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Missbrauch

| 02.03.2008 18:41 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Vor über 10 Jahren wurde ich als 16- jähriger von meinem Lehrer nach § 174 StGB mehrfach missbraucht. Ich habe bis heute geschwiegen. Im April werde ich 29 Jahre alt und habe psychische Probleme wegen der Tat..
Kann ich ihn noch verklagen?

02.03.2008 | 19:12

Antwort

von


(513)
Groner Landstr. 59
37081 Göttingen
Tel: 05513097470
Web: http://www.Kanzlei-Lars-Liedtke.de
E-Mail:

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass dieses Forum lediglich die Funktion hat, Ihnen einen ersten Überblick über die Rechtslage zu geben. Eine persönliche Beratung/Vertretung kann und soll hierdurch nicht ersetzt werden. Hinzufügen oder Weglassen wesentlicher Tatsachen kann zu einer anderen Beurteilung des Falles führen. Unter Berücksichtigung Ihrer Sachverhaltsangaben und des von Ihnen gebotenen Einsatzes beantworte ich Ihre Frage wie folgt:

Hier ist zu unterscheiden, ob Sie gegen Ihren ehemaligen Lehrer zivilrechtlich oder strafrechtlich vorgehen wollen:

Möchten Sie strafrechtlich gegen ihn vorgehen, also Strafantrag oder Strafanzeige stellen, so geten die Verjährungsfristen des § 78 StGB , der da lautet:

§ 78 Verjährungsfrist
(1) Die Verjährung schließt die Ahndung der Tat und die Anordnung von Maßnahmen (§ 11 Abs. 1 Nr. 8) aus. § 76a Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 bleibt unberührt.
(2) Verbrechen nach § 211 (Mord) verjähren nicht.
(3) Soweit die Verfolgung verjährt, beträgt die Verjährungsfrist
1. dreißig Jahre bei Taten, die mit lebenslanger Freiheitsstrafe bedroht sind,
2. zwanzig Jahre bei Taten, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafen von mehr als zehn Jahren bedroht sind,
3. zehn Jahre bei Taten, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafen von mehr als fünf Jahren bis zu zehn Jahren bedroht sind,
4. fünf Jahre bei Taten, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafen von mehr als einem Jahr bis zu fünf Jahren bedroht sind,
5. drei Jahre bei den übrigen Taten.
(4) Die Frist richtet sich nach der Strafdrohung des Gesetzes, dessen Tatbestand die Tat verwirklicht, ohne Rücksicht auf Schärfungen oder Milderungen, die nach den Vorschriften des Allgemeinen Teils oder für besonders schwere oder minder schwere Fälle vorgesehen sind.


Sie sehen also, dass eine Strafverfolgung nach mehr als 10 Jahren nur bei solchen Taten möglich ist, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafe von mehr als 10 Jahren bedroht sind. Dies ist bei dem Straftatbestand des § 174 StGB leider nicht der Fall. Selbst im Falle des § 176 StGB wäre die Höchststrafe 10 Jahre, aber nicht mehr als 10 Jahre. Daher kann eine Anklage in diesem Fall nicht mehr erfolgen.

Der Umstand, dass Strafverfolgungsverjährung eingetreten ist, bedeutet abernur, dass der Täter diesbezüglich nicht mehr angeklagt und verurteilt werden kann und dass ein von Ihnen diesbezüglich eingeleitetes Ermittlungsverfahren eingestellt werden würde. Das heißt aber nicht, dass Ihnen davon abzuraten ist, die Tat bei der Polizei aktenkundig zu machen; zumal dies ja keine Kosten Ihrerseits auslöst. Es ist ja immerhin möglich, dass gegen den Lehrer zur Zeit ein Ermittlungsverfahren anhängig ist oder in der nächsten Zeit durch einen Schüler anhängig gemacht würde. Durch Ihre Zeugenaussage könnte der Tatvorwurf dann erheblich glaubwürdiger erscheinen. Dann könnten Sie also einem anderen Betroffenen helfen.

Auch zivilrechtlich, wenn Sie also Schadensersatz- oder Schmerzensgeldansprüche gegen ihn geltend machen wollen, ist inzwischen bereits Verjährung eingetreten. Hier gilt die allgemeine zivilrechtliche Verjährungsfrist. Diese betrug zwar zur Tatzeit 30 Jahre. Dies ist jedoch durch das Schuldrechtsmodernisierungsgesetz, das zum 01.01.2002 in Kraft getreten ist, geändert worden. Nunmehr beträgt die allgemeine Verjährungsfrist gem. § 195 BGB 3 Jahre. Die Überleitungsfrist des Art. 229 § 6 Abs. 4 EGBGB sieht für diese Fälle vor, dass die längere Verjährungsfrist mit Wirkung zum 01.01.2002 durch die kürzere abgelöst wird. Somit sind Ihre zivilrechtlichen Ansprüche Ende 2004 verjährt (solange nicht ausnahmsweise eine Hemmung der Verjährung eingetreten ist).

Wenn auch Verjährung eingetreten ist, der Lehrer also nicht mehr gegen seinen Willen verurteilt werden kann, können Sie natürlich dennoch versuchen (ggf. unter Hinzuziehung eines Rechtsanwalts), an den Lehrer heranzutreten, um eine außergerichtliche Einigung zu erzielen. Ansonsten bliebe Ihnen ggf. noch die Möglichkeit, ein Disziplinarverfahren gegen den Lehrer einzuleiten.

Es tut mir Leid, Ihnen keine positivere Auskunft gegebn zu können. IIch hoffe dennoch, Ihnen einen ersten Überblick über die Rechtslage gegeben zu haben.

Mit freundlichen Grüßen,

Lars Liedtke
Rechtsanwalt


Rechtsanwalt Lars Liedtke

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