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Multiresistente Keime


| 03.09.2017 19:29 |
Preis: 25,00 € |

Medizinrecht


Beantwortet von


Zusammenfassung: Haftung bei Infektion mit MRSA/Krankenhauskeim/multiresistentem Keim.


Mein Mann hat sich im Mai das Handgelenk gebrochen und kurz darauf den Fußknöchel. Das Handgelenk wurde hier in der Provinz mehr schlecht als recht zusammen geflickt, alles ist immer noch taub und er hat sehr lange den Gips nicht entfernen dürfen. Der Fußknöchel ist operiert, dann wochenlang mit einem Vakuumschuh versehen worden. Mein Mann durfte nicht auftreten und nichts machen. Die Wunde ist seit geraumer Zeit mit einem multiresistenen Keim infiziert. Er muss täglich mit dem Taxi zum Arzt zum Verbinden, die Wunde nässt und eitert und er hat starke Schmerzen, es ist keine Besserung in Sicht und er leidet sehr unter der Medikation und den Schmerzen, sowie völliger Bewegungsunfähigkeit. Seit Juli geht das schon so. Er wird mehrfach und wieder geröntgt, evtl. soll neu operiert werden. Die rechte Hand ist taub. Er ist 78 und völlig am Ende. Was können wir tun?
03.09.2017 | 21:06

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Ich gehe davon aus, dass sie wissen möchten, ob Schadensersatzansprüche gegen die Klinik bestehen. Ich verstehe Ihre Frage weiter so, dass Sie annehmen, dass die Infektion mit dem MRSA während der Krankenhausbehandlung erfolgt ist.

Bekanntlich ist die Infektion mit MRSA ein großes Problem. Haftungsansprüche gegenüber der Infektionsquelle (also dem behandelnden Arzt oder Krankenhaus) bestehen aber nicht allein aufgrund der Infektion sondern nur wenn zusätzliche Umstände dazukommen.
Hier gilt zunächst der allgemeine Grundsatz des Haftungsrechts, dass der Patient als Anspruchssteller die Voraussetzungen für einen Anspruch darlegen und beweisen muss. Bei einer Infektion mit MRSA bedeutet das, dass die Infektion dadurch verursacht wurde, dass das Arzt oder das Personal im Krankenhaus notwendige organisatorische Hygienemaßnahmen nicht eingehalten hat oder fehlerhaft ausgeführt hat.

Die Schadensverursachung muss mindestens fahrlässig gewesen sein, d.h. die Gefahr der Ansteckung des Patienten muss für den Verursacher vorhersehbar und vermeidbar gewesen sein, und die Ansteckung mit dem Keim muss gerade auf dem Fehler (siehe oben) beruhen.
Es kommt daher in jedem Fall auf die konkreten Umstände des Einzelfalles an. In einer Entscheidung aus dem Jahre 1991 hat der Bundesgerichtshof die Haftung eines Krankenhauses noch abgelehnt, weil die Übertragung von Infektionen durch Keime zum allgemeinen Krankheitsrisiko eines Patienten gehören. Eine Ausnahme könne allenfalls dann gelten, wenn diese Keime, die zur Infektion geführt haben, für das Krankenhaus beherrschbar waren und vom Patienten nachgewiesen werden kann, dass nicht alle organisatorischen und medizinisch-technischen Vorsorgemaßnahmen gegen eine solche Übertragung getroffen wurden.

Eine weitere Entscheidung des Bundesgerichtshofs stammt aus dem Jahr 2007. Bei dieser Entscheidung ging es um einen Sachverhalt, in dem die Ansteckung in der Praxis eines niedergelassenen Arztes erfolgte. Dort konnte allerdings die Ursache (eine Mitarbeiterin, die mit dem Keim infiziert war) festgestellt werden und der Bundesgerichtshof hielt dies dann für eine Beweislastumkehr zugunsten des Patienten für ausreichend.

Wie Sie an diesen Beispielen sehen, ist die Entscheidung, ob Schadensersatzansprüche bestehen und vor allem, welche Darlegungs- Beweisanforderungen an den Patienten gestellt werden, immer eine Frage der konkreten Umstände des Einzelfalles. Es muss also zunächst ermittelt werden, wo genau die Infektion erfolgt ist und auf welchem Wege.

Wenn Sie die Sache in dieser Richtung weiterverfolgen wollen gibt es folgende Möglichkeiten:
Wenn Sie eine Rechtschutzversicherung haben und also das Kostenrisiko keine Rolle spielt, können Sie einen im Medizinrecht erfahrenen Kollegen beauftragen, Sie in dieser Sache zu vertreten, der dann die nötigen Schritte einleiten wird. Hier kommt beispielsweise die außergerichtliche Einschaltung eines Gutachters im Rahmen eines sogenannten selbstständigen Beweisverfahrens in Betracht.

Alternativ haben Sie die Möglichkeit sich an die Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der Ärztekammer Schleswig Holstein zuwenden. Im Rahmen dieses Verfahrens, dass für den Patienten kostenfrei ist, werden ggf.auch Gutachter mit der Angelegenheit befasst.

Wenn Sie in der gesetzlichen Krankenversicherung sind, können Sie sich außerdem an ihre Krankenkasse wenden. Gemäß § 66 SGB V ist die Krankenkasse verpflichtet, die Versicherten bei der Verfolgung von Schadensersatzansprüchen zu unterstützen. In welchem Umfang diese Unterstützung erfolgt, ist von Krankenkasse zu Krankenkasse und auch örtlich sehr verschieden. Sie sollten aber in jedem Fall mit Ihrer Krankenkasse Verbindung aufnehmen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Michael Kinder

Bewertung des Fragestellers 08.09.2017 | 10:56


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"Vielen Dank für die ausführliche Antwort an einem Sonntagabend. Unklar ist mir nur, woher Sie wussten, in welchem Bundesland ich wohne. Aber das ist sekundär. Ich habe nun den Weg mit der Schlichtungsstelle eingeschlagen."
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BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 08.09.2017
5/5.0

Vielen Dank für die ausführliche Antwort an einem Sonntagabend. Unklar ist mir nur, woher Sie wussten, in welchem Bundesland ich wohne. Aber das ist sekundär. Ich habe nun den Weg mit der Schlichtungsstelle eingeschlagen.


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