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Muster-Swimmingpool als Handelsvertreter-Betriebsausgabe möglich? wieviel AfA Jahre?


| 17.12.2015 22:56 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Florian Bretzel



Hallo,

ich bin seit 15 Jahren selbständig und werde 2016 ein neues Gewerbe in den Gewerbeschein zusätzlich eintragen: Die Handelsvertretung von Edelstahl-Pools einer bestimmten Firma und dazugehöriger Pooltechnik.

Dazu möchte ich 2016 einen Muster-Edelstahlpool in das Grundstück meiner Schwiegereltern einbauen lassen. (Info: in dem Grundstück steht ein Mehrfamilienhaus (4-Familien), wo ich in einer Wohnung als Mieter wohne, in den anderen 3 Wohnungen wohnen andere Mieter.)

Der Pool wird nicht privat genutzt, er dient nur als Anschauungsexemplar für die Kundschaft. Nur der Bereich um den Pool herum wird privat genutzt (Terrassenplatten-Fläche mit privaten Sitzmöbel), dieser Bereich wird jedoch natürlich nicht als Betriebsausgabe berücksichtigt, nur der Pool selbst.

Potentielle Interessenten könnten sich den Pool und die Pooltechnik anschauen und ich würde dann die Kaufinteressenten an den Hersteller weiterleiten mit Provisionsabrechnung.
Die Kosten für den Pool + Pooltechnik + dazugehöriger Tiefbauarbeiten möchte ich als Betriebsausgaben absetzen, ideal wäre verteilt auf 2-3 Jahren, aber ich vermute das die AfA dafür länger laufen muss.

Als Beispiel möchte ich einen Fliesenhändler bringen, welcher die Fliesen auf Vermittlungsbasis verkauft, d.h. ohne die Fliesen selbst auf eigenes Risiko vom Hersteller einzukaufen. Die Musterausstattung für die Fliesenausstellung kauft er jedoch einmalig dem Hersteller ab. Nichts anderes ist mein Vorhaben, nur das es sich nicht um bewegliche, sondern fest verbaute Gegenstände handelt.

Bei dem Musterpool muss es sich bauartbedingt um Anlagevermögen handeln, weil ein einmal verbauter Pool, kann nicht wieder ausgebaut werden, ähnlich wie bei einem Haus. Er dient nur als Muster(anschauungs)exemplar für die Kundschaft. Zum Verkauf wird dann quasi eine neugebaute Kopie desselben Pools angeboten.

Falls mein Vorhaben steuerrechtlich nicht möglich sein sollte weil es sich um ein Fremdgrundstück handelt, könnte ich mir für die Pool-Grundstücksfläche ein gewerbliches Nutzungsrecht vom Grundstückseigentümer holen, falls dies helfen würde.

Fragen:

1.) Ist mein Vorhaben steuerrechtlich als Betriebsausgabe anwendbar? Bitte antworten Sie rechtsverbindlich mit einer klaren Ja oder Nein Aussage.
2.) Wie lang wäre für diesen Fall die AfA-Abschreibungsjahre für den Pool bzw. was wäre als kürzeste AfA-Dauer möglich?
3.) Angenommen ich finde später keine Kunden für den Pool, was man als Selbständiger nie vorhersehen kann, wäre es möglich das das Finanzamt diese Ausgabe dann rückwirkend nicht anerkennen wird?
Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

1. Da Sie den Musterpool ja eindeutig im Rahmen Ihrer beruflichen/gewerblichen Tätigkeit anschaffen wollen, zählen die Aufwendungen hierfür zu den Betriebsausgaben (vgl. § 4 Abs. 4 EStG).

2. Der Pool geht mit Einbau in das (fremde) Grundstück gesetzlich in das Eigentum des Grundstückseigentümers über. Denn der Pool ist (wie Sie selbst darstellen) untrennbar mit dem Grundstück verbunden und daher wesentlicher Bestandteil desselben (vgl. § 93 BGB). Da der Pool also nicht zum dauerhaften Verbleib in Ihrem Betriebsvermögen bestimmt ist, handelt es sich auch nicht um Anlagevermögen im Sinne von § 247 Abs. 2 HGB. Vielmehr handelt es sich dabei um Umlaufvermögen, auf das keine planmäßige Abschreibung stattfindet. Stattdessen ist der gesamte Aufwand im Jahr des Anfalls als Betriebsausgabe zu erfassen.

3. Eine Versagung der Anerkennung als Betriebsausgabe wäre allenfalls denkbar, wenn die Aufwendungen völlig übermäßig wären oder man Ihnen reine "Liebhaberei" unterstellen könnte, wenn Sie z. B. nachweislich keine Vertriebsanstrengungen unternehmen würden. Für beides sehe ich aber derzeit angesichts Ihrer Schilderung keine Ansatzpunkte.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 04.01.2016 | 12:10

Sehr geehrter Herr Bretzel,

vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen.

Die Buchung des gesamten Aufwandes im Jahr des Anfalls ist ungünstig für mich, da die Höhe der Ausgabe ca. 2 Jahresbetriebsgewinne darstellt und somit (bei Buchung in 1 Jahr) ein größerer Minusbetrag entstehen würde. Im Falle einer Betrachtung eines unbeweglichen Wirtschaftsgutes, wäre ja auch die Ausgaben-Jahresaufsplittung per Investitionsabzugsbetrag nicht möglich. Eine Möglichkeit wäre der Verlustrücktrag, d.h. die Gewinne des Vorjahres werden verrechnet? Könnte man z.b. 10.000 Euro Jahresgewinn (anstatt 0 Euro) belassen, damit man den Einkommenssteuer-Grundfreibetrag nutzen kann?

Ist es nicht so, das wenn der Pool rechtlich gesehen in den Besitz des Grundstückseigentümers (Schwiegervater) übergeht, dieser diesen Wert als Jahreseinnahme angeben muss? Dies möchte ich unbedingt vermeiden. Falls dies der Fall ist, dann käme folgende Alternative in Betracht:

Angenommen der Pool wäre wieder demontierbar und weiterverkaufbar, u.U. nur der Materialwert (Edelstahl).
Dann wäre der Pool Anlagevermögen. Als AfA-Nutzungszeitraum würde ich 6 Jahre verwenden, da das Material nach einem Zeitraum von 6 Jahren vorhersehbar nicht mehr dem Neuzustand entspricht, und dadurch nicht mehr den Kunden gegenüber präsentabel genug ist.

Vielen Dank im Voraus.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 04.01.2016 | 15:04

Vielen Dank für Ihre Nachfrage, die ich gerne wie folgt beantworte:

1. Sie können natürlich die Möglichkeit des § 10d Abs. 1 Satz 1 EStG nutzen und Verluste auf das Vorjahr zurücktragen. Das geht aber nur mit solchen Verlusten, die nach Verrechnung mit Ihren anderen Einkünften (soweit solche vorliegen) noch verbleiben. Wieviel Sie zurücktragen wollen, können Sie im Rahmen des Zulässigen (maximal 1 Mio. EUR) selbst bestimmen. Die Details sollten Sie anhand Ihrer individuellen Einkommenssituation mit einem Steuerberater besprechen.

Eine Alternative wäre die Finanzierung des Erwerbs des Pools über ein Darlehen. Dann würden in Ihrer EÜR nur die Darlehensraten auftauchen und Sie könnten die Kosten so über mehrere Jahre in die Zukunft strecken (je nach Laufzeit des Darlehens).

2. Wenn Sie Ihrem Schwiegervater den Einbau des Pools in dessen Grundstück nicht berechnen, handelt es sich insoweit um eine Schenkung. Diese ist grundsätzlich nach § 1 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG steuerpflichtig. Unterliegt Ihr Schwiegervater der Steuerklasse I, II oder III, gelten aber Freibeträge von bis zu 100 TEUR (§ 16 Abs. 1 Nr. 4, 5, 7 ErbStG).

3. Falls der Pool als Anlagevermögen gilt, richtet sich der Abschreibungszeitraum nach der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer (§ 7 Abs. 1 EStG). Sie sollten hier zunächst in den offiziellen AfA-Tabellen des BMF nachsehen, ob es für diesen Fall einen spezifischen Wert gibt:

http://www.bundesfinanzministerium.de/Web/DE/Themen/Steuern/Weitere_Steuerthemen/Betriebspruefung/AfA_Tabellen/afa_tabellen.html

Bewertung des Fragestellers 04.01.2016 | 17:08


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