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Limited in Südkorea, Projektarbeit in DE

21.02.2013 18:02 |
Preis: ***,00 € |

Generelle Themen


Sehr geehrte Damen und Herren,

folgender Sachverhalt:
Derzeitiger Wohnsitz: Südkorea
Beschäftigungsverhältnis: Gesellschafter und Geschäftsführer einer Limited mit Sitz in Südkorea

Derzeit halte ich mich für ein Projekt in Südamerika auf. Versteuert werden meine Bezüge alle in Südkorea.
Im Juni werde ich für ein Projekt beim Kunden für den Rest des Jahres in Deutschland sein. (ggf. mehr oder weniger als 183 Tage im Kalenderjahr 2013, da genauer Starttermin noch nicht feststeht)
Ich unterhalte keine Betriebsstätte in DE, werde in den Geschäftsräumen des Kunden arbeiten.

Das DBA beinhaltet zur Definition der Betriebsstätte "Ort der Leistung". Ort der Leistung halte ich für eine wage Definition. Der Kunde ist international tätig und ich bin ausschließlich für außer-europäische Belange dort tätig und nicht für den deutschen Markt.

Derzeit, während des Aufenthalts in Südamerika, zahlt die Limited für fast alle entstandenen Kosten wie Verpflegung, Unterkunft, ... Dies ist nach koreanischem Recht abzugsfähig.

Meine Fragen:
- Inwieweit bin ich einkommenssteuerpflichtig während ich mich in Deutschland aufhalte? Wird die koreanische Steuer aufgerechnet?
- Muss die Gesellschaft ggf. eine Körperschaftssteuer in DE abführen, da der Ort der Leistung DE ist? Wenn ja, ist die koreanische Steuer anrechenbar oder erfolgt ein Split: Für in DE geleistete Tätigkeiten wird ausschließlich in DE besteuert?
- Auch für den Aufenthalt in DE wird die Limited für die Kosten für Verpflegung, Unterkunft etc. aufkommen. Ich weiß, dass es in Deutschland eine Reglung für geldwerten Vorteil gibt. Wäre das ggf. in der deutschen Einkommensteuer zu berücksichtigen, sofern ich einkommensteuerpflichtig in DE bin?

Vielen Dank!

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für die Anfrage. Vorweg möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass dieses Forum dafür gedacht ist, einen ersten Eindruck zu der Rechtslage zu vermitteln. Durch Weglassen oder Hinzufügen von wesentlichen Teilen des Sachverhalts kann es durchaus zu einer anderen rechtlichen Beurteilung kommen.

Unter Berücksichtigung des geschilderten Sachverhalts und Ihres Einsatzes möchte ich Ihre Fragen nunmehr wie folgt beantworten:

- Inwieweit bin ich einkommenssteuerpflichtig während ich mich in Deutschland aufhalte? Wird die koreanische Steuer aufgerechnet?

Nach Art. 15 Abs. 1 DBA zwischen Deutschland und der Republik Korea können Gehälter, Löhne und ähnliche Vergütungen, die eine in einem Vertragsstaat ansässige Person aus unselbständiger Arbeit bezieht, nur in diesem Staat besteuert werden, es sei denn die Arbeit wird im anderen Vertragsstaat ausgeübt. Wird die Arbeit dort ausgeübt, so können die dafür bezogenen Vergütungen im anderen Staat besteuert werden. Des weiteren bestimmt Abs. 2: "Ungeachtet des Absatzes 1 können Vergütungen, die eine in einem Vertragsstaat ansässige Person für eine im anderen Vertragsstaat ausgeübte unselbständige Arbeit bezieht, nur im erstgenannten Staat besteuert werden, wenn

a)der Empfänger sich im anderen Staat insgesamt nicht länger als 183 Tage innerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten, der während des betreffenden Steuerjahres beginnt oder endet, aufhält und

b)die Vergütungen von einem Arbeitgeber oder für einen Arbeitgeber gezahlt werden, der nicht im anderen Staat ansässig ist, und

c)die Vergütungen nicht von einer Betriebsstätte oder einer festen Einrichtung getragen werden, die der Arbeitgeber im anderen Staat hat.

Ob Ihre Bezüge in Deutschland einkommensteurepflichtig sind, hängt demnach davon ab, ob Sie sich nun mehr oder weniger als 183 Tage in Deutschland aufhalten. Wenn Sie mehr als 183 Tage in Deutschland sind, unterliegen Ihre Einkünfte der deutschen Einkommenssteuer.

Die Einkünfte aus Korea werden dann zwar von der Bemessungsgrundlage der deutschen Steuer ausgenommen. Sie werden jedoch bei der Progression, also der Feststellung des Steuersatzes berücksichtigt (sog. Progressionsvorbehalt). Der Steuersatz wird demnach anhand des zusammengerechneten deutschen und koreanischen Einkommens festgestellt, es wird dann mit diesem Steuersatz aber nur das deutsche Einkommen besteuert.


- Muss die Gesellschaft ggf. eine Körperschaftssteuer in DE abführen, da der Ort der Leistung DE ist? Wenn ja, ist die koreanische Steuer anrechenbar oder erfolgt ein Split: Für in DE geleistete Tätigkeiten wird ausschließlich in DE besteuert?

Da Sie in Deutschland keine Betriebsstätte unterhalten werden, liegt ein sog. Direktgeschäft vor, also ein gewerblicher Leistungsaustausch über die Grenze ohne festen Stützpunkt in Deutschland. In Deutschland entsteht somit keine dauerhafte Inlandsbasis, von der aus Geschäfte abgewickelt werden. Vielmehr liegt ein unmittelbares Geschäft des ausländischen Unternehmers zum inländischen Abnehmer vor.

Ein Besteuerungsrecht Deutschlands ist bei diesen Geschäften nur dann gegeben, wenn sich der Inlandsbezug durch bestimmte sachliche Anknüpfungsmerkmale manifestiert hat. Existiert aber mit dem Heimatstaat des Unternehmers ein Doppelbesteuerungsabkommen, dann gelten die darin enthaltenen Regelungen vorrangig.

Nach Art. 5 Abs. 1 des DBA bedeutet der Ausdruck Betriebsstätte eine feste Geschäftseinrichtung, durch die die Tätigkeit eines Unternehmens ganz oder teilweise ausgeübt wird. Nach Abs. 2 umfasst der Ausdruck Betriebsstätte insbesondere einen Ort der Leitung, eine Zweigniederlassung, eine Geschäftsstelle, eine Fabrikationsstätte, eine Werkstätte u.a.

Interessant ist in Ihrem Falle aber besonders Art. 5 Abs. 6 des DBA. Dieser lautet: "Ist eine Person - mit Ausnahme eines unabhängigen Vertreters im Sinne des Absatzes 6 - für ein Unternehmen tätig und besitzt sie in einem Vertragsstaat die Vollmacht, im Namen des Unternehmens Verträge abzuschließen, und übt sie die Vollmacht dort gewöhnlich aus, so wird das Unternehmen ungeachtet der Absätze 1 und 2 so behandelt, als habe es in diesem Staat für alle von der Person für das Unternehmen ausgeübten Tätigkeiten eine Betriebsstätte, es sei denn, diese Tätigkeiten beschränken sich auf die in Absatz 4 genannten Tätigkeiten, die, würden Sie durch eine feste Geschäftseinrichtung ausgeübt, diese Einrichtung nach dem genannten Absatz nicht zu einer Betriebsstätte machen."

Nach Ihrer Schilderung gehe ich davon aus, dass Sie lediglich ein Projekt ausführen und keine weiteren Verträge für das Unternehmen abschließen. Die Limited hätte also nach dieser Definition eine Betriebsstätte nur in Südkorea und nicht in Deutschland.

Nach Art. 7 des DBA zwischen Deutschland und der Republik Korea können Gewinne eines Unternehmens eines Vertragsstaates nur in diesem Staat besteuuert werden, sofern das Unternehmen seine Tätigkeit im anderen Vertragsstaat nicht durch eine dort gelegene Betriebsstätte ausübt.

Die Limited selbst muss somit keine Steuern in Deutschland zahlen, auch keine Körperschaftsstuer.


- Auch für den Aufenthalt in DE wird die Limited für die Kosten für Verpflegung, Unterkunft etc. aufkommen. Ich weiß, dass es in Deutschland eine Reglung für geldwerten Vorteil gibt. Wäre das ggf. in der deutschen Einkommensteuer zu berücksichtigen, sofern ich einkommensteuerpflichtig in DE bin?

Bei der Übernahme der Kosten für Verpflegung und Unterkunft handelt es sich um sog. geldwerte Vorteile. Denn nach § 8 EStG: Einnahmen sind Einnahmen alle Güter, die in Geld oder Geldeswert bestehen und dem Steuerpflichtigen im Rahmen einer der Einkunftsarten des § 2 Absatz 1 Satz 1 Nummer 4 bis 7 zufließen. Mit geldwerter Vorteil wird der Geldbetrag bezeichnet, den der Arbeitnehmer ausgeben müsste oder zusätzlich ausgeben müsste, wenn er sich die Sache oder die Dienstleistung nach dem üblichen Endpreis am Abgabeort selbst beschaffen würde. Einnahmen, die nicht in Geld bestehen (Wohnung, Kost, Waren, Dienstleistungen und sonstige Sachbezüge), sind daher nach § 8 EStG: Einnahmen mit den um übliche Preisnachlässe geminderten üblichen Endpreisen am Abgabeort anzusetzen. Dieser Geldbetrag ist also in der Regel als steuerpflichtiger Arbeitslohn anzusetzen. Sie müssten sich daher die freie Unterkunft und Verpflegung als weiteres Einkommen zurechnen lassen und, sofern Sie in Deutschland steuerpflichtig sind, versteuern.


Ich hoffe, Ihnen mit meiner Antwort weitergeholfen zu haben. Sollte Ihnen noch etwas unklar sein, dürfen Sie gerne die Nachfragemöglichkeit nutzen. Wenn Sie zufrieden sind, würde ich mich über eine positive Bewertung freuen.

Mit freundlichen Grüßen
Yvonne Bellmann
Rechtsanwältin

Rückfrage vom Fragesteller 21.02.2013 | 22:26

Liebe Frau Bellmann,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort.
Das war sehr Aufschlussreich.

Eine kurze Nachfrage, um sicher zu gehen, dass ich Ihre Ausführungen korrekt verstanden habe.

"Die Einkünfte aus Korea werden dann zwar von der Bemessungsgrundlage der deutschen Steuer ausgenommen. Sie werden jedoch bei der Progression, also der Feststellung des Steuersatzes berücksichtigt (sog. Progressionsvorbehalt). Der Steuersatz wird demnach anhand des zusammengerechneten deutschen und koreanischen Einkommens festgestellt, es wird dann mit diesem Steuersatz aber nur das deutsche Einkommen besteuert."

Da die Limited mein Lohngehalt in Korea zahlt und aus Deutschland keinerlei weiteren Einkünfte bezogen werden, ist die eingangs genannte 183 Tage Regel nur dann von Relevanz, wenn ich auch Einkünfte in Deutschland von einem deutschen Unternehmen beziehe. Ist dies korrekt?

Dem Sachverhalt gegeben, dass ich keine Einkünfte in Deutschland beziehe, betrifft mich auch nicht die deutsche Steuerreglung zum gelwerten Vorteil, auch wenn die geldwerten Vorteile zum Zwecke des Aufenthalts in Deutschland dienen. Habe ich das so richtig verstanden?

Vielen Dank für die Erläuterungen.

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 21.02.2013 | 23:00

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Nachfrage. Ich habe mich nicht deutlich ausgedrückt. Ich meinte, dass dann nur das Einkommen besteuert wird, dass Sie in der Zeit, in der Sie in Deutschland tätig sind, erzielen. Wenn Sie also länger als 183 Tage in 12 Monaten in Deutschland tätig sind, dann sind Sie in Deutschland steuerpflichtig, weil Sie dann als in Deutschland ansässig gelten. Unerheblich ist, dass Ihr Gehalt von einem koreanischen Unternehmen gezahlt wird. Es gilt das sog. Welteinkommensprinzip.

Ich hoffe, ich konnte das Missverständnis ausräumen und verbleibe

mit freundlichen Grüßen
Yvonne Bellmann
Rechtsanwältin

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