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Medienrecht Fotografie


| 10.05.2018 18:17 |
Preis: 98,00 € |

Medienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Jan Wilking



Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin in erster Linie Hobby-Fotograf, beabsichtige aber auch Bilder z.B. in der Fotocommunity zu veröffentlichen und von den
Mitgliedern bewerten zu lassen, um irgendwann in den semiprofessionalen Bereich zu wechseln. Sollte es Interesse geben, würde ich auch Bilder verkaufen wollen. Zur Zeit fotografiere ich hauptsächlich Landschaft und Architektur auch von erhöhten, aber öffentlich zugänglichen Plätzen wie z. B. das Docklandgebäude im Hamburger Hafen oder die "Tanzenden Türme" an der Reeperbahn in Hamburg.

Ich plane Fotografien vom Isemarkt, einem in ganz Hamburg und wohl auch darüber hinaus bekanntem Wochenmarkt, gelegen unter einem Hochbahnviadukt anzufertigen. Der Platz ist öffentlich. Neben den Marktständen mit ihren Auslagen und der Beleuchtung spielen natürlich auch die Marktbesucher zur Darstellung der Atmosphäre eine erhebliche Rolle. Wegen des schnell wechselnden Publikums ist es nicht praktizierbar Fotoerlaubnisse einzuholen. Es liegt keinenfalls in meinen Bestrebungen, Beteiligte negativ, oder herabwürdigend darzustellen. Ich möchte schöne, sehenswerte Fotografien erstellen.

Was muss ich unter den eingangs dargestellten Aspekten bei meine Planung beachten? Muss ich mich z.B. mit der Marktaufsicht in Verbindung setzen?

Sind Panoramen von erhöhten Plätzen wie beschrieben, zulässig?

Über eine fachlich fundierte Antwort würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Dieter

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Es gibt kein Recht am Bild der eigenen Sache, weshalb Sie vom öffentlich zugänglichen Raum einschließlich erhöhter Plätze grundsätzlich auch den Marktplatz ohne Einwilligung fotografieren können. Dies betrifft zumindest die Marktstände.

Bei den Besuchern sind allerdings deren Rechte am eigenen Bild zu beachten. Nach derzeitiger Rechtslage ist dies noch unproblematisch, wenn die einzelne Personen nicht erkennbar im Mittelpunkt steht, sondern quasi als Beiwerk mit abgebildet wird. Dann ist das Foto auch ohne explizite Einwilligung der Person verwertbar, da die Ausnahme des § 23 Absatz 1 Kunsturhebergesetz greift.

Allerdings tritt in zwei Wochen die Datenschutz-Grundverordnung in Kraft. Fotografieren, Speichern, Vermarkten und Veröffentlichen von Fotos mit Personen stellen nach derzeitigem Rechtsstand zukünftig eine dem Datenschutzrecht unterliegende Verarbeitung personenbezogener Daten dar.
Dies bedeutet, dass Sie grundsätzlich die datenschutzrechtliche Einwilligung jeder erkennbar abgebildeten Person benötigen - und zwar vor dem Fotografieren! Diese Einwilligung umfasst u.a. die Belehrung über das Widerrufsrecht (eine der größten Problematiken, da die datenschutzrechtliche Einwilligung jederzeit widerrufen werden kann) und die Erfüllung der Informationspflichten gemäß § 13 Datenschutz-Grundverordnung.

Dies ist in der Praxis in Fällen wie dem Ihren kaum realistisch umsetzbar. Es bleibt zu hoffen, dass der Gesetzgeber oder die Rechtsprechung hier noch nachbessert. Meines Erachtens lässt sich zwar auch argumentieren, dass die Ausnahmeregelung des § 23 Abs. 1 Nr. 1 – 4. Kunsturhebergesetz (wonach z.B. Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen, ohne Einwilligung verbreitet und zur Schau gestellt werden dürfen) als berechtigte Interessen in Betracht kommen und damit auch eine explizite datenschutzrechtliche Einwilligung überflüssig machen. Ob sich diese Ansicht aber tatsächlich durchsetzt, ist schwer absehbar. Daher sollte versucht werden, die erkennbare Abbildung von Personen vorerst zu vermeiden oder aber eine explizite Einwilligung einzuholen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


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Bewertung des Fragestellers 11.05.2018 | 10:33


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"Vielen Dank für die ausführlichen und verständlichen Ausführungen auch wenn das Ergebniss dazu führt, dass das Fotografieren in der Öffentlichkeit wohl praktisch unmöglich werden wird, wenn sich Menschen in der Scene befinden. Hier befürchte ich berufliche Einschnitte in der Bildberichtserstattung und der künstlerischen Freiheit vieler Fotografen.

Mit freundlichen Grüßen"