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Motorschaden an 2 1/2 Jahre altem SEAT Alhambra - Ansprüche gegenüber Hersteller?

| 18.09.2017 14:52 |
Preis: ***,00 € |

Kaufrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Daniel Saeger


Am 13.02.2015 wurde ein von meiner Ehefrau auf Finanzierungsbasis (Listenpreis 34.061,70 €; Anz. 5.000,00 €; Laufzeit 60 Monate a 282,49 €; Schlußrate 13.162,12 €) gekaufter SEAT Alhambra 1.4 TSI (Benziner) "i-Tech"-Ausstattung neu zugelassen und wenige Tage später an sie ausgehändigt. Die im Zeitraum bis jetzt vorgeschriebene Inspektion wurde durch das ausliefernde Autohaus durchgeführt und im Service-Heft dokumentiert.

Am Mo., 14.08.2017 stellte ich während einer Fahrt im Urlaub einen Leistungsverlust im niedrigen Drehzahlbereich fest und entschloß mich die nächstgelegene SEAT-Vertragswerkstätte in Weinheim aufzusuchen. Dort wurde nach einer kurzen Probefahrt seitens des Werkstatt-Leiters mein Eindruck bestätigt, dass für ein Fahrzeug mit 110 kw zu wenig Leistung erzeugt wird. Es wurde uns empfohlen, das Fahrzeug innerhalb der nächsten Tage zur detaillierten Fehlerdiagnose nochmals vorzuführen.

Zwei Tage später, also Mittw. 16.08.2017 übergab ich das Fahrzeug an dieselbe SEAT-Vertragswerkstatt zur eingehenden Fehlersuche.

Es dauerte einige Tage, bis eine erste Einschätzung "Probleme mit dem Kompressor, eine Rückfahrt nach Hause wird keinesfalls empfohlen, da die Möglichkeit eines Motorschadens besteht" seitens der Werkstatt bekanntgegeben wurde.

Aufgrund dieser fachlichen Einschätzung entschieden wir uns, das Fahrzeug bis auf weiteres in dieser Werkstätte zu belassen und fuhren am Mittwoch, 23.08.2017 mit einem ADAC-Clubmobil zurück nach Hause.

Am Donnerstag, 31.08.2017 erhielt ich eine E-Mail der Werkstätte mit folgendem Wortlaut:

"Sehr geehrter Herr xxxxx,

nachfolgende Arbeiten wurden an Ihrem Fahrzeug durchgeführt:


Diagnose und Fehlersuche/Geführte Funktionen:
Ladedruck Turbolader
Funktion Kompressor und Kompressor Kupplung
Kontrollen des Zünd und Einspritzsystems
Kompression und Druckverlust Prüfungen der Zylinder in mehreren Temperaturbereichen.
Dabei konnte Druckverlust an allen Zylindern ins Kurbelgehäuse
nachgewiesen werden durch den auch die zu niedrigen
Kompressionsrdrücke zu erklären sind.
Alle Diagnose Ergebnisse wurden an die Seat Diagnoseplattform TSC übermittelt.
Diese wiederum leitete den Vorgang an die Fachabteilung des Herstellers weiter.
Ende letzter Woche erhielten wir dann die Freigabe zur Demontage des Motors um genauere Ursachen der Beanstandung zu ermitteln. Diese Ergebnisse gehen dann wieder zurück zur Fachabteilung, die über weitere Massnahmen entscheiden wird.


Da wir, wie ich Ihnen schon persönlich sagte, personell z.Z. unterbesetzt sind, kommen wir erst in dieser Woche dazu die vom Hersteller geforderte Arbeiten durchzuführen.
Dafür bitte ich Sie nochmals um Ihr Verständnis.

Mit freundlich Grüßen

yyyyyy
Auto yyyy GmbH
Tel. yyyyyyyy"

Eine zweite E-Mail der Werkstatt, datierend vom Montag, 11.09.2017 erhielt folgenden Zwischenbescheid:

"Sehr geehrter xxxxx,

die Prüfarbeiten sind abgeschlossen. Lt. Seat Diagnosecenter muss ein neuer Rumpfmotor eingebaut werden .
Eine Kulanzanfrage wurde an den Hersteller gestellt. Nun müssen wir die Entscheidung abwarten.
Sobald wir eine Antwort bekommen geben wir Ihnen bescheid.



Mit freundlichen Grüßen"

(Anm.: Sämtliche Namen, Orte, Telefon-Nr. wurden aufgrund des Datenschutzes von mir unkenntlich gemacht!)

Am vergangenen Freitag (15.09.2017 abends) erhielt ich folgende telef. Information seitens der Werkstatt:

Die Reparaturkosten für den Austausch eines sog. "Rumpfmotors" incl. aller benötigten Ersatzteile und Arbeiten belaufen sich auf rund 9.000 €! Der Hersteller, die Fa. SEAT Spanien, hat auf den von der Werkstatt bereits gestellten Antrag auf Kulanz mit einem Angebot 60 % der Gesamtkosten zu übernehmen reagiert. Somit würden 40 % verbleiben, die ich selbst zu tragen hätte. Oder in nackten Zahlen: rund 3.600,00 €!

Die offizielle Hersteller-Garantie bei SEAT beträgt 2 Jahre, so dass der Alhambra meiner Frau sich seit einigen Monaten bereits außerhalb dieser Garantiezeit befindet.

Allerdings halte ich einen (Teil-)Motor-Austausch bei einem lediglich 2 1/2 Jahre alten und in dieser Zeit knappe 30.000 km gefahrenen Fahrzeug für "äußerst bemerkenswert", vor allem wenn man die m.M. nach immensen Kosten ins Verhältnis zum Wertverlust eines Fahrzeugs innerhalb der ersten drei Jahre setzt.

Als Faustformel würde ich schätzen, dass von einem ehem. Listenpreis in Höhe von 34.000 € ca. 30 bis 40 % Wertverlust durchaus realistisch erscheinen und somit bereits jetzt, nach etwas mehr als 30 Monaten Nutzungsdauer der Restwert des Fahrzeugs irgendwo zwischen 23.800 (30 %) und 20.400 € (40 %) liegen dürfte. Damit wären die prognostizierten 9.000 € voraussichtliche Reparaturkosten fast schon die Hälfte des von mir geschätzten Restwerts.

Weiterhin davon ausgehend, dass die Reparatur bzw. der (Teil-)Austausch des Motors durchgeführt wird, wie würde sich das auf die vertraglich festgelegte Schlußrate in Höhe von 13.162,12 € zum Ende der 60-monatigen Finanzierungslaufzeit auswirken?

Den Austausch von sog. "Verschleißteilen", also z.B. Bremsen, Stoßdämpfer, Auspuffanlage o.ä. würde ich nach vergleichbarer Nutzungsdauer ebenfalls nicht unwidersprochen hinnehmen. Dabei wären das lediglich wenige hundert bis max. eintausend Euro, im Falle einer fachmännisch ausgeführten Reparatur durch eine autorisierte Werkstätte.

Wieso sollte ich bei einem immens hohen Reparaturaufwand, der im Normalfall bei einem Fahrzeug dieses Alters und vollkommen normaler Beanspruchung m.E. nicht vorkommen dürfte, 40 % der Gesamtkosten übernehmen? Die Qualität des Fahrzeugs bzw. des darin verbauten Motors sollte an und für sich für eine wesentlich längere Gebrauchsdauer als 60 Monate, in jedem Fall jedoch länger als die rund 30 Monate, die das Fahrzeug bislang genutzt wurde, ausreichen?

Von einer Beauftragung über den Beginn der Reparaturarbeiten habe ich bis jetzt abgesehen, da ich keinesfalls eine Zahlungsverpflichtung gegenüber der Werkstatt eingehen möchte, in der sich das Fahrzeug nach wie vor befindet.

Nach einem heute getätigten Telefonat mit einem Callcenter-Mitarbeiter der SEAT Deutschland muss ich davon ausgehen, dass mein schriftlich per E-Mail einzureichender Antrag auf Kulanz dort eine Bearbeitungszeit von vier bis sechs Wochen haben wird. Das heißt, bis ca. Ende Oktober könnte es noch dauern, bis mein Fall endgültig bearbeitet ist und die Reparaturarbeiten begonnen werden könnten.

Sehen Sie hier realistische Erfolgsaussichten, dass man den kompletten Schaden seitens des Herstellers/Importeurs ersetzt bekommen kann?

Sehr geehrter Fragensteller,

auch die gesetzliche Gewährleistung beträgt nur 2 Jahre ab Übergabe nach Kauf und ist bei Schadensfall abgelaufen gewesen.

§ 438 Abs. 1 Nr. 3 BGB:

"1) Die in § 437 Nr. 1 und 3 bezeichneten Ansprüche verjähren
1.
in 30 Jahren, wenn der Mangel
a)
in einem dinglichen Recht eines Dritten, auf Grund dessen Herausgabe der Kaufsache verlangt werden kann, oder
b)
in einem sonstigen Recht, das im Grundbuch eingetragen ist,
besteht,
2.
in fünf Jahren
a)
bei einem Bauwerk und
b)
bei einer Sache, die entsprechend ihrer üblichen Verwendungsweise für ein Bauwerk verwendet worden ist und dessen Mangelhaftigkeit verursacht hat, und
3.
im Übrigen in zwei Jahren."

Nur mit BGH NJW 1978, 2241 wäre ein Schadensersatz denkbar, wenn ein verhältnismäßig geringwertiges Teil, das auch noch abgrenzbar sein muss, den weiteren Defekt verursacht hätte.

Dies ist aber der letzte "Strohhalm".

M. E. scheint in der Regel eine gütliche Einigung, wenn auch mit anteiliger Eigentahlung auf Kulanzbasis vorzuziehen, auch wenn es sicher sicher sehr ungewöhnlich ist, dass ein Motor nach so kurzer Zeit und geringer Laufleistung kaputt geht.

Derzeit sehe ich auch - noch keinen Einfluss - auch Ratenzahlungen etc..

Vertieft zu einem etwaigen Nutzungsersatz bei dennoch erfolgender Rückabwicklung des Kaufes hier:

http://www.iww.de/asr/autorecht/autokauf-update-berechnung-der-nutzungsentschaedigung-bei-rueckabwicklung-eines-kfz-kaufvertrags-f69117

Mit freundlichen Grüßen
Daniel Saeger
- Rechtsanwalt -

Nachfrage vom Fragesteller 19.09.2017 | 08:28

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Saeger,

zunächst vielen Dank für Ihre sehr zeitnahe Reaktion und die Antwort auf meine Anfrage.

In den Neuwagen-Verkaufsbedingungen, die Bestandteil der Bestellung waren, und mit "Unverbindliche Empfehlung der SEAT Deutschland GmbH - Stand April 2008" überschrieben sind, heißt es unter "VII. Sachmangel" u.a.

"1. Ansprüche des Käufers wegen Sachmängeln verjähren entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen in zwei Jahren ab Ablieferung des Kaufgegenstandes.
Weitergehende Ansprüche bleiben unberührt, soweit der Verkäufer aufgrund Gesetz zwingend haftet oder etwas anderes vereinbart wird, insbesondere im Falle der Übernahme einer Garantie.

2. Soll eine Mängelbeseitigung durchgeführt werden, gilt folgendes:

a) Ansprüche auf Mängelbeseitigung kann der Käufer beim Verkäufer oder bei anderen, vom Hersteller/Importeur für die Betreuung des Kaufgegenstandes anerkannten Betrieben geltend machen; im letzteren Fall hat der Käufer den Verkäufer hiervon unverzüglich zu unterrichten, wenn die erste Mängelbeseitigung erfolglos war. Bei mündlichen Anzeigen von Ansprüchen ist dem Käufer eine schriftliche Bestätigung über den Eingang der Anzeige auszuhändigen.

b) Wird der Kaufgegenstand wegen eines Sachmangels betriebsunfähig, hat sich der Käufer an den dem Ort des betriebsunfähigen Kaufgegenstands nächstgelegenen, vom Hersteller/Importeur für die Betreuung des Kaufgegenstands anerkannten dienstbereiten Betrieb zu wenden.

c) Für die zur Mängelbeseitigung eingebauten Teile kann der Käufer bis zum Ablauf der Verjährungsfrist des Kaufgegenstandes Sachmängelansprüche aufgrund des Kaufvertrages geltend machen.
...."

Insbesondere der Abschnitt 2.b) "Wird der Kaufgegenstand wegen eines Sachmangels betriebsunfähig, hat sich der Käufer..." erscheint mir hier zutreffend?

Was sollte ein (Teil-)Motorschaden nach gerade einmal 2 1/2 Jahren normaler Nutzungsdauer anderes sein, als ein "Sachmangel"? Es kann doch nicht zu Lasten eines Neuwagen-Käufers gehen, dass ca. 6 bis 7 Monate nach Ablauf der zweijährigen Hersteller-Garantie ein derart gravierendes technisches Problem, das eine uneingeschränkte Nutzung des Fahrzeugs vollkommen unmöglich macht, mit erheblichem finanziellen Aufwand zu Lasten des Kunden geht?

Aufgrund eines Gesprächs mit meinem Nachbarn, der ein vergleichbares Fahrzeug aus dem VW-Konzern fährt (VW Touran), habe ich erfahren, dass auch dort ein Schaden am Kompressor behoben werden musste. Das Fahrzeug hatte erst rund 25.000 km Laufleistung erbracht.

Könnte man möglicherweise auf einen Herstellerseitig bereits bekannten Mangel argumentieren? Die Komponenten für Motoren der VW- und SEAT-Baureihen sind sicherlich identisch?

Könnte eine Pannenstatistik (z.B. vom ADAC oder TÜV), aus denen sich eine überproportional hohe Motorschaden-Quote an solchen Fahrzeugen ersehen lässt, ggfs. die Chancen auf komplette Kostenübernahme durch den Hersteller/Importeur erhöhen?

Ich kann einfach nicht akzeptieren, dass sich der Hersteller/Importeur auf den Standpunkt zurückzieht, "Pech gehabt, lieber Kunde. Die zweijährige Garantie ist zwar erst ein paar Monate vorbei, aber die x tausend Euro für die Reparatur des 2 1/2 alten Alhambra musst Du bitte selbst bezahlen. Wir sind zwar kulant und bieten einen gewissen %-Satz an den wir übernehmen, aber letzten Endes bleibst Du auf einigen tausend Euro sitzen."

Deswegen haben wir uns vor drei Jahren für den Kauf eines Neufahrzeugs bei einem renommierten Hersteller entschieden, weill wir davon ausgegangen sind, dass innerhalb der 60 Monate, in denen die Finanzierung läuft, keinerlei großen Mängel/Reparaturen aufgrund technischer Unzulänglichkeiten haben werden.

Und dann stehen nach der Hälfte der vereinbarten Nutzungsdauer rund 9.000 Euro für einen (Teil-)Motor-Tausch zur Debatte...

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 19.09.2017 | 08:47

Sehr geehrter Fragensteller,

dass ein Sachmangel vorliegt, bestreitet ja auch nicht der Verkäufer / der Hersteller.

Aber es heißt ja in der Garantie:

""1. Ansprüche des Käufers wegen Sachmängeln verjähren entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen in zwei Jahren ab Ablieferung des Kaufgegenstandes.
Weitergehende Ansprüche bleiben unberührt, soweit der Verkäufer aufgrund Gesetz zwingend haftet oder etwas anderes vereinbart wird, insbesondere im Falle der Übernahme einer Garantie. "

Diese 2 Jahre sind abgelaufen. Wenn die Garantie nicht über die 2 Jahre hinausgeht, bleibt nur der bereits zitierte letzte Strohhalm in Form des BGH Urteils.

So bedauerlich es auch sein mag, juristisch scheint der Fall relativ tot. Dass große Autohersteller oftmals nicht unbedingt kulant oder gar rechtskonform handeln, ist bedauerlich. In diesem Fall aber mit § 438 BGB übereinstimmend. Pannenstatistiken beeinflussen diese Norm leider nicht.

Sicher können Sie versuchen mit einem RA vor Ort noch ein wenig Druck aufzubauen. Ob sich aber gerade der betroffene Konzern ohne - derzeit nicht so erfolgversprechende Klage - davon beeindrucken lässt, scheint mir aber zweifelhaft. Zumal Gutachterkosten den Streitwert erhöhen und der Richter oftmals die Parteien sowieso in einen Vergleich treibt.

MfG
D. Saeger
- RA -

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