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Mitglied einer ungeteilten Erbschaft


12.06.2005 21:47 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht



Ich bin Mitglied einer ungeteilten Erbengemeinschaft. Es ist an die Erbengemeinschaft ein Haus vererbt worden. Diese ist nicht mehr bewohnt. Auf dem Haus lastet eine große Hypothek. Die Mitglieder der Erbengemeinschaft können gerade die laufenden Kosten für die Verwaltung des Hause aufbringen. Ich bin mit einem geringen Prozentsatz an diesem Erbe beteiligt. Das Erbe habe ich vor 7 Jahren angetreten. Wie komme ich aus dieser Erbengemeinschaft heraus, wenn sie nicht insolvent ist? Hafte ich mit meinem Privatvermögen, wenn die Gläubigerbanken ihr Geld haben wollen? Spielt die prozentuale Beiteiligung am Erbe in einem solchen Fall eine Rolle?

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Sehr geehrter Ratsuchende(r),

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Zunächst sollten Sie die Möglichkeit prüfen, Ihren Erbteil zu veräußern. Gemäß § 2033 Abs. 1 BGB kann jeder Miterbe über seinen Anteil am Nachlass als Ganzes verfügen. Dieser Vertrag bedarf der notariellen Beurkundung. Dabei ist zu beachten, dass die Miterben gegenüber dem Erbteilsverkäufer ein Vorkaufsrecht haben. Ich halte die Möglichkeit des Erbteilsverkaufs, vielleicht auch gerade an andere Miterben, für einen gangbaren Weg, da Ihr Anteil nur einen geringen Prozentsatz am Erbe ausmacht.

Sollte ein Erbteilsverkauf nicht möglich oder auch nicht wirtschaftlich sinnvoll erscheinen, können Sie gemäß § 2042 BGB als Miterbe die Auseinandersetzung verlangen. Die Auseinandersetzung ist nur in selten vorkommenden Ausnahmefällen ausgeschlossen, wenn beispielsweise ein potentieller Miterbe noch nicht geboren oder seitens des Erblassers kraft letztwilliger Verfügung ausgeschlossen ist. Die Auseinandersetzung findet gemäß den Regelungen der §§ 752 ff. BGB statt. Entsprechend § 752 BGB erfolgt die Aufhebung der Erbengemeinschaft durch Teilung in Natur, soweit dies wirtschaftlich möglich ist. Ist eine Teilung der Gegenstände in Natur nicht möglich, so sieht § 753 BGB die Aufhebung der Gemeinschaft durch Verkauf der gemeinschaftlichen Gegenstände nach den Vorschriften über den Pfandverkauf, bei Grundstücken durch Zwangsversteigerung vor.

Gemäß § 2046 BGB ist der Erlös aus Verkauf und Versteigerung zunächst zur Berichtigung der Nachlassverbindlichkeiten einzusetzen. Anschließend wird gemäß § 2047 BGB der verbleibende Überschuss auf die Erben entsprechend ihrer Erbanteile aufgelöst.

An der grundsätzlich gegebenen gesamtschuldnerischen Haftung der Erben ändert die Auseinandersetzung erst einmal nichts. Nach einer etwaigen Teilung können Sie jedoch als Miterbe die Nachlassgläubiger auffordern, ihre Forderungen binnen sechs Monaten bei ihm oder dem Nachlassgericht anzumelden (§ 2061 Abs. 1 BGB). Ist die Aufforderung erfolgt, so haftet nach der Teilung jeder Miterbe nur für den seinem Erbteil entsprechenden Teil einer Forderung, soweit nicht vor Fristablauf die Forderung angemeldet wird oder dem Miterben die Forderung zur Zeit der Teilung bekannt ist.

Gemäß § 1967 Absatz 1 BGB haftet der Erbe für die Nachlassverbindlichkeiten unbeschränkt, also auch mit seinem Privatvermögen. Die Haftung kann allerdings auf den Nachlass durch Anordnung einer Nachlasspflegschaft zum Zwecke der Befriedigung der Nachlassgläubiger (Nachlassverwaltung) oder Eröffnung des Nachlassinsolvenzverfahren (vgl. § 1975 BGB) beschränkt werden.

Einen Antrag auf Anordnung der Nachlassverwaltung werden Sie nicht mehr stellen können, denn dieser ist nur binnen zwei Jahren nach Annahme der Erbschaft möglich.

Wenn Sie jedoch Kenntnis von der Zahlungsunfähigkeit oder der Überschuldung des Nachlasses erlangen, müssen Sie unverzüglich die Eröffnung eines Nachlassinsolvenzverfahrens beantragen. Anderenfalls sind Sie den Gläubigern für den daraus entstehenden Schaden verantwortlich.

Sollte mangels Masse die Eröffnung des Nachlassinsolvenzverfahrens nicht möglich sein, würde Ihnen noch die Möglichkeit bleiben, die Befriedigung eines Nachlassgläubigers insoweit zu verweigern, wie der Nachlass dazu nicht ausreicht. Die Erben wären dann dazu verpflichtet, den Nachlass zum Zwecke der Befriedigung des Gläubigers herauszugeben.

Bitte beachten Sie abschließend noch, dass das Nachlassgericht gemäß § 1994 Abs. 1 BGB auf Antrag eines Nachlassgläubigers den Erben aufgeben kann, binnen einer Frist von einem bis drei Monaten ein Verzeichnis über den Nachlass (Inventar) zu errichten. In dem Inventar sollen alle beim Eintritt des Erbfalls vorhandenen Nachlassgegenstände und –Verbindlichkeiten vollständig angegeben werden. Wird das Inventar nicht fristgerecht beim Nachlassgericht eingereicht, haften die Erben für die Nachlassverbindlichkeiten in aller Regel unbeschränkt.

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Ausführungen weitergeholfen zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen


Ingo Kruppa
Rechtsanwalt
www.kruppa-ruprecht.de
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