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Motorrad zerlegt - Werkstatt fordert unwirtschafltiche Reparatur !

12.08.2015 19:07 |
Preis: ***,00 € |

Vertragsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Daniel Hesterberg


Zusammenfassung: Pfandrecht eines Werkunternehmers versus Ersatzansprüche eines Bestellers bei einer Motorradreparatur

Wir hatten uns vor ca. 2 Jahren ein Vorkriegsmotorrad von Privat für 4500 Euro gekauft. Der Verkäufer war uns einige Jahre bekannt und er ist verstorben – also kein Regress möglich.
In unserer Stammwerkstatt haben wir das Krad für 600 Euro fahrbereit gemacht.
(Rechnung liegt vor) und ein Wertgutachten der DEKRA hat einen Wert von ca. 9000 Euro ergeben.
Dann wurde das Krad vom TÜV abgenommen.

Unser Motiv war eine Kapitalanlage, mit etwas Fahrspass.

Unsere Werkstatt hatte uns empfohlen das Getriebe zu überholen zu lassen, weil der 2. Gang hakte. Über das Internet fanden wir eine Spezialfirma für diese Kräder.

Wir haben dann das Fahrzeug mit einem Abschleppdienst (Quittung liegt vor) 180km, um das Getriebe zu schonen, weit entfernt zu dieser Werkstatt transportiert. Der Inhaber war zu dieser Zeit sehr ausgelastet und konnte uns noch nicht konkret sage, wann die Reparatur beginnen würde. Sagte uns aber gleich, das Fahrzeug sei aus Bauteilen unterschiedlicher Epoche.

Wir haben dann aus gesundheitlichen Gründen auch das Projekt aus den Augen verloren.

Die Reparatur wurde für das Getriebe, Lenker Umbau und Batterie vom Rahmen abschirmen und neu Verkabeln mit 2000 Euro angekündigt. 2 Ledersitze sollten zusätzlich 500 Euro kosten.Dies war uns die Sache wert.

Vor einem Jahr hatten wir angefragt, was denn unserer Motorrad macht. Der Inhaber hatte einen Bandscheibenvorfall und wir wurden vertröstet.

Vor einem Monat kam uns das Krad wieder in Erinnerung. Auf Nachfrage wurde uns dann zugesagt, dass es nun bald los ginge.

Nun haben wir vor einigen Tagen einen Brief erhalten, in dem 1200 Euro als Anzahlung gefordert wurden. Wir dachten die Reparatur sollte nun losgehen – hätte noch nicht begonnen.

Nur war hier noch keine Endsumme angegeben. Allerdings waren noch einige Reparaturen angekündigt wie Motorrevision, Zylinderkopf, Kupplung, Elektronik neu.

Auf unsere Anfrage erhielten wir eine Kostenaufstellung mit einer Gesamtforderung von 5300 Euro.

Der Werkstattinhaber bezifferte den Wert des Krades auf 2800 Euro nach seiner erfolgten Reparatur.

Somit ist dies ein wirtschaftlicher Totalschaden!

Wir wollten es dann wieder abholen.

Sein Einwand war, nun sei das Krad komplett zerlegt, den Kabelbaum hat er komplett gezogen – und selbst wenn er es zusammen bauen würde, wären 4500,- Euro fällig.

Auf unseren Einwand hin, dass Fahrzeug sei vor Abgabe fahrtüchtig gewesen und vom TüV abgenommen, entgegnete er, dies würde nichts heißen.

Wir sind nun erpresst, entweder, wir holen das Krad in Einzelteilen – zum Verkaufen, lt. ihm ca. 1500 Euro (obwohl wir für das Getriebe bei Abholung 2000 Euro netto bezahlen sollen).

Oder wir lassen es von ihm zusammen bauen, und kommen dann wieder auf die geforderte Summe 5300 Euro.

Er hat uns keine Zwischennachricht über Kosten gegeben – hatte aber unsere Kontaktdaten. Er hat nun vollendete Tatsachen geschaffen. Auf die Frage, warum er nicht bei Entgegennahme uns auf die zu erwartenden Kosten hingewiesen hat, argumentierte er mit der emotionalen Verbundenheit seiner Kunden mit den Motorrädern.

Er kannte unseren Hintergrund überhaupt nicht, hat ihn auch nicht interessiert – aber die wirtschaftlichen Risiken waren ihm durchaus bewusst und er hat sie uns bewusst verschwiegen.

Der geringe Wert nach seiner Generalüberholung ergibt sich laut ihm daraus, dass der Zustand des Krades nicht der Originalzustand sei, die können selbst Gutachter nicht erkennen, da es kaum noch vergleichbare Kräder gibt.

Fazit:

Verlassen wir uns auf den Profi, investieren wir 5300 Euro um ein fahrbereites Motorrad für 2800,- Euro zu bekommen?

Oder wird legen uns 3 Kisten mit Motorradteilen(zerlegtes Motorrad) in die Garage für 2300 Euro(bisher angefallene Kosten, welche der Motorradspezialist erstattet bekommen möchte) und müssen dann als Laie versuchen die Teile zu veräußern, um dann im Idealfall 1500,-Euro zu erhalten?

Alternativ wäre es, das Krad nicht mehr abzuholen damit die Werkstatt dann von ihrem Pfandrecht Gebrauch machen kann. Allerdings gefällt uns das überhaupt nicht, da es dem Sinn der Anschaffung widersprechen würde und wir einen Totalverlust hätten?

Was können wir tun? Wie sieht die Rechtslage aus?

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Sowohl im Hinblick auf die veranschlagten und später verlangten Kosten durch die Gegenseite können Sie etwas tun, als auch bezüglich eines Schadensersatzes - im Einzelnen:

1.
Das Gesetz sieht insoweit bei Ihrem Fall folgendes vor (§ 650 BGB):

Ist dem (hier bereits geschlossenen) Vertrag ein Kosten(vor-)anschlag zugrunde gelegt worden,

- ohne dass der Unternehmer die Gewähr für die Richtigkeit des Anschlags übernommen hat, und ergibt sich,

- dass das Werk nicht ohne eine wesentliche Überschreitung des Anschlags ausführbar ist, so steht dem Unternehmer, wenn der Besteller den Vertrag aus diesem Grund kündigt, nur der im § 645 Abs. 1 bestimmte Anspruch zu.

Ist eine solche Überschreitung des Anschlags zu erwarten, so hat aber der Unternehmer dem Besteller unverzüglich Anzeige zu machen.

Diese Informationspflicht besteht auch dann, wenn von Anfang an zu niedrig kalkuliert oder bei Angabe der voraussichtlichen Kosten bewusst auf eine günstige Entwicklung der Dinge gesetzt wurde.

Trifft den Unternehmer bei solchen bereits anfänglich unrichtigen Angaben über die zu erwartenden Kosten ein Verschulden, so kommen auch Ansprüche aus vorvertraglicher Haftung (auf Schadensersatz) in Betracht (Verschulden wegen mangelnder Erkundigung über Einzelheiten des Werks; hier die Besonderheit eines sehr alten Motorrads).

2.
Sie haben ein Anspruch auf Herausgabe des Motorrads im Wege der außerordentlichen Kündigung des Vertrages - in welchem Zustand es sich auch immer befindet; danach können Sie Schadensersatz und Aufwendungsersatz verlangen, z. B. wegen Wertverlust oder Zusammenbau etc.

Ein Pfandrecht besteht hier nicht für die Gegenseite, allenfalls für einen ganz geringen Teil seiner Vergütung, was aber bei dem verursachten Schaden gegen null tendieren wird.

Ergo:
Ohne Einschaltung eines Anwalts Ihrer Wahl werden Sie da nicht weiterkommen.

Vor dem Hintergrund etwaiger gegenseitiger Ansprüche von über 5.000,- € müssten Sie spätestens vor Gericht einen Anwalt haben, wegen des dann bestehenden Anwaltszwangs.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

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