Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Bewertungen
503.740
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Muss ich meine Ehefrau weiterhin in meinem Haus wohnen lassen?

27.02.2012 17:31 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von


09:26
Sehr geehrte Rechtsanwältinnen,
sehr geehrte Rechtsanwälte,

meine Frau hat in unsere Ehe zwei Kinder mitgebracht, drei weitere haben wir zusammen bekommen. Sollten wir uns scheiden lassen, interessiert mich, wie die finanzielle Verpflichtung meinerseits aussieht:

Ich bin hälftiger Eigentümer eines vor der Hochzeit erworbenen Hauses (Verkehrswert 450.000 EUR). Die andere Hälfte gehört meiner Mutter; weiterhin gehört mir die Hälfte des Hauses meiner Mutter (Verkehrswert 600.000 EUR).
Durch meine Selbständigkeit habe ich einen Gewinn vor Steuern von monatlich 3.000 -4.000 EUR.
Meine Frau hat nie einen Beruf erlernt und ist somit Hausfrau. Kinder- und Elterngeld steht allein meiner Frau zu. Der komplette Hausstand wurde von mir erworben. Es liegt kein Ehevertrag vor.

Im Falle einer Scheidung müsste ich meine drei Kinder nach der Düsseldorfer Tabelle mit Unterhalt ausgleichen. Aber wie sieht es mit meiner Ehefrau aus? Muss ich meine Ehefrau weiterhin in meinem Haus wohnen lassen? Welche finanzielle Belastung würde mich treffen?

Mit freundlichen Grüßen
27.02.2012 | 18:52

Antwort

von


(407)
Otto-von-Guericke-Str. 53
39104 Magdeburg
Tel: 0391-6223910
Web: http://kanzleifamilienrechtmagdeburg.simplesite.com
E-Mail:
Diesen Anwalt zum Festpreis auswählen Zum Festpreis auswählen

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegeben Informationen verbindlich wie folgt beantworten:
Da Sie selbständig sind, sind bei der Unterhaltsberechnung Besonderheiten zu beachten.

Bei einem Selbständigen wird das Einkommen der letzten 3 Jahre herangezogen, um ein monatliches Durchschnittseinkommen zu erhalten. Dies ist deswegen erforderlich um Schwankungen im Einkommen abzufedern.

Danach ist das Einkommen zu bereinigen. Für Sie maßgeblich sind die Süddeutschen Unterhaltsleitlinien, die Sie unter dem folgenden Link finden:

http://www.olg-stuttgart.de/servlet/PB/show/1273311/SdL_2012.pdf

Von dem aus dem 3-Jahres-Zeitraum ermittelten Durchschnittseinkommen werden dann noch Krankenversicherungsbeiträge, Altersvorsorge und insbesondere Steuern in Abzug gebracht.

Daraus ergibt sich dann das unterhaltsrechtlich relevante Einkommen.

Im Unterhaltsrang an 1. Stelle stehen Ihre Kinder. Der Kindesunterhalt wird also entsprechend der Düsseldorfer Tabelle nach Ihrem unterhaltsrechtlichen Einkommen ermittelt. Da Sie gegenüber 3 Kindern und grundsätzlich auch einer Ehefrau zum Unterhalt verpflichtet sind, wird der Unterhaltsanspruch der Kinder 2 Einkommensgruppen niedriger bemessen. Dies hat seine Ursache darin, dass die Tabellensätze der Düsseldorfer Tabelle auf 2 Unterhaltsberechtigte ausgerichtet sind.

Ginge man davon aus, dass Sie ein Einkommen von 3.500 € bereinigt hätten, so wären Sie aufgrund des Einkommens eigentlich in die Einkommensgruppe 7 einzustufen und dann der Unterhalt zu ermitteln. Aufgrund der Anzahl der Unterhaltsberechtigten wird die Einstufung dann für die Kinder aber anhand der Einkommensgruppe 5 ermittelt.

Die Höhe des Unterhalts hängt maßgeblich auch vom Alter Ihrer Kinder ab. Hier unterteilt die Düsseldorfer Tabelle in 3 Altersstufen. Bei 3 Kindern müssen Sie hier mit einem Kindesunterhalt von durchaus 1.000 € für die Kinder rechnen, wobei Ihre Ehefrau weiterhin das Kindergeld und das Elterngeld bezieht.

Nach Abzug des Kindesunterhalt wird bei der Bemessung des Ehegattenunterhaltsanspruches von Ihrem unterhaltsrechtlich relevanten Einkommens, wird von Ihrem verbleibenden Einkommen noch der Erwerbstätigenbonus in Höhe von 10 % des Einkommens in Abzug gebracht.

Der Unterhaltsanspruch Ihrer Ehefrau beträgt dann grunsätzlich erst einmal die Hälfte des verbleibenden Einkommens, wobei Ihnen aber mindestens der Selbstbehalt von 1.050 € vom Einkommen verbleiben muss.

Ob Ihre Ehefrau dann noch Anspruch auf Trennungs- und nachehelichen Unterhalt hat, hängt einerseits von der Höhe Ihres unterhaltsrechtlichen Einkommens, der Höhe des Kindesunterhaltes und letztendlich davon, wer im Haus erst einmal wohnen bleibt.

Derjenige, der das Haus weiter nach der Trennung nutzt, hat durch die kostenlose Nutzung des Hauses einen sog. Wohnvorteil. Der Höhe nach wird dieser nach dem objektiven Mietwert für das Objekt bemessen.

Aufgrund der gemeinsamen 3 Kinder ist erst einmal davon auszugehen, dass Ihre Ehefrau zusammen mit den Kindern nach der Trennung und zumindest für die Dauer des Trennungsjahres das Haus weiterhin bewohnen kann, wenn sie nicht freiwillig eine Wohnung mit den Kindern nimmt.

Eine abschließende Nutzung der Immobilie wird dann im Scheidungsverfahren getroffen. Hier ist dann abzuwägen, ob es zuzumuten ist, ob Ihre Ehefrau gemeinsam mit den Kindern aus der ehelichen Immobilie ausziehen muss oder ob Ihnen die Nutzung wieder zugesprochen wird. Hierbei spielt die Eigentumsfrage durchaus eine maßgebliche Rolle.

Da die Immobilien bereits vor der Ehe in Ihrem Eigentum standen, partizipiert Ihre Ehefrau im Rahmen des Zugewinnausgleichs nur an der Wertsteigerung der Immobilien während der Ehe. Die Wertsteigerung an den Immobilien stellt dann Ihren Zugewinn dar. Allerdings wird auch Ihr Anfangsvermögen, also der Wert der Immobilien zum Zeitpunkt der Scheidung anhand des Lebenshaltungsindex indexiert. Wenn hier also keine erheblichen Tilgungsleistungen für bestehende Kredite zum Zeitpunkt der Eheschließung bis zur Trennung erfolgt sind, ist meist kein Zugewinn durch die Wertsteigerung festzustellen oder aber nur ein relativ unbedeutender Betrag.

Ein Anspruch auf Übertragung von Miteigentum an den Immobilien hat Ihre Ehefrau hingegen nicht. Sie hätten nur einen Anspruch auf Zahlung von Zugewinnausgleich in Geld.

Leider lässt sich aufgrund Ihrer Angaben keineswegs abschätzen, wie hoch Ihre finanziellen Belastungen für Kindes- und Trennungsunterhalt sein werden. Als Anhaltspunkt können Sie lediglich den Selbstbehalt nehmen. Der Betrag von 1.050 € muss Ihnen nach Zahlung von Krankenkversicherung, Altersvorsorge und Steuern in jedem Fall verbleiben.

Bei 3 Kindern wird Ihre Ehefrau auch wegen der Hausfrauenrolle während der Ehe zunächst erst einmal keine Erwerbsobliegenheit treffen.

Ich kann Ihnen nur dringend empfehlen, direkt bei einem Fachanwalt für Familienrecht vor Ort vorzusprechen und dort anhand der tatsächlichen Unterlagen und Zahlen, die einzelnen Unterhaltsansprüche berechnen zu lassen. Die Einkommensberechnung eines Selbständigen ist immer sehr komplex, so dass hier im Rahmen der Erstberatung leider keine verbindliche Orientierung über die Höhe getroffen werden kann.




Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Tobias Rösemeier, Rechtsanwalt


Rechtsanwalt Tobias Rösemeier
Fachanwalt für Familienrecht

Nachfrage vom Fragesteller 09.03.2012 | 09:15

Vielen Dank für die ausführliche Antwort.

Verhält es sich anders, wenn die Ehe erst seit Aug. 2011 besteht? (Hinsichtlich Ehegattenunterhalt, etc.) und meine Ehefrau nie einer Berufstätigkeit mit dauerhaftem Entgeltbezug nachgehen wollte / konnte? Ren theoretisch dürfte ich jedoch mein Eigentum verkaufen, und müsste meiner Ehefrau lediglich den Zugewinn geben?

Vielen Dank

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 09.03.2012 | 09:26

Sehr geehrter Fragesteller,

zu Ihrer Nachfrage nehme ich wie folgt Stellung:

Aufgrund der 3 gemeinsamen Kinder besteht überwiegend ein Unterhaltsanspruch Ihrer Ehefrau aufgrund der Betreuung der Kinder. Hierbei spielt dann die Dauer der Ehe nur eine sekundäre Rolle.
Ein nachehelicher Unterhaltsanspruch wäre aber in Ihrem Fall zeitlich zu befristen und auf die Betreuungsbedürftigkeit der Kinder abzustellen.

Ja, Sie können über Ihr Eigentum verfügen und dieses auch verkaufen. Verfügen Sie aber über wesentliche Teile Ihres Vermögens, so bedürfen Sie bei Grundstücksverkäufen der Zustimmung der Ehefrau (§ 1365 BGB).

In jedem Fall hätte Ihre Ehefrau auch bei einer Vermögensverfügung Anspruch auf Zugewinnausgleich. Aufgrund der Kürze der Ehe kann es daher auch sein, dass kaum ein Zugewinn von Ihnen erzielt worden ist.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen und wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Mit freundlichen Grüßen

Tobias Rösemeier
- Rechtsanwalt -

ANTWORT VON

(407)

Otto-von-Guericke-Str. 53
39104 Magdeburg
Tel: 0391-6223910
Web: http://kanzleifamilienrechtmagdeburg.simplesite.com
E-Mail:
RECHTSGEBIETE
Fachanwalt Familienrecht, Erbrecht
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 65086 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Liebe Frau Prochnow, ich danke für Ihre Antwort. Präzise, verständlich, mit allem was ich wissen wollte. Einfach super! Viele Grüße ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Schnelle ausführliche Antwort! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Eine sehr ausführliche und überaus schnelle Rechtsberatung, trotz des geringen Budgets. Ich empfehle diesen Anwalt uneingeschränkt weiter und werde diesen bei weiterem Bedarf auch für meine Belange hinzuziehen. 5***** ...
FRAGESTELLER