichen Teilen für das Guthaben auf dem Girokonto die Tochter und die Enkelin. Im Testament erwähnt ist ein Girokonto, zum heutigen Zeitpunkt existieren allerdings zusätzlich 4 Sparbücher. Wie ist der Nachlasswert zu bestimmen ?

Im Testament sind zusätzlich den beiden Erben Möbel und Hausrat zugesprochen worden. Die Tochter soll die Wohnzimmermöbel bekommen. Bei der Verfassung des Testaments existierten andere Möbel als heute, da die Verstorbene 10 Jahre nach der Verfassung des Testaments in eine andere Wohnung umgezogen ist. Die jetzigen Wohnzimmermöbel sind die Jugendschränke der Tochter. Die damaligen Wohnzimmermöbel sind bei dem Umzug in den Besitz der Enkelin übergegangen. Es existiert nichts Schriftliches (Schenkungsurkunde). Auf welche Möbel bezieht sich das Testament zeitlich ? Wie ist zu verfahren ? Vielen Dank für Ihre Bemühungen.

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Sehr geehrte(r) Ratsuchende(r),

vielen Dank für Ihre Fragen, die ich aufgrund Ihrer Erläuterung wie folgt beantworten möchte.

Zunächst fragen Sie nach dem Wert des Nachlasses. Der Nachlass umfasst das gesamte Vermögen eines Verstorbenen. Er betrifft die Gesamtheit der Rechtsverhältnisse des Erblassers, die beim Erbfall als Ganzes auf den Erben übergeht. Dementsprechend gehören zum Nachlass der Großmutter neben dem Girokontoguthaben auch die Sparbuchkontoeinlagen.

In Ihrem Fall stellt sich nun die Frage, ob die Großmutter mit ihrem Testament ihrer Tochter und der Enkelin lediglich jeweils die Hälfte des Girokontoguthabens vermachen wollte oder ob beide damit als Erben eingesetzt werden sollten. Eine entsprechende Auslegungsregel gibt hier der nachfolgend zitierte § 2087 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB:

" § 2087
1) Hat der Erblasser sein Vermögen oder einen Bruchteil seines Vermögens dem Bedachten zugewendet, so ist die Verfügung als Erbeinsetzung anzusehen, auch wenn der Bedachte nicht als Erbe bezeichnet ist.
(2) Sind dem Bedachten nur einzelne Gegenstände zugewendet, so ist im Zweifel nicht anzunehmen, dass er Erbe sein soll, auch wenn er als Erbe bezeichnet ist."

Bei der Auslegung des Testaments ist vom Zeitpunkt seiner Errichtung auszugehen. Hat der Erblasser seine Zuwendungen an den oder die Bedachten als Verteilung einzelner Gegenstände formuliert, die nach seiner Vorstellung bei der Testamentserrichtung praktisch den gesamten Nachlass ausmachten, so ist zu vermuten, dass er den oder die Bedachten als seine(n) Erben einsetzen wollte.

In Ihrem Fall spricht einiges dafür, dass die Tochter und die Enkelin als Erben zu gleichen Teilen eingesetzt wurden - jedenfalls wenn zur Zeit der Testamentserrichtung das Vermögen im Wesentlichen nur aus dem Girokontoguthaben bestand.

Sollte es allerdings zur Zeit der Testamentserrichtung neben dem Girokontoguthaben noch weitere werthaltige Vermögensgegenstände gegeben haben, dann sind im Zweifel Tochter und Enkelin keine Erben geworden. Es bliebe dann mangels anderweitiger Verfügung bei der gesetzlichen Erbfolge. Die jeweils hälftigen Zuwendungen des Girokontoguthabens an die Tochter und die Enkelin wären dann als Vermächtnisse anzusehen.

Hinsichtlich der Möbel wird es darauf ankommen, ob die im Besitz der Enkelin befindlichen Stücke noch im Eigentum der Großmutter zum Zeitpunkt ihres Todes standen. Dann wären sie von der testamentarischen Verfügung der Großmutter erfasst. Die Tochter könnte dann von der Enkelin die Herausgabe der Möbelstücke verlangen und diesen Anspruch gegebenenfalls auch gerichtlich einklagen.

Eventuell hat die Großmutter jedoch der Enkelin die ihr überlassenen Gegenstände auch geschenkt. Eine Schenkungsurkunde wäre dafür nicht erforderlich. Dann würden diese Möbelstücke nicht in den Nachlass fallen und könnten auch nicht Gegenstand der von der Großmutter zugunsten der Tochter erklärten Zuwendung sein. Es bestünde für die Tochter dann kein Herausgabeanspruch.

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Ausführungen geholfen zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen


Ingo Kruppa
Rechtsanwalt
www.kruppa-ruprecht.de
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