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Nachfolgekosten durch fehlgeschlagene Behandlung von schwangeren Zahnärztin

| 02.05.2017 18:58 |
Preis: ***,00 € |

Medizinrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Thomas Bohle


Eine bei einer Klinik angestellte Zahnärztin führt eine Zahnwurzelbehandlung am Patienten durch. Dabei bricht ihr eine Behandlungsinstrument - eine Feile, die in der Zahnwurzel des Patienten irreversibel steckenbleibt. Als Folge dessen lässt der Patient auf zahnärztliches Anraten hin zunächst keine Überkronung des behandelten Zahnes durchführen, um den Zahn empfehlungsgemäß innerhalb von 12 Monaten auf potenziell auftretende Folgeentzündungen und andere Probleme zu beobachten.

Während des Beobachtungszeitraumes bricht der aufgrund der Wurzelbehandlung mittlerweile spröde gewordene Zahn. Als Folge dessen muss der Zahn gezogen werden. Um die entstandene Zahnlücke wieder zu füllen und damit das Kauvermögen wiederherzustellen, ist schließlich das Setzen eines Implantats mit darauf basierter Krone notwendig.

Die im Rahmen der Implantation entstehenden Behandlungs- und Materialkosten (davon ausgenommen die Kosten für die implantatbasierte Krone) versucht der Patient nun von der Klinik aufgrund folgender Argumentation einzufordern: So

1. ist er im Vorfeld nicht über die potenziellen Behandlungsrisiken aufgeklärt worden;
2. kann er nichts für den Bruch der Feile;
3. hat er nach dem Feilenbruch entsprechend dem zahnärztlichen Ratschlag gehandelt.

Die Klinik argumentiert hingegen, dass es sich bei dem Feilenbruch um ein allgemeines Behandlungsrisiko handelt und eine Zahnwurzelbehandlung stets nur ein letzter Versuch sei, einen Zahn zu retten. Dementsprechend wird eine Kostenerstattung für die Behandlungs- und Materialkosten für die Implantation abgelehnt, bei der es sich laut Klinikaussage um eine neue, unabhängige Behandlung handelt. Stattdessen wird angeboten, die angefallenen, wesentlich niedrigeren Kosten für die fehlgeschlagene Zahnwurzelbehandlung zu erstatten.

Wie ist diese Situation und damit die Forderung des Patient auf Erstattung der Implantationskosten aus juristischer Sicht zu bewerten, insbesondere mit folgendem Hintergrund:

So hat sich in der Zwischenzeit herausgestellt hat, dass die Zahnärztin ohne Wissen des Patienten zum Zeitpunkt der Zahnwurzelbehandlung hochschwanger war und gemäß geltendem Mutterschutzgesetz für Zahnärzte eigentlich keine Zahnwurzelbehandlung hätte durchführen dürfen - vorausgesetzt, dass die Zahnärztin bis zum Zeitpunkt der Behandlung ihren Arbeitgeber über ihre Schwangerschaft informiert hatte. Aktuell ist noch nicht geklärt, ob dies der Fall war.

Sehr geehrter Ratsuchender,


nur auf Grundlage Ihrer Sachverhaltsdarstellung wäre ein Ausgang eines Verfahrens auf Durchsetzung der Ansprüche komplett offen:


1.)
Die Verletzung der Mutterschutzgesetze hat keinerlei Auswirkung auf die Patientenansprüche.

2.)
Ein Bruch von Behandlungswerkzeug ist in der Tat als Behandlungsrisiko zu werten, sofern man nicht nachweisen kann, dass die behandelnde Ärztin die Vorschädigung des Instrumentes hätte erkennen können.

3.)
Ob die Nichtüberkronung ein - für den Anspruch notwendiger - grober Behandlungsfehler ist, wird im Zweifel ein Gutachter feststellen müssen.

Allerdings kann es durchaus medizinisch geboten sein, zwecks Beobachtung die Überkronung zeitlich zurückzustellen.

4.)
Entscheidend ist daher die von Ihnen geschilderte Verletzung der Aufklärungspflicht.

Diese Pflicht hätte nicht nur die Behandlungsrisiken und mögliche Folgen umfassen müssen, sondern auch die Zurückstellung der Überkronung und die dadurch möglichen Risiken.

Ob diese Aufklärung erfolgt ist, lässt sich so nicht klären, zumal wahrscheinlich im Streitfall Klinikpersonal als Zeugen benannt werden können.


Wichtig ist daher, zunächst die gesamte Patientenakte vollständig einzusehen, auch um mögliche Dokumentationsmängel nachweisen zu können.

Dieses Recht steht Ihnen bzw. einem von Ihnen beauftragten Rechtsanwalt zu, wobei auch Kopien (gegen Kostenbeteiligung) verlangt werden können.


Dieses wäre er einzig sinnvolle Weg, mögliche Ansprüche zu sichern. Ergibt sich aus der Patientenakte ein Dokumentationsmangel und die Verletzung der Aufklärungspflicht, werden Sie die Ansprüche durchsetzen können. Ergeben sich aus den Unterlagen solche Fehler nicht, sollten Sie das Angebot der Gegenseite annehmen.


Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwalt
Thomas Bohle, Oldenburg

Nachfrage vom Fragesteller 05.05.2017 | 09:47

Vielen Dank für die sehr verständliche und aufschlussreiche Antwort.

Zur abschließenden Klärung noch folgende Anmerkung bzw. Frage bzgl.Ihren genannten Punkten 1. und 4. :

Zu 1. Mutterschutzgesetz:

Eine Zahnwurzelbehandlung erfordert aufgrund der winzigen Wurzelkanäle unddauerhaft sehr konzentriertes, präzises Arbeiten des Zahnarztes am Patienten über einen längeren Zeitraum hinweg - dies kann ggflls. mehrere Stunden betragen. Es ist daher fraglich, ob eine solcherlei notwendige Arbeits-Konzentration bei einer hochschwangeren Person über die gesamte Behandlungsdauer tatsächlich gegeben ist.

Daher die Frage: Lässt sich ein Patientenanspruch indirekt durch die Verletzung des Mutterschutzgesetzes und damit durch ein unverhältnismäßig hohes Behandlungsrisiko für den Patienten begründen, noch dazu der Patient über die bestehende Schwangerschaft nicht aufgeklärt worden war und er sich damit vor Behandlungsbeginn kein Urteil über das tatsächlich bestehende, erhöhte Risiko bilden konnte?

Zu 4. Verletzung der Aufklärungspflicht:
Hätte die von Ihnen genannte erforderliche Aufklärung bzgl. potenzieller Risiken einer zeitlich zurückgestellten Überkronung VOR Beginn der Zahnwurzelbehandlung erfolgen müssen oder erst zum Zeitpunkt NACH der fehlgeschlagenen Behandlung, nachdem also die Feile gebrochen war und im Zuge dessen die Klinik über die weiteren Handlungsempfehlungen aufklärte?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 05.05.2017 | 09:54

Sehr geehrter Ratsuchender,


die Frage, ob ein stundenlanges konzentriertes Arbeiten möglich ist, stellt sich nicht nur bei einer Schwangeren: Das ist daher insoweit kein besonderes Problem der behandelnden Zahnärztin, denn einen Grundsatz, dass eine Schwangere unkomnzentierter arbeitet, gibt es so nicht.


Die weiterführende Aufklärung hätte erst NACH dem Feilenbruch erfolgen müssen, d.h. die Aufklärungspflicht hätte sich bei den weiteren Handlungsempfehlungen um dieses Zusatzrisiko erweitert (so zumindest die Auffassung des hiesigen Landgerichtes).


Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwalt
Thomas Bohle, Oldenburg

Bewertung des Fragestellers 07.05.2017 | 08:33

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