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Nachbarschaftsrecht Hessen Heckenhöhe


27.12.2012 12:52 |
Preis: ***,00 € |

Nachbarschaftsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Dr. Danjel-Philippe Newerla



Sehr geehrte Damen und Herren,
als Grundstücksbegrenzung haben wir eine Hecke aus verschiedenen Hartriegelbüschen. Diese Hecke ist ca. 2 m hoch. Von unserem Nachbarn erhielten wir nun die schriftliche Aufforderung, die Hecke auf eine Höhe von 1,50 m zu kürzen.
Da das Nachbargrundstück (ein Neubau) insgesamt durch Aufschüttung um 1,50 m-3.00 m erhöht wurde, fragen wir uns nun, ob das hess. Nachbarschaftsrecht mit der vorgeschriebenen Bepflanzung von 1,50 m Höhe noch gilt. Eine Heckenhöhe von 1,50 m gewährt uns nun, nach der Aufschütttung des nachbarschaftlichen Grundstückes, nämlich nicht mehr den nötigen Sichtschutz zum Nachbarn. Gilt hier möglicherweise eine Ausnahmeregelung?
Der Nachbar fordert in seinem Schreiben ebenso, dass drei ca. 3 Meter hohe Koniferen, die drei Meter von der Grundstücksgrenze entfernt sitzen, entfernt werden. Begründung seitens des Nachbarn: Diese Bäume würden zu hoch werden. Wir selbst beabsichtigen, diese Bäume höchstens auf eine Höhe von 4 Meter wachsen zu lassen. Wie ist hier die Rechtssprechung? Dürfen wir unsere Bäume stehen lassen?
Mit der Bitte um baldige Antwort und freundlichen Grüßen.


Sehr geehrte Ratsuchende,

vielen Dank für Ihre Anfrage .
Diese möchte ich sehr gerne wie folgt beantworten:

1. Da das Nachbargrundstück (ein Neubau) insgesamt durch Aufschüttung um 1,50 m-3.00 m erhöht wurde, fragen wir uns nun, ob das hess. Nachbarschaftsrecht mit der vorgeschriebenen Bepflanzung von 1,50 m Höhe noch gilt. Eine Heckenhöhe von 1,50 m gewährt uns nun, nach der Aufschütttung des nachbarschaftlichen Grundstückes, nämlich nicht mehr den nötigen Sichtschutz zum Nachbarn. Gilt hier möglicherweise eine Ausnahmeregelung?

Hier gibt es zwei Aspekte, die zu berücksichtigen sind:

Zum einen die maximal zulässige Höhe der Bepflanzung/Hecke und die Frage, ab wo diese Höhe gemessen wird ( also in Bezug auf die Aufschüttung des Nachbargrundstücks).

Auszugehen ist direkt von Ihrem Grundstücksniveau. Eine Ausnahme gibt es also leider nicht, auch wenn das Nachbargrundstück durch die Aufschüttung nun höher liegt.

Die maximal zulässige Höhe beträgt hier sofern die Hecke direkt an der Grenze steht lediglich 1 m.

Bei Hecken bis zu 2 m Höhe wäre ein Grenzabstand von mindestens 0,5 m einzuhalten, bei Hecken über 2 m Höhe wäre ein Grenzabstand von mindestens 0,75 m einzuhalten.

Sollte die zulässige Höhe überschritten sein so wie eben dargestellt, so wäre noch die Frage, ob eventuelle nachbarrechtliche Ansprüche verjährt sind.

Dieses wäre aber erst dann der Fall, wenn der Nachbar mindestens seit 5 Jahren Kenntnis vom Zustand/Abstand der Hecke hätte, was ich Ihrer Schilderung so nicht entnehmen kann.

2. Der Nachbar fordert in seinem Schreiben ebenso, dass drei ca. 3 Meter hohe Koniferen, die drei Meter von der Grundstücksgrenze entfernt sitzen, entfernt werden. Begründung seitens des Nachbarn: Diese Bäume würden zu hoch werden. Wir selbst beabsichtigen, diese Bäume höchstens auf eine Höhe von 4 Meter wachsen zu lassen. Wie ist hier die Rechtssprechung? Dürfen wir unsere Bäume stehen lassen?


So dürfen Sie die Bäume (die rechtlich übrigens als Hecke zählen) grundsätzlich stehen lassen.

Bei einem solchen Gewächs muss bei über 2 m Höhe ein Grenzabstand von 0,75 m eingehalten werden, was hier bei Weitem der Fall ist.


Ich hoffe Ihnen eine erste rechtliche Orientierung ermöglicht zu haben und wünsche Ihnen alles Gute!

Ich möchte Sie gerne noch abschließend auf Folgendes hinweisen:

Die von mir erteilte rechtliche Auskunft basiert ausschließlich auf den von Ihnen zur Verfügung gestellten Sachverhaltsangaben. Bei meiner Antwort handelt es sich lediglich um eine erste rechtliche Einschätzung des Sachverhaltes, die eine vollumfängliche Begutachtung des Sachverhalts nicht ersetzen kann. So kann nämlich durch Hinzufügen oder Weglassen relevanter Informationen eine völlig andere rechtliche Beurteilung die Folge sein.

Ich hoffe, dass Ihnen meine Ausführungen geholfen haben. Sie können natürlich gerne über die Nachfrageoption mit mir Verbindung aufnehmen.


Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Donnerstagnachmittag!

Mit freundlichem Gruß von der Nordseeküste

Danjel-Philippe Newerla, Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 28.12.2012 | 09:42

Sehr geehrter Herr Newerla,
vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Wir sind allerdings erstaunt darüber, dass unser Grundstücksniveau als "Bemessungsgrundlage" für die Höhe der Hecke angesetzt wird. Ein Sichtschutz bzw. die Wahrung der Privatsphäre scheint somit unmöglich zu sein. Für uns stellt sich die Frage, ob wir die Aufschüttung/ Erhöhung des Nachbargrundstückes gerichtlich bzw. vor der Baubehörde in Frage stellen sollen. Wäre ein solches Vorgehen erfolgversprechend für uns?
Vielen Dank für Ihre erneute Auskunft.
Mit freundlichen Grüßen.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 28.12.2012 | 10:19

Sehr geehrte Ratsuchende,

vielen Dank zunächst für Ihre Nachfrage, die ich Ihnen sehr gerne wie folgt beantworten möchte:

Es ist in der Tat so, dass Ihr Grundstücksniveau als Bemessungsgrundlage ( beziehungsweise Ausgangspunkt für die Messung der zulässigen Höhe) herangezogen wird.

Dieses Problem lässt sich aber umgehen.

Wie bereits dargestellt sind auch weitaus höhere Hecken als 1 m zulässig, es muss dann lediglich darauf geachtet werden, dass gewisse Abstände (siehe oben) eingehalten werden.

Eine vorhandene Hecke sollte also gegebenenfalls versetzt oder gegebenenfalls eine sogar noch höhere Hecke unter Einhaltung des jeweils geltenden Mindestabstands gepflanzt werden.

Sie hatten noch gefragt, ob Sie gegen die Aufschüttung des Nachbargrundstückes etwas unternehmen können.

Es kann unter Umständen in kommunalen Satzungen ( die von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich sein können) Vorschriften über die Zulässigkeit und Voraussetzungen für eine solche Aufschüttung bestehen.

Bitte fragen Sie diesbezüglich gegebenenfalls direkt bei Ihrer Gemeinde nach. Da die Rechtslage von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich sein kann, kann ich hierzu aus der Ferne leider nichts abschließend sagen.

Nach dem allgemeinen BGB ist es jedenfalls so, dass die Aufschüttung nur dann beseitigt werden muss, wenn Ihr Grundstück hierdurch gefährdet wird.

Dieses wäre beispielsweise dann der Fall, wenn aufgrund der Erhöhung Abrutschungen des Erdbodens auf Ihr Grundstück zu befürchten sind.

Aber auch dann müsste die Erhöhung nicht unbedingt beseitigt werden, sofern es genügen würde, dass der Nachbar entsprechende Vorkehrungen trifft, um zu verhindern , dass Ihr Grundstück gefährdet/beschädigt wird.

Hier wäre beispielsweise an Stützmauer umzudenken.

Sie sollten aber dennoch einmal bitte bei der zuständigen Baubehörde/Gemeinde nachfragen (siehe oben).

Ich hoffe Ihre Nachfrage zu Ihrer Zufriedenheit beantwortet zu haben und wünsche Ihnen für Ihr weiteres Vorgehen noch viel Erfolg und alles Gute!


Mit freundlichem Gruß von der Nordseeküste

Danjel-Philippe Newerla, Rechtsanwalt

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