Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Makler vermarktet Immobilie ohne Auftrag; Provision fällig?

06.02.2019 11:41 |
Preis: 53,00 € |

Hauskauf, Immobilien, Grundstücke


Beantwortet von

Rechtsanwalt Lars Liedtke


Zusammenfassung: Der Provisionsanspruch eines Maklers setzt nicht voraus, dass der Makler einen Auftrag vom Verkäufer erhalten hat. Für einen Verbraucher kann ein Maklervertrag, der im Wege des Fernabsatzes erfolgt ist, einem Verbraucherwiderrufsrecht unterliegen.

Eine Gemeinde verkauft ein Grundstück und bietet dieses auf ihrer Gemeindewebseite an. Ein Makler wird zur Vermarktung explizit nicht hinzugezogen (so die Auskunft der Gemeinde). Ein Makler wird auf das Verkaufsangebot der Gemeinde aufmerksam und bietet das Grundstück mit Beschreibung und Hinweis auf eine fällige Maklerprovision auf einem Internet-Kleinanzeigenportal an, ohne dass die Gemeinde hiervon weiß. Interessent Müller entdeckt die Anzeige im Kleinanzeigenportal, kontatkiert daraufhin den Makler und erfährt von diesem die Lage des Grundstücks. Während des Telefonats fragt der Makler den Müller, ob er wissen dürfe, wo dieser zur Zeit wohne. Müller erteilt Auskunft, erfährt jedoch bei dem Telefonat weder, dass er eventuell hiermit einen Maklervertrag abschließt noch dass das Grundstück von der Gemeinde verkauft wird - es bleibt bei diesem einzigen Kontakt mit dem Makler. Am gleichen Tag entdeckt die Lebensgefährtin des Müller (keine eingetragene Lebensgemeinschaft) auf der Internetseite der Gemeinde deren Grundstücksangebot und kontaktiert diese. Im Verlauf dieses Telefonats erhält sie umfangreiche Informationen zu Art und Lage des Grundstücks. Sie und ihr Lebensgefährte wickeln in der Folge alles über die Gemeinde ab. Die beiden kaufen schließlich das Grundstück direkt von der Gemeinde - sie treten beide zu gleichen Teilen als Käufer auf.
Der Makler erfährt von dem Verkauf des Grundstücks an Müller und dessen Freundin und fordert nun von Müller die Maklergebühr, da er angeblich das Grundstück an ihn vermittelt habe. Frage: Ist er dazu berechtigt?

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Ein Provisionsanspruch des Maklers entsteht, wenn der Provisionspflichtige, also in Ihrem Fall der Interessent Müller, mit dem Makler einen Maklervertrag schließt, der Makler eine Maklerleistung erbringt, am Ende der Kaufvertrag zustandekommt und die Maklerleistung hierfür auch zumindest mitursächlich geworden ist.

Ein Maklervertrag muss nicht schriftlich geschlossen werden sondern kann auch - ähnlich wie ein Brötchenkauf - mündlich oder durch schlüssiges Verhalten erfolgen. Dadurch, dass Müller Kontakt zum Makler aufgenommen und diesen um Auskunft über Lage oder Identität des Verkäufers gebeten hat und der Makler diese Auskünfte erteilt hat, ist ein Maklervertrag zustande gekommen. Die entsprechenden Auskünfte stellen zudem bereits die Maklerleistung dar, welche zumindest mitursächlich für den Vertragsschluss geworden ist. Dass die Lebensgefährtin zeitgleich auf das Objekt aufmerksam geworden ist, lässt die Mitursächlichkeit nicht entfallen. Anders wäre dies nur bei einer Vorkenntnis des Vertragspartners selbst. Nur wenn der Interessent Müller bei Erteilung der Auskünfte schon Lage des Grundstücks und/oder die Identität des Verkäufers gekannt hätte, würde dies der Provision entgegenstehen.

Nach alledem dürfte ein Provisionsanspruch des Maklers entstanden sein. Insbesondere kommt es nicht darauf an, ob der Verkäufer seinerseits den Makler beauftragt hatte oder auch nur von dessen Tätigkeit wusste.

ABER: Sollten der Interessent Müller und seine Lebensgefährtin Verbraucher sein, stellt sich die rein telefonische Maklerbeauftragung als ein außerhalb von Geschäftsräumen geschlossener Vertrag bzw. als ein Fernabsatzvertrag dar, so dass der Interessent Müller hinsichtlich des Maklervertrags ein Verbraucherwiderrufsrecht ausüben kann. Sollte er vom Makler nicht ordnungsgemöß über das Bestehen seines Widerrufsrechts belehrt worden sein, beträgt die Widerrufsfrist 1 Jahr und 14 Tage ab Abschluss des Maklervertrags.

Sollte diese Frist noch nicht verstrichen sein, empfehle ich dem Müller dringend, die Maklerprovision nicht zu zahlen, sondern die Beauftragung des Makler gegenüber diesem zu widerrufen. Der Widerruf muss in Textform erfolgen. Aufgrund von etwaigen Beweisschwierigkeiten rate ich von einem Widerruf per Email aber ab und empfehle einen Widerruf per Fax oder Einwurfeinschreiben. Die Widerrufserklärung sollte eindeutig zum Ausdruck bringen, dass es sich um einen solchen Verbraucherwiderruf handelt und welches konkrete Rechtsgeschäft widerrufen werden soll.

Sollte der Interessent Müller im weiteren Verlauf einen Rechtsanwalt beauftragen wollen/müssen, kann er sich gern an mich wenden.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 06.02.2019 | 13:31

Zunächst vielen Dank für Ihre Antwort.
Verständnisfrage zu: "Sollte er vom Makler nicht ordnungsgemöß über das Bestehen seines Widerrufsrechts belehrt worden sein, beträgt die Widerrufsfrist 1 Jahr und 14 Tage ab Abschluss des Maklervertrags."
Das Telefonat zwischen Müller und Makler liegt zwischenzeitlich 2 Monate zurück; Müller wurde während des kurzen Telefonats nicht über sein Widerrufsrecht belehrt. Gilt für Müller jetzt noch quasi ein Widerrufsrecht für ca. 10 Monate oder war es 14 Tage nach Ende des Telefonats im vergangenen Jahr verwirkt, bzw. begann nach Ablauf dieser 14 Tage das für ein Jahr geltende Widerrufsrecht?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 06.02.2019 | 13:38

Sehr geehrter Fragesteller,

das BGB sieht ein 14-tägiges Widerrufsrecht vor, setzt jedoch voraus, dass der Unternehmer den Verbraucher hierüber ordnunsgegmäß in Textform belehrt (was also in einem Telefonat gar nicht wirksam erfolgen kann). Unterbleibt eine ordnungsgemäße Belehrung, verlängert sich die Frist um 1 Jahr.

Das heißt also, dass das Widerrufsrecht noch ca. 10 Monate lang ausgeübt werden könnte. Etwas anders gilt nur, wenn der Makler die ordnunsgemäße Widerrufsbelehrung nachholen würde, dann würde die 14-tägige Frist ab Erhalt der Belehrung laufen.

Mit freundlichen Grüßen

Lars Liedtke
Rechtsanwalt

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 69593 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Ich bin sehr zufrieden mit der Beratung. Die Antworten kamen sehr zügig und waren sehr verständlich. Es wurde sehr gut auf die Fragen eingegangen. Ich kann Herrn Schröter basierend auf meiner Erfahrung uneingeschränkt weiterempfehlen. ... ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen Dank für die Beratung ...
FRAGESTELLER
4,8/5,0
Ich habe eine schnelle, hilfreiche Antwort erhalten. Vielen Dank dafür ...
FRAGESTELLER