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Muss ich die OP Kosten tragen?

04.12.2010 09:23 |
Preis: ***,00 € |

Tierrecht, Tierkaufrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Michael Vogt


Hallo,

ich habe mein Pferd vor sieben Wochen zu meinem Reitlehrer in Beritt gegeben. Er musste dafür den Stall wechseln. Im neuen Stall wurde mir eine Box zugewiesen. Das Pferd in der Nachbarbox hat eine periodische Augenentzündung und soll deswegen auch nachts eine Maske tragen. Nach zwei Wochen sprach mich die Besitzerin dieses Pferdes an, weil mein Pferd ihrem nachts schon drei mal die Maske ausgezogen hatte. Daraufhin hätte sich das Auge angeblich erneut entzündet. Auf meine Frage ob schon ein Tierarzt hinzugezogen worden wäre, bekam ich ein "nein", sie hätte ja noch Salben und damit könne man dies behandeln. In den Wochen darauf kam von ihr keine Reaktion mehr. Vor drei Wochen bekam ich von einer Bekannten den Hinweis per E-Mail, dass die Box neben ihr frei werden würde zum 01.12. und ob ich mein Pferd nicht lieber dort hin stellen wollte. Ich bin daraufhin direkt zu den Stallbesitzern und habe gefragt ob das möglich sei, man sagte mir es ginge. Ich teilte dies der Besitzerin des kranken Pferdes mit. Einen Tag später hat sie um die Gitterstäbe in beiden Boxen ein Netz gespannt, damit mein Pferd ihres in Ruhe lässt. Zwei Tage danach stand mein Pferd in der anderen Box.
Vor zwei Tagen kam ich in den Stall und die Besitzerin erklärte mir, dass das Auge ihres Pferdes dermaßen entzündet sei und sie nun den Tierarzt gerufen hätte, der kam auch und meinte, man müsse das Pferd operieren um das Auge erhalten zu können. Sie verlangte von mir, dass ich die Kosten dafür tragen soll. Ich habe mit meiner Versicherung gesprochen und den Fall auch geschildert, man sagte mir, dass dies kein Versicherungsfall seie, es seien nur Schäden abgesichert, die mein Pferd auch direkt verursacht hat.
Was mich nun interessiert, muß ich wirklich für die Kosten der OP u. Nachbehandlung aufkommen? Ich habe auch mit dem Tierarzt gesprochen, der meinte, wenn die Besitzerin früher gehandelt hätte, also nicht erst nach sieben Wochen, dann hätte man auch anders behandeln können und die OP umgehen können.
Mir kommt es so vor, als ob man nur jemanden gesucht hat, der die OP bezahlen kann, da die Besitzerin selbst zu gab, den Tierarzt nicht direkt gerufen zu haben, weil bei ihr das Geld knapp ist.

Wäre schön wenn mir jemand helfen könnte.

LG Mel

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Sehr geehrte Ratsuchende,

gerne darf ich Ihre Frage wie folgt beantworten:

Da Ihnen selbst kein schuldhaftes Verhalten vorgeworfen werden kann, kommt eine Haftung für die durch die Operation entstandenen Kosten aus m einer Sicht nur unter dem Gesichtspunkt der so genannten Tierhalterhaftung in Betracht.

Si Tiere sind nach § 90a BGB Sachen gleich gestellt, d.h. die Tierhalterhaftung umfasst auch Schäden, die an fremden Tieren verursacht werden.

Voraussetzung für die Haftung ist also zunächst einmal, dass durch ein Tier ein Schaden verursacht wurde, wobei nicht Voraussetzung ist, dass das tierische Verhalten alleinige Ursache für den Schaden ist. Es reicht vielmehr eine Mitverursachung aus. Auch ist nicht entscheidend, dass das verletzte Tier möglicherweise schon gesundheitlich angeschlagen war.

Zweite Voraussetzung ist, dass sich in dem Schaden eine spezifische Tiergefahr realisiert hat. Der Schaden muss seine Ursache also gerade in einem der tierischen Natur entsprechenden, selbständigen Verhalten des Tieres haben.

Ferner ist bei der Verletzung eines Tieres durch ein anderes immer abzuwägen, inwieweit die auch von dem verletzten Tier ausgehende Tiergefahr an der Verursachung des Schadens mitgewirkt hat.

Beweispflichtig ist hierbei grundsätzlich derjenige, der für sich einen Schadensersatzanspruch aus § 833 BGB herleiten will. In Ihrem Fall müsste also die Halterin des anderen Pferdes beweisen, dass die Maske durch Ihr Pferd abgezogen wurde, dass dieses Verhalten auf einer spezifischen Tiergefahr basiert und das dadurch letztendlich die Augenentzündung (mit) hervorgerufen wurde.

Dieser Beweis kann letztendlich nur durch einen Sachverständigen erbracht werden.

Stünde nach dem Sachverständigen die (alleinige) Schadensverursachung durch Ihr Pferd fest, wäre sicherlich als Mitverschulden haftungsmildernd zu berücksichtigen, dass die Halterin des verletzten Pferdes erst relativ spät einen Tierarzt hinzugezogen hat.

Ferner müsste in diesem Fall grundsätzlich Ihre Tierhalterversicherung einstandspflichtig sein.

Zusammenfassend möchte ich Ihnen also zunächst empfehlen, dass Sie die Halterin des verletzten Pferdes an Ihre eigene Tierhalterversicherung verweisen. Lehnt diese die Regulierung ab und werden gegen Sie weiterhin Ansprüche geltend gemacht, sollten Sie anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Abschließend hoffe ich, Ihnen mit meiner Antwort einen ersten Überblick über die Rechtslage verschafft zu haben.

Hierbei möchte ich Sie darauf hinweisen, dass es sich bei dieser Antwort, basierend auf Ihren Angaben, lediglich um eine erste rechtliche Einschätzung des Sachverhaltes handelt. Diese kann eine umfassende Begutachtung nicht ersetzen. Durch Hinzufügen oder Weglassen relevanter Informationen kann die rechtliche Beurteilung völlig anders ausfallen.

Sie können natürlich gerne im Rahmen der Nachfrageoption auf diesem Portal mit mir Verbindung aufnehmen.

Für eine über diese Erstberatung hinausgehende Interessenvertretung steht Ihnen meine Kanzlei selbstverständlich ebenfalls gerne zur Verfügung.

Ich wünsche Ihnen noch ein schönes Wochenende und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 04.12.2010 | 11:06

Vielen Dank erst einmal für diesen kurzen Überblick, wenn ich das richtig verstanden habe, muß die Besitzerin bevor sie Ansprüche an mich stellen kann ihre Tierhalterversicherung in Kenntnis setzen (sofern überhaupt eine vorhanden, wovon ich nicht ausgehe). Dann müsste ein Sachverständiger nachweisen das die derzeitige Entzündung durch mein Pferd entstanden ist, was schwierig sein sollte, da das Auge ja vor unserer Ankunft schon entzündet war.
Wenn ich nachweisen kann, dass die Besitzerin schon vorher eine solche OP machen lassen wollte, aber halt das nötige Kleingeld dafür nicht hatte, könnte sie dann dennoch von mir etwas fordern?

Ich werde sofern weitere Ansprüche an mich geltend gemacht werden sollten, gerne auf ihr Angebot zurückkommen und mich nochmals beraten lassen.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 04.12.2010 | 11:13

Sehr geehrte Ratsuchende,

mit meiner Antwort meinte ich, dass die Halterin des verletzten Pferdes ihre Ansprüche gegenüber Ihrer Versicherung geltend machen sollte. Sie sollten ihr daher die Daten Ihrer Versicherung durchgeben.

Die Halterin des verletzten Pferdes müsste dann in der Tat beweisen, dass die erfolgte Operation aufgrund einer Entzündung des Auges erforderlich wurde, die durch Ihr Pferd verursacht wurde.

Wäre die Operation zum gleichen Zeitpunkt vollkommen unabhängig von dem Verhalten Ihres Pferdes in gleichem Umfang erforderlich gewesen, wird es in der Tat an einem Schaden mangeln.

Mit frezndlichen Grüßen


Michael Vogt


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