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Mangelhafte Handwerkerleistung - Wie müssen wir hier vorgehen?

21.03.2013 22:02 |
Preis: ***,00 € |

Baurecht, Architektenrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Thomas Bohle


Wir haben letztes Jahr ein Haus gekauft und dieses renovieren lassen. In alle drei Stockwerke sollte Parkett gelegt werden. Dafür haben wir von einem Handwerker ein Angebot bekommen für das Verlegen, das Material wollten wir selber einkaufen.

Zunächst hat er im Erdgeschoss einige schadhafte Bereiche mit Betonestrich ausgegossen und dann massive Holzdielen verlegt, wir haben die Rechnung dazu überwiesen.

Dann wurde im ersten und zweiten OG verlegt, geschliffen und lackiert. Hier war das Ergebnis katastrophal, Rillen im Holz, fleckiger Lackauftrag, einlackierter Sand und Fussabdrücke. Daraufhin wurden vom Handwerker beide Stockwerke noch einmal geschliffen, das Ergebnis war gut. Die Rechnung hierzu haben wir noch nicht bezahlt.

Wenige Tage nachdem wir eingezogen sind und den Boden im Erdgeschoss erstmals betreten haben, haben wir festgestellt, dass die Dielen uneben sind und sich in mehreren Bereichen nach oben biegen ("schüsseln"). Unser Ansprechpartner beim Parketthändler kam zu uns nach Hause und folgende Mängel festgestellt:

- Der Boden ist uneben, weil er vor dem Verlegen nicht mit Ausgleichsmasse geglättet wurde. Wir hatten den Handwerker mehrfach darauf angesprochen, der aber meinte, er könne die Unebenheiten durch Kleber ausgleichen. Was ihm offensichtlich nicht gelungen ist.

- Die Dielen biegen sich auf, weil der zum Ausbessern schadhafter Bereiche eingesetzte Betonestrich nicht ausreichend trocknen konnte, bevor die Dielen verlegt wurden. Man rechnet pro cm Betonestrich etwa eine Woche, bei einer Schichtstärke von 6cm (bei uns der Fall) käme man also auf sechs Wochen. Tatsächlich konnte der Estrich nur einige Tage (nach unserer Erinnerung drei, nach Aussage des Handwerkers sechs) trocknen, die verbliebene Feuchtigkeit lässt nun das Holz aufquellen. Ein Prozess, der sich über Monate erstrecken kann und irreversibel ist.

Wir haben den Handwerker zur Rede gestellt, der aber behauptet hat, wir hätten wohl Blumenwasser vergossen. Er hat uns angeboten, den Boden noch einmal zu schleifen, was aber inakzeptabel ist (siehe unten die Gründe). Zu weiteren Angeboten war er nicht bereit. Wir haben von ihm aber noch zwei Rechnungen für die oberen Etagen offen, diese betragen netto ca. 2000 Euro.

Der Parketthändler hat folgenden Schaden beziffert:

- vorhandenes Parkett entfernen, entsorgen. Boden ausgleichen, trocknen lassen, neu verlegen. 30qm à 75 Euro = 2250 Euro
- 30 qm Massivdiele à 60 Euro = 1800 Euro
- Gesamt ca. 4000 Euro

Unsere Fragen:

- können wir die Bezahlung der noch offenen Rechnungen zunächst zurückhalten, als Sicherheitsleistung? Wie müssen wir hier vorgehen?
- wie müssen wir insgesamt weiter vorgehen? Wir wollen den Schaden so schnell wie möglich beheben lassen. Gleichzeitig wollen wir sicherstellen, dass wir keine Ansprüche gegenüber dem Handwerker verloren gehen.

Vielen Dank im Voraus!

Anhang
Warum Schleifen inakzeptabel ist: behebt nicht das Problem, denn der Boden bleibt feucht und wird das Holz weiter aufquellen lassen. Schleifen müsste bei einer Verschlüsselung von teilweise 3 mm mindestens 4 mm Holz abtragen, das entspricht 4-6 regulären Abschliffen. Das wäre nicht nur ein erheblicher Wertverlust, an einigen Stellen wäre kaum noch Substanz bis zur Nut /Feder. Und unsere Diele hat eine Fase (leicht abgeschrägte Kanten), die ebenfalls verloren ginge


Sehr geehrter Ratsuchender,


entscheidend ist zunächst die genaue vertragliche Vereinbarung, die es zu prüfen gilt.


Ist keine Besonderheit vereinbart, ist es als ein einheitlicher Werkvertrag zu werten und die Zahlung ist erst bei Erstellung eines mangelfreien Werkes fällig.


Insoweit können Sie also - vorbehaltlich der genaueren Prüfung der vertraglichen Situation - den Betrag zurückhalten.

Das sollten Sie schriftlich ebenso wie die Mangelauflistung verbunden mit der Herrstellung eines mangelfreien Werkes unter Fristsetzung von drei Wochen mitteilen.


Das Abschleifen wird hier in der Tat nicht helfen, wenn die Restfeuchte vorhanden ist, wobei dann sogar die Gefahr von Rissbildungen und Totalverlust aufgrund der Materialabnahme verstärkt wird. Bei Restfeuchte ist das Abschleifen eher der Ausdruck laienhafter Hilflosigkeit.

Diese Restfeuchte muss aber vom Handwerker vor Verlegung des Parketts auf jeden Fall gemessen werden, was offenbar unterblieben ist. Ohne Messung nur auf den Zeitfaktor abzustellen, entspricht nicht den Regeln der Technik.


Da aber der Handwerker genau diesen Mangel bestreitet, Sie beweispflichtig sind, sollten zeitnah die Beweise gerichtsverwertbar gesichert werden, was mittes eines sogenannten selbständige Beweisverfahren erfolgen sollte.

Über das Gericht wird dabei ein Gutachter bestellt, der dann nach Antragstellung Mangel, Ursache und Beseitigungsmaßnahmen mit Kostenaufwand feststellt, wobei diese Feststellungen dann auch in einem Gerichtsverfahren verwertbar sind.


Nach Ihrer Sachverhaltsschilderung wird ein solches selbständige Beweisverfahren notwendig werden, wobei ich dringend dazu rate, einen Rechtsanwalt auch dafür einzuschalten, der dann auch die berechtigten Ansprüche gegen den Handwerker durchsetzen kann.



Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwalt
Thomas Bohle
Damm 2
26135 Oldenburg

Tel: 0441 / 26 7 26
Fax: 0441 / 26 8 92
mail: ra-bohle@rechtsanwalt-bohle.de
http://www.rechtsanwalt-bohle.de/index.php?tarcont=content/e-mail.inc.php


Nachfrage vom Fragesteller 21.03.2013 | 23:14

Vielen Dank für Ihre Antwort.

Sie schreiben "Über das Gericht wird dabei ein Gutachter bestellt ...". Wie ist hier die genaue Vorgehensweise? Welches Gericht ist zuständig? Ist ein gerichtsbestellter Gutachter Voraussetzung, oder kann ich auch z.B. einen Innungs-Sachverständigen selber beauftragen?


Sie schreiben "Insoweit können Sie also - vorbehaltlich der genaueren Prüfung der vertraglichen Situation - den Betrag zurückhalten.". Ist es denn problematisch, dass die zurückzuhaltenden Rechnungen zwar dem gleichen Handwerker, aber nicht dem strittigen Dielenboden im Erdgeschoss zuzuordnen sind, sondern den Dielenböden im 1. und 2. OG?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 22.03.2013 | 06:54

Sehr geehrter Ratsuchender,



es wird ein Antrag auf selbständiges Beweisverfahren gestellt, in dem die Mängel benannt und festgestellt werden sollen, ebenso die Verantwortlichkeit des Handwerkers, sowie die vermutlichen Kosten zur Mangelbeseitigung.

Das Gericht bestellt dann über die IHK einen Gutachter, der ein Gutachten fertigt, was dann voll verwertbar ist.

Beauftragen Sie selbst einen Gutachter, ist es eben kein gerichtlich angeordnetes Gutachten, sondern ein Privatgutachten. So ein Gutachten ist in einem möglichen Prozess nicht ohne weiteres verwertbar, sondern wird als reines Parteivorbringen behandelt. Der Handwerker könnte dessen Richtigkeit schlicht bestreiten (was er sicherlich machen wird) und schon wird das Gericht in der Regel einen anderen Gutachter bestellen. Doppelte Gutachterkosten und Zeitverlust - denn insoweit sollten Sie den mangelhaften Zustand nicht verändern, um eine erneute Begutachtung zu ermöglichen.

Zuständig ist das Gericht, bei dem auch ein mögliches Hauptverfahren durchzuführen wäre, was in Ihrem Fall vom Streitwert abhängen wird.

Liegen die vermutlichen Beseitigungskosten über 5.000 Eur = Landgericht; liegen die Kosten darunter = Amtsgericht.



Ansich wäre es nicht problematisch, wo genau der Schaden vorliegt und wo genau der Restbetrag aussteht.

Sollten es aber tatsächlich getrennte Verträge und ein wirksames Aufrechnungsverbot vereinbart worden sein, könnte es dann in der Tat problematisch werden.


Da Sie für das selbständige Beweisverfahren sowieso einen Rechtsanwalt beauftragen sollten, sollte dieser auch die Vertragssituation prüfen.




Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwalt
Thomas Bohle
Damm 2
26135 Oldenburg

Tel: 0441 / 26 7 26
Fax: 0441 / 26 8 92
mail: ra-bohle@rechtsanwalt-bohle.de
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