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Minderungsansprüche an eine Airline durch verspätete Flüge zum Kreuzfahrtschiff

23.03.2015 18:53 |
Preis: ***,00 € |

Reiserecht


Wir haben eine Kreuzfahrt (Pauschalreise bei einem Reisebüro ) gebucht. Durch Verspätung des Fliegers (Technischer Schaden) konnte der Anschlussflug von New York nach San Juan nicht mehr erreicht werden. Um überhaupt noch das Schiff zu erreichen, vermittelte uns unsere Delta Airline einen Flug nach Barbados. Hier erreichten wir das Shiff am 3. Tag der Kreuzfahrt. Das hieß, 2 Nächte mit allen Folgekosten im Hotel (einschliesslich ein wenig Sommerkleidung). Da das Gepäck wegen Flugverspätung Barbados nicht vor Auslaufen des Schiffes erreichte, verbrachten wir bis zum 6. Tag (von 14 Tagen) der Kreuzfahrt unseren Urlaub in den "Reiseklamotten".
Welche Kostenansprüche (pauschal oder als Belege) können wir an die Airline stellen?
Wenn pauschal in welcher Höhe?
Welche Minderungsansprüche haben wir an Delta Airline wegen der fehlenden Koffer bis zum 6. Tag (pauschal oder prozentual)?
Sind Ansprüche an mein Reisebüro ausgeschlossen, das sich darauf beruft kein Reiseveranstalter zu sein und damit kein Ansprechpartner für Forderungen?
Mit freundlichem Gruß,

Sehr geehrter Ratssuchender,

gerne beantworte ich Ihre Frage aufgrund Ihrer Sachverhaltsschilderung wie folgt:

Soweit Sie bei der Anreise zu der von Ihnen gebuchten Kreuzfahrt von einer Flugverspätung betroffen waren, gehe ich nach Ihren Angaben zunächst davon aus, dass der Zubringerflug von Deutschland nach New York von dieser Verspätung betroffen war. Dies vorausgesetzt, könnte Ihnen gegen die Fluggesellschaft ein Anspruch auf Ausgleichszahlung nach Art. 7 EG Verordnung 261/2004 zustehen, wobei bei der Flugentfernung von über 3.500 km ein Anspruch von 600,00 € pro Passagier in Betracht zu ziehen wäre.

Soweit Sie mitteilen, dass die Flugverspätung auf einen technischen Schaden zurückzuführen sei, dürfte sich die Fluggesellschaft auch nicht auf einen außergewöhnlichen Umstand nach Art. 5 EG Verordnung 261/2004 berufen können, da technische Defekte regelmäßig in der Risikosphäre des Luftfahrtunternehmens liegen und daher die Airlines in der Regel nicht entlasten.

Zudem dürfte Ihnen gegen die Airline als Verspätungsschaden ein Anspruch auf Ersatz der entstandenen Übernachtungskosten nach Art. 19 MÜ (Montrealer Übereinkommen) zustehen (so auch AG Wedding, RRa 2012, 81; OLG Düsseldorf, NJW-RR 2007, 854). Diese Kosten müssten jedoch konkret nachgewiesen werden.

Ein Minderungsanspruch aufgrund der verspätet eingetroffenen Koffer kann gegenüber der Fluggesellschaft hingegen nicht geltend gemacht werden. Lediglich die reisevertraglichen Vorschriften der §§ 651a ff. BGB sehen einen derartigen Minderungsanspruch vor, der jedoch nur gegen den Reiseveranstalter geltend gemacht werden kann; die Airline ist jedoch nur Leistungserbringer und gerade kein Reiseveranstalter.

Auch das Reisebüro haftet insoweit nicht aus dem Reisevertrag, da dieses lediglich als Reisevermittler tätig wird. Insoweit dürften die Ausführungen des Reisebüros richtig sein.

Es kämen jedoch auch reisevertragliche Ansprüche gegen den Veranstalter in Betracht, wobei die Ansprüche insoweit an die Kreuzfahrtgesellschaft zu richten wären. Bei einer Kreuzfahrt handelt es sich regelmäßig um eine Pauschalreise, so dass die reisevertraglichen Vorschriften Anwendung finden.

Insoweit käme zunächst eine Minderung des Reisepreises aufgrund der Flugverspätung und des erst drei Tage verspäteten Erreichens des Kreuzfahrtschiffs in Betracht (vgl. LG Frankfurt, RRa 2008, 22; RRa 1997, 218; AG Hamburg, NJW-RR 2004, 142).

Auch hinsichtlich der Kofferverspätung käme eine Minderung des Reisepreises gegenüber dem Veranstalter in Betracht. Nach der Rechtsprechung können pro betroffenen Reisetag in der Regel zwischen 25 % bis 50 % des Tagesreisepreises gemindert werden (LG Frankfurt, RRa 2007, 269; AG Frankfurt, NJW 2001, 1873; RRa 2002, 22).

Voraussetzung für eine Minderung des Reisepreises gegenüber dem Reiseveranstalter ist jedoch grundsätzlich, dass die Reisemängel diesem gegenüber angezeigt worden sind. Nur in Ausnahmefällen ist eine derartige Mängelanzeige entbehrlich. Ihren Angaben kann ich leider nicht entnehmen, ob Sie sich hinsichtlich der Mängel bei der Kreuzfahrtgesellschaft gemeldet haben, so dass eine abschließende Beurteilung nicht möglich ist.

Nach allem kämen sowohl Ansprüche gegen die Fluggesellschaft als auch die Kreuzfahrtgesellschaft als Reiseveranstalter in Betracht. In diesem Zusammenhang möchte ich jedoch darauf hinweisen, dass etwaige Ausgleichszahlungen der Airline nach Art. 12 EG Verordnung 261/2004 auf die Minderungsansprüche gegenüber dem Reiseveranstalter angerechnet werden könnten. Gleiches würde für den umgekehrten Fall gelten. Dies bedeutet, dass Sie keine doppelten Zahlungen erhalten würden, da eine Bereicherung des Reisenden bzw. Fluggastes grundsätzlich ausgeschlossen werden soll.

Abschließend weise ich darauf hin, dass die Ansprüche gemäß § 651g Abs. 1 BGB grundsätzlich einen Monat nach vertraglich vorgesehenem Ende der Reise gegenüber dem Reiseveranstalter geltend gemacht werden müssen. Insoweit handelt es sich um eine Ausschlussfrist. Hinsichtlich der Ausgleichs- und Schadensersatzansprüche gegenüber der Airline besteht dagegen keine derartig kurze Ausschlussfrist; hier läuft lediglich eine Verjährungsfrist.

Ich hoffe, Ihnen einen ersten Überblick verschafft zu haben.

Ich kann Ihnen daher dringend empfehlen, sich zur Geltendmachung Ihrer Ansprüche anwaltlicher Hilfe zu bedienen. Sollten Sie eine entsprechende Tätigkeit durch mich wünschen, stehe ich Ihnen hierfür selbstverständlich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Neubauer
Rechtsanwalt

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