Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Mäusebefall in gewerbl. gemieteten Haus???

| 26.10.2010 12:55 |
Preis: ***,00 € |

Mietrecht, Wohnungseigentum


Beantwortet von


14:39
Sehr geehrte Damen und Herren,

folgender Sachverhalt:
Wir haben ein Haus mit großen Grundstück mitten auf dem Land gemietet. Wir nutzen das Haus nicht nur für gewerbl. Zwecke sondern wohnen auch darin. Dies ist im Mietvertrag so vereinbart.

Nun wohnen wir schon 2 Jahre hier und hatten immer mal Probleme mit Mäusen im Haus, welche wir jedoch durch auslegen von Ködern immer selbst in den Griff bekamen.

In diesem Jahr jedoch bringen die ausgelegten Köder nicht den gewünschten Erfolg, trotz Verwendung verschiedener Köder.
Es dringen immer mehr Mäuse ins Haus ein. Hauptsächlich in die Kinderzimmer im oberen Geschoß. Auch haben wir seit mehreren Tagen enorme Kratzgeräusche in den Wänden, was zu Beeinträchtigungen des Schlafes führt, ja dieses teilweise unmöglich macht.
Den Vermieter haben wir darüber bislang noch nicht in Kenntnis gesetzt, da wir das Problem bislang selber lösen konnten.
Nun möchte ich, bevor wir den Vermieter kontaktieren, die rechtlichen Verhältnisse in Kenntnis bringen und habe folgende Fragen hierzu:
1. Ist der Vermieter generell dazu verpflichtet sich des Mäuseproblems anzunehmen, bzw. einen Schädlingsbekämpfer damit zu beauftragen?
2. Spielt es dabei eine Rolle, das wir mitten auf dem Land leben und so etwas evtl. hinnehmen müssen?
3. Inwieweit spielt es hierbei eine Rolle, das wir das Haus auch gewerblich nutzen?

Nur zur Info: Wir nutzen die Räume nicht für den Handel/Verkauf von Lebensmittel oder ähnlicher verderblicher Ware.

Im voraus vielen Dank für Ihre Antwort!
26.10.2010 | 13:58

Antwort

von


(1951)
Brandsweg 20
26131 Oldenburg
Tel: 0441-7779786
Web: http://www.jan-wilking.de
E-Mail:
Diesen Anwalt zum Festpreis auswählen Zum Festpreis auswählen

Sehr geehrte Ratsuchende,

gerne beantworte ich Ihre Anfrage unter Berücksichtigung Ihrer Sachverhaltsschilderung und Ihres Einsatzes wie folgt:

Das einmalige Auftreten einer Hausmaus hat auch der städtische Mieter als unvermeidliche einmalige Begleiterscheinung des Alltags hinzunehmen. Bei erheblichem Befall ohne vorangegangenes Anlocken ist der Mieter dagegen zumindest in einer Stadtwohnung zur fristlosen Kündigung des Mietvertrags berechtigt; die Miete ist bis zu 100% gemindert. AG Brandenburg, Urteil vom 6. August 2001, Az: <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=32%20C%20520/00" target="_blank" class="djo_link" title="AG Brandenburg, 06.08.2001 - 32 C 520/00: Auslegung des Fehlerbegriffs in § 537 Abs. 1 BGB bei ...">32 C 520/00</a> . Befallen Mäuse die Wohnung, kann der Mieter wegen Gesundheitsgefährdung zur fristlosen Kündigung nach BGB § 569 berechtigt sein. AG Tiergarten, Urteil vom 30. Januar 1997, Az: <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=6%20C%20177/96" target="_blank" class="djo_link" title="AG Berlin-Tiergarten, 30.01.1997 - 6 C 177/96: Rechte des Mieters bei Befall der Wohnung mit Mä...">6 C 177/96</a> .

Eine Mäuseplage in einer Mietwohnung stellt auch auf dem Land einen Mangel der Mietsache iS von § 536 Abs 1 BGB dar. Dies gilt auch dann, wenn weder dem Vermieter noch dem Mieter eine Ursache des Ungezieferbefalls vorzuwerfen ist oder die Ursache nicht aufklärbar ist, AG Bremen, Urteil vom 6. Dezember 2001, Az: <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=25%20C%200118/01" target="_blank" class="djo_link" title="AG Bremen, 06.12.2001 - 25 C 118/01: Mietminderung bei erheblichem Mottenbefall in der Wohnung">25 C 0118/01</a> .
Der Mieter ist verpflichtet, dem Vermieter den Befall anzuzeigen, gleichzeitig ist ihm unter Setzung einer angemessenen Frist die Gelegenheit zu geben, eine Schädlingsbekämpfung durchführen zu lassen. Der Vermieter kann die Kosten einer Ungezieferbekämpfung vom Mieter nur dann fordern, wenn er darlegt und beweist, dass der Mieter allein den Ungezieferbefall verursacht hat.
Ab dem Zeitpunkt der Anzeige beim Vermieter ist der Mieter zudem zur Minderung der Mietzahlungen berechtigt. Die Höhe der Minderung bemisst das Gericht in einem vergleichbaren Fall auf 10%. Eine höhere Mietminderung kam nicht in Betracht, da das Mietobjekt auf dem Lande liegt und nach den Angaben der Zeugin in der Nachbarschaft eine Schweinezucht betrieben wird und auch Rinder gehalten werden. Das Vorkommen von Mäusen auf dem Lande, insbesondere, wenn in der Nähe des Objektes Tierhaltung betrieben wird, ist anders als in einer Stadtwohnung nicht vermeidbar. (15 gefangene Mäuse an einem Tag), AG Rendsburg, Urteil vom 4. März 1988, Az: <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=3%20C%20551/87" target="_blank" class="djo_link" title="AG Rendsburg, 11.03.1988 - 3 C 551/87: Zurückbehaltung der Nebenkostenvorschüsse bei Abrechnung...">3 C 551/87</a> .

Dass Sie das Objekt auch gewerblich nutzen, kann nur insoweit eine Rolle spielen, als dass aufgrund der weitergehenden Vertragsfreiheit im Gewerberaummietrecht möglicherweise die Schädlingsbekämpfung auf Sie als Mieter übertragen werden konnte. Eine solche Klausel wäre in einem reinen Wohnraummietvertrag grundsätzlich nicht zulässig, und auch bei einem kombinierten Vertrag wie dem Ihrigen dürfte eine entsprechende Klausel (soweit sie denn überhaupt existiert) zumindest bei Befall des als Wohnraum genutzten Bereichs nicht zulässig sein. Wenn mit dem von Ihnen ausgeübten Gewerbe aber eine besondere Anlockung von Mäusen verbunden sein sollte (Tierhaltung, Lagerung von Nahrungsmitteln) und dies von dem vermieter bei vermietunh nicht vorhersehbar war, müsste dies evt. bei einer Kostenverteilung im Rahmen der Schädlingsbekämpfung berücksichtigt werden.

Dies aber nur zu Ihrer weiteren Information. Da Ihr Sachverhalt für eine derartige Einschränkung keine Anhaltspunkte gibt, können Sie also Ihren Vermieter unter angemessener Fristsetzung zur Schädlingsbekämpfung auffordern und ab dem Zeitpunkt der Anzeige bis zur Beseitigung des Mangels die Miete mindern, wobei vorbehaltlich weiterer Umstände zumindest 10% angemessen sein dürften,


Ich hoffe, Ihnen eine erste hilfreiche Orientierung ermöglicht zu haben. Bei Unklarheiten benutzen Sie bitte die kostenfreie Nachfragefunktion.

Bedenken Sie bitte, dass ich Ihnen hier im Rahmen einer Erstberatung ohne Kenntnis aller Umstände keinen abschließenden Rat geben kann. Sofern Sie eine abschließende Beurteilung des Sachverhaltes wünschen, empfehle ich, einen Rechtsanwalt zu kontaktieren und die Sachlage mit diesem bei Einsicht in sämtliche Unterlagen konkret zu erörtern.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Jan Wilking

Rückfrage vom Fragesteller 26.10.2010 | 14:16

Vielen Dank erstmal für Ihre ausführliche Antworten!

Wir haben zwar um unser Grundstück herum ausschließlich landwirtschaftliche Äcker aber weit und breit keine Tierhaltung in der Nähe.
Auch wir selbst haben zwar 2 Hunde im Haus aber gewerbl. keinerlei Lagerung von Lebensmittel.

Kommt hier notfalls eine höhere Mietminderung in Betracht?

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 26.10.2010 | 14:39

Vielen Dank für Ihre Nachfrage!

Bei der Höhe der zulässigen Minderung entscheiden die Gerichte höchst einzelfallbezogen, so dass eine Einschätzung der angemessenen Mietminderung ohne Kenntnis aller Details sehr schwer einzuschätzen ist. Insbesondere kommt es auf das Ausmaß der Gebrauchsbeeinträchtigung und den für die Minderung anzusetzenden Teil der Miete an.
Allerdings begründet eine überhöhte Mietminderung grundsätzlich keinen Zahlungsverzug, wenn der Mieter nicht böswillig oder leichtfertig die Mietminderungsquote fehlerhaft eingeschätzt hat. Daher wäre unter Betrachtung des Urteils des AG Rendsburg und der gerichtlich zugestandenen Minderungswuoten bei Stadtwohnungen möglicherweise auch eine etwas höhere Minderung möglich. Es ist aber wie gesagt schwer einzuschätzen, ob im Streitfall ein Gericht eine höhere Minderungsqoute als angemessen ansehen würde.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen

Bewertung des Fragestellers 27.10.2010 | 08:25

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Sehr ausführliche und kompetente Antwort!"
Mehr Bewertungen von Rechtsanwalt Jan Wilking »
BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 27.10.2010
5/5,0

Sehr ausführliche und kompetente Antwort!


ANTWORT VON

(1951)

Brandsweg 20
26131 Oldenburg
Tel: 0441-7779786
Web: http://www.jan-wilking.de
E-Mail:
RECHTSGEBIETE
Internet und Computerrecht, Vertragsrecht, Kaufrecht, Urheberrecht, Arbeitsrecht, Wettbewerbsrecht, Medienrecht, Miet und Pachtrecht