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Nachehelicher Unterhalt trotz 100% Berufstätigkeit und ohne Bedürftigkeit?

| 14.08.2012 13:09 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Notarin und Rechtsanwältin Anja Holzapfel


Guten Tag,

bei mir liegt folgende Situation vor:

Mein Mann und ich sind seit 22 Jahren verheiratet, seit ca eindreiviertel Jahren getrennt lebend und jetzt steht die Scheidung an.
Wir haben zwei Kinder, die bei mir leben- im Alter von 17 und 20 Jahren. Die Tochter geht noch zur Schule, der Sohn hat bereits Abi und wartet auf einen Studienplatz.

Seit 2006 und dann über 4 Jahre hinziehend, hat mein Mann mich mehrfach betrogen, wobei ich nach dem ersten und zweiten Mal jegliche Anstrengungen unternommen hatte, die Ehe zu retten- das sieht auch mein Mann so, und sagt, wie sehr er bereut, dass er damals nicht in der Lage war, an diesen Anstrengungen zu partizipieren.

Vor der Geburt des ersten Kindes arbeitete ich Vollzeit, danach auf 50% (Außer nach der Geburt des zweiten Kindes- da war ich 3 Jahre in Erziehungsurlaub). Diese Aufteilung beruhte natürlich auf einer gemeinsamen Entscheidung.
Die Affairen meines Mannes und seine Persönlichkeitsveränderung gingen mit sehr großen Kollateralschäden einher für die ganze Familie, Psychotherapien, bis zu der Tatsache, dass mein Sohn mehrere Jahre kein Wort mit seinem Vater gewechselt hat.
Ich habe in dieser Krisenzeit sehr schnell auf 70% und dann auf 80% (bis heute) Arbeitszeit erhöht.
Bereits nach 1 Jahr 70% Tätigkeit bekam ich eine Leitungsfunktion angeboten, ein Jahr später das Angebot mit 41 Jahren auf Kosten des Arbeitgebers berufsbegleitend zu studieren. Das Studium steht kurz vor seinem Abschluss. Es ist bereits vertraglich vereinbart, dass ich ab 2013 100% arbeiten werde. Eine reine Gehaltserhöhung bei mir ist nicht absehbar.

Mein Mann und ich versuchen alles vernünftig zu regeln. Er hat kaum Ansprüche wegen des Hausrats gestellt, das (noch nicht abgezahlte Auto) habe ich bekommen. Er hat freiwillig Unterhaltstitel beim Jugendamt unterschrieben, die er bezahlt- was allerdings zuwenig ist, aber auch ich will wegen 50€ keine Probleme bereiten.
Das Haus ist verkauft und der Gewinn aufgeteilt- sein Wunsch ist es, dass wir mit einem (seinem) Anwalt die Scheidung durchziehen. Der Versorgungsausgleich wird "zu meinen Gunsten" ausfallen, da er zwar wesentlich weniger lang gearbeitet hat, aber immer deutlich mehr verdient hat.
Da es bis hierher keine strittigen Fragen gibt- auch nicht wegen der Kinder- ist soweit alles klar.

Nun zu meinem Anliegen. Das neue Unterhaltsrecht sieht die Eigenverantwortung beider Partner vor.
Dennoch empfinde ich es als sehr ungerecht, dass mir in beruflicher Hinsicht Chancen einfach nicht offen standen, weil ich nur halbtags tätig war und heute an einem ganz anderen Punkt stehe, als er. Sein bereinigtes Nettoeinkommen beträgt zurzeit ca 2900€, meines wird mit 100% ca 1900-2000€ betragen- nicht bereinigt.

Dabei habe ich sein Studium mitfanziert- allein 30000 DM Bafög mitabgetragen, bin arbeiten gegangen, als er studierte (er hat auch nebenbei gearbeitet) und habe familiär- auch später- immer den absoluten Löwenanteil getragen.
Hätte man uns bei der Geburt der Kinder gefragt: wie verteilt ihr die Betreuung wenn ihr davon ausgeht, dass später jeder alleine für sich selber sorgt, wäre MEINE Entscheidung ganz sicher anders ausgefallen.
Da wir auch vor der Ehe schon 9 Jahre zusammen waren, kann ich sagen, dass ich nun wirklich auf unseren gemeinsamen Lebensplan vertraut habe.

Ich möchte meinen zukünftigen Exmann ganz sicher nicht abzocken,- will meinen Kindern und mir immer in die Augen schauen können- aber meine Lebenssituation sähe anders aus, wäre ich nicht so lange nur halbtags arbeiten gegangen.

Ich bin sehr unschlüssig, wie ich mit diesem Gefühl der Ungerechtigkeit umgehen soll, die doch sehr an mir nagt. Zumal die Ursache der Trennung in seinen immer wiederkehrenden Affairen lag- trotz Ehetherapie und dem langen „Zu ihm Stehen" meinerseits.
Welche Chancen sehen Sie für nachehelichen Unterhalt- nicht um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, sondern um diese mir entgangenen Möglichkeiten unter den jetzt gegebenen Umständen für mich ertragbar zu machen?

Es wird keinen Rosenkrieg geben- ich will nichts mit aller Gewalt. Ich möchte aber nach so langer Zeit auch sehr ungern mit dem Gefühl zurückbleiben, doppelt verloren zu haben.

Meine Fragen lauten konkret: sehen Sie realistische Aussichten, dass ich einen Anspruch auf nachehelichen Unterhalt habe?
Falls ja, sollte ich dann bereits zur Scheidung einen eigenen Anwalt haben, oder kann die Scheidung zunächst mit einem Anwalt (kostengünstiger) durchgezogen werden und ich würde danach lediglich versuchen diesen Anspruch zu erheben?
(Am Rande: Würde ich mich damit der Gefahr aussetzen, ethisch verwerflich zu handeln- weil ich mich mit meinem Gehalt natürlich finanzieren kann? Auch diese Frage beschäftigt mich).

Die ganze Materie ist rechtlich, emotional und ethisch nicht so einfach- aber ich bedanke mich schon jetzt für Ihre Bemühungen um Antwort.

Sehr geehrter Fragesteller,

unter Berücksichtigung des von Ihnen dargestellten Sachverhalts und Ihres Einsatzes möchte ich Ihre Frage wie folgt beantworten:

Sie haben nach Ihrer Schilderung durchaus realistische Chancen, zumindest für eine Übergangszeit von einigen Jahren einen Unterhaltsanspruch geltend machen zu können:

So, wie Sie die unterschiedliche berufliche Entwicklung schildern, besteht bei Ihnen ein so genannter "ehebedingter Nachteil". Sie müssten in einem Unterhaltsverfahren allerdings präzise darlegen, wie Ihre beruflich Laufbahn ohne Ehe und insbesondere Kindererziehung/-betreuung voraussichtlich ausgesehen hätte und welche Position und welches Einkommen Sie dann heute erreicht hätten. Wäre nachweisbar, dass Sie beispielsweise 500,- € netto mehr verdienen könnten, wäre das der zusätzliche Bedarf (trotz Ganztagsstelle!), der in die Unterhaltsberechnung mit einzustellen wäre. Von der Leistungsfähigkeit Ihres Mannes hinge dann ab, ob Sie diesen Betrag ganz oder nur teilweise als Unterhalt erhalten. Wie lange dieser Unterhalt gewährt würde, hängt davon ab, wie lange Sie benötigen, um die Nachteile auszugleichen. Hier ist eine pauschale Eischätzung nicht möglich.

Selbst ohne einen ehebedingten Nachteil stünde Ihnen übergangsweise der sogenannte Aufstockungsunterhalt zu. Hintergrund ist, dass Ihr Lebensstandard nicht schlagartig von den (finanziell etwas besseren) ehelichen Lebensbedingungen auf das selbstverdiente Einkommen absinken soll. Hier wird quasi eine Übergangsfrist gewährt, bis Sie mit Ihrem eigenen Einkommen auskommen müssen.

Für die Dauer der Unterhaltspflicht kommt es hier vor allem die Dauer der Ehe an. Bei einer 22-jährigen Ehe dürfte der Aufstockungsanspruch einige Jahre zu zahlen sein. Mir sind Entscheidungen in ähnlichen Fällen von rund fünf Jahren bekannt, ich weise aber ausdrücklich darauf hin, dass die maßgeblichen Faktoren von jedem Richter in jedem Einzelfall gesondert ausgewertet werden.

Wenn das Einkommen Ihres Mannes nach Abzug des Kindesunterhalts bei 2900 € liegt und Sie nach Abzug der berufsbedingten Aufwendungen rund 1800 € haben, müsste Ihr Anspruch mit 3/7 der Differenz rund 470 € betragen.

Sie sollten aus meiner Sicht die Unterhaltsansprüche unbedingt von einem Kollegen vor Ort genau ermitteln und durchsetzen lassen. Aus Kostengründen können Sie das Scheidungsverfahren mit einem Anwalt betreiben und anschließend für den Unterhalt einen eigenen Anwalt beauftragen. Dieser sollte dann die Ansprüche sofort nach Rechtskraft der Scheidung geltend machen.

Wenn Sie bereits einen eigenen Anwalt im Scheidungsverfahren beauftragen, können die Unterhaltsansprüche im Scheidungsverfahren mit geltend gemacht werden, so dass die Scheidung im Regelfall erst ausgesprochen wird, wenn auch der Unterhalt entscheidungsreif ist. Falls Ihr Mann schnell geschieden werden möchte, könnte dies - trotz der höheren Kosten - für einen eigenen Anwalt im Scheidungsverfahren sprechen. Möglich sind grundsätzlich beide Alternativen.

Ggf. wäre auch zu überlegen, ob Sie für die Zeit bis zur Rechtskraft der Scheidung noch Trennungsunterhaltsansprüche geltend machen wollen. Dies müsste in einem gesonderten Verfahren erfolgen. Der nacheheliche Unterhaltsanspruch beginnt erst mit der Rechtskraft der Scheidung.

Zu Ihren "ethischen" Bedenken möchte ich darauf hinweisen, dass sich Ihr Rechtsempfinden bezüglich der entgangenen beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten mit der Rechtsprechung deckt. Aus meiner Sicht ist es nicht verwerflich, wenn Sie und Ihr Mann die wirtschaftlichen Folgen der gemeinsamen Familienplanung und -gestaltung für einige Zeit nach der Scheidung gemeinsam bzw. anteilig tragen und er sich über den Unterhalt an Ihren "Einbußen" beteiligt. Außerdem besteht - wenn Sie die Ansprüche haben ermitteln lassen - auch immer noch die Möglichkeit, dass Sie sich auf einen Zahlbetrag einigen, der etwas unter dem errechnten Betrag liegt, wenn Sie Ihrem Mann entgegenkommen möchten.

Bitte beachten Sie, dass dieses Forum nur eine erste Orientierung bieten, nicht aber die persönliche Beratung ersetzen kann. Dennoch hoffe ich, dass Ihnen meine Antwort weiterhilft.
Abschließend möchte ich Sie auf die Berwertungsmöglichkeit hinweisen.

Mit freundlichen Grüßen

Anja Holzapfel

Bewertung des Fragestellers 11.10.2012 | 17:52

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Stellungnahme vom Anwalt:
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