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Multifunktionsdrucker und steuerliche Anerkennung

| 05.03.2017 10:08 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Vorab: Ich betreibe eine Photovoltaikanlage auf dem eigenen Hausdach, besitze eine vermietete Eigentumswohnung in einem anderen Ort und bin IT-Systemelektroniker (angestellt).

Wenn ich nun einen Drucker kaufe (Multifunktionsgerät, mit Scanner, Fax und Kopierfunktion) kann ich den zu ¼ als GWG bei der PV-Anlage, zu ¼ als Werbungskosten bei der Eigentumswohnung und zu ¼ für beruflich bedingte Werbungskosten geltend machen?
Das restliche ¼ wäre dann der "Privatanteil".
Könnte das so anerkannt werden oder ist eine teilweise Anrechung grundsätzlich "verboten"?

Zur Bestellung gab es vom Verkäufer einen Gutschein über einen Betrag x, wenn man eine bestimmte Bezahlart auswählt; dies habe ich gemacht. Darf ich nun den Gerätekaufbetrag oder den Rechnungsbetrag hier als Grundlage wählen? Der Gutschein ist doch Teil der Bezahlung und nicht Teil der Kosten, oder?!?!?
05.03.2017 | 22:18

Antwort

von


(40)
Rotlintstr. 21
60316 Frankfurt
Tel: 06986095030
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Sehr geehrter Fragensteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes nach erster summarischer Prüfung der Rechtslage wie folgt beantworten:

Zur Aufteilung der Aufwendung in privaten und betrieblichen Teil:

Da der BFH die Aufteilung gemischter Aufwendungen in einen betrieblichen und einen privaten Anteil erlaubt (BFH, Beschluss v. 21. 9. 2009, Az.: <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=GrS%201/06" target="_blank" class="djo_link" title="BFH, 21.09.2009 - GrS 1/06: Aufteilung der Aufwendungen für eine gemischt veranlasste Reise">GrS 1/06</a> ), ist der von Ihnen beschriebene Ansatz grundsätzlich richtig.

Dass gemischte Aufwendungen nur aufgeteilt werden können, wenn der betriebliche/berufliche Teil der Aufwendungen min. 10% beträgt, ist im Fall Ihres MF-Druckers unproblematisch. Allerdings ist der richtige Aufteilungsmaßstab zu finden. Eindeutige klar nachvollziehbare Kriterien sind grundsätzlich die Aufteilung nach Zeit-, Mengen- und Flächenanteilen oder nach der Anzahl der Personen. Im Fall Ihres MF-Drucker dürfte die Aufteilung nach Zeiteinheiten der richtige Aufteilungsmaßstab sein.

Die Finanzbehörde sollte demnach Ihren Ansatz grundsätzlich akzeptieren, es sei denn, sie nimmt an, dass bei Ihrer gemischten Aufwendung der betriebliche Teil so mit dem privaten Teil ineinandergreift, dass unmöglich ein Trennung erfolgen kann, da kein Grundlage für eine Schätzung ermittelbar ist (BMF-Schreiben vom 6.7.2010, IV C 3 - S 2227/07/10003:02, 2010/0522213). Da der BFH eine Aufteilung eines PCs aber bejaht (BFH, Urteil v. 19.2.2004, Az.: <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VI%20R%20135/01" target="_blank" class="djo_link" title="BFH, 19.02.2004 - VI R 135/01: Gemischt genutzter privater PC">VI R 135/01</a> ), sollte dies auch für einen MF-Drucker gelten.

Zur Aufteilung zwischen ihren unterschiedlichen Betrieben:

Auch eine Aufteilung der Aufwendung zwischen unterschiedlichen Unternehmen ist zumindest in Bezug auf die Ertragssteuer möglich.

1. Ertragssteuer

Da es sich bei dem Drucker um ein Wirtschaftsgut handelt, das zu mehr als 50% zu betrieblichen Zwecken verwendet wird, gehört es zum notwendiges Betriebsvermögen (R. 4.2 Abs. 1 EStR), wobei es auf die gesamte eigenbetriebliche Nutzung ankommt (R. 4.2 Abs. 1 S. 7 EStR), weshalb es unerheblich ist, dass die einzelnen betrieblichen Nutzungen jeweils unter 50 % liegen. Die weitere Nutzung stellt dabei jeweils eine Entnahme i.S.d. § 4 Abs. 1 S. 2 EStG dar.

Der mit dem Einsatz "verbundene Aufwand ist in dem zweiten Betrieb in Höhe der tatsächlichen Selbstkosten gewinnmindernd im Wege einer Aufwandseinlage geltend zu machen" (BFH, Urteil v. 26.04.2006, Az.: <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=X%20R%2035/05" target="_blank" class="djo_link" title="BFH, 26.04.2006 - X R 35/05: Keine abgeltende Bewertung der Nutzungsentnahme zur Erzielung ande...">X R 35/05</a> ).

2. Umsatzsteuer

Umsatzsteuerlich liegt gem. <a href="http://dejure.org/gesetze/UStG/2.html" target="_blank" class="djo_link" title="§ 2 UStG: Unternehmer, Unternehmen">§ 2 Abs. 1 S. 2 UStG</a> nur ein einziges Unternehmen vor. Die unternehmerische Nutzung liegt in Ihrem Fall bei über 10%, weshalb der MF-Drucker umsatzsteuerliches Unternehmensvermögen darstellt. Sofern Sie (in Bezug auf die Photovoltaik-Anlage) vorsteuerabzugsberechtigt sind, können Sie den Vorsteuerabzug geltend machen.

Für die nichtunternehmerische Nutzung fällt als fiktive sonstige Leistung nach <a href="http://dejure.org/gesetze/UStG/3.html" target="_blank" class="djo_link" title="§ 3 UStG: Lieferung, sonstige Leistung">§ 3 Abs. 9a Nr. 1 UStG</a> Umsatzsteuer an.

Die Bemessung erfolgt hierbei gem. <a href="http://dejure.org/gesetze/UStG/10.html" target="_blank" class="djo_link" title="§ 10 UStG: Bemessungsgrundlage für Lieferungen, sonstige Leistungen und innergemeinschaftliche Erwerbe">§ 10 Abs. 4 Nr. 2 UStG</a> auf Grundlage der nach den bei der Ausführung dieser Umsätze entstandenen Ausgaben. Der Gabe des Gutscheins selbst stellt keine Lieferung dar. Eine Anzahlung i. S. v. § 13 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a Satz 4 UStG liegt ebenfalls nicht vor, da die Leistung nicht hinreichend konkretisiert ist. Erst bei Einlösung des Gutscheins unterliegt die Leistung der Umsatzsteuer in Höhe des Differenzbetrages zwischen Rabattgutschein und Leistung.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Pascal Gratieux, LL.M. (Köln/ Paris 1)
Rechtsanwalt


.


Rückfrage vom Fragesteller 08.03.2017 | 18:17

Sehr geehrter Herr Gratieux,


sehr ausführliche Antwort; Respekt und vielen Dank!

Die Antwort zum Gutschein lese ich so, dass dieser als Bezahlung verstanden wird und ich somit den vollen Kaufbetrag zur jeweils anteiligen Berechnung des Druckers verwenden kann?
Bei einem (Bsp.!) Bruttokaufbetrag von 100,- EUR wären also zu 25EUR als Werbungskosten für die ETW, 25EUR beruflich bedingt geltend zu machen!?
In Bezug auf die PV-Anlage wären das 21EUR netto GWG und 4EUR Ust.
Unabhängig davon welchen Wert der Gutschein hatte?!

Vielen Dank!

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 09.03.2017 | 03:41

Sehr geehrter Fragensteller,

auch Ihre Nachfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes nach erster summarischer Prüfung der Rechtslage wie folgt beantworten:

da es sich nicht um einen Gutschein handelt, der einen genau definierten Gegenwert zum Gegenstand hat (z.B.: Gutschein über 3-Gänge Menü 1 im Restaurant "la belle vie"), wird wie bereits beschrieben nur der Differenzbetrag zwischen ursprünglichem Preis und Rabattgutschein versteuert.

Wenn wir von Ihrem Beispiel von 100 Euro Kaufpreis inkl. Mehrwertsteuer ausgehen und einem Rabattgutschein für die Zahlungsart über 10 %, dann unterliegen nur 90 € der Mehrwertsteuer.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei weiter bestehender Unklarheit in Bezug auf die ursprüngliche Frage, schreiben Sie mir bitte eine Nachricht per E-Mail.

Mit freundlichen Grüßen

Pascal Gratieux, LL.M. (Köln/ Paris 1)
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 04.03.2018 | 16:34

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