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Leibliche Mutter verstorben, jetzt gehört alles dem Stiefvater


30.04.2018 10:39 |
Preis: 52,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Zusammenfassung: Adoption und Erbteil beziehungsweise Pflichtteil; Gütergemeinschaft und Erbe


Meine Mutter lebte in Gütergemeinschaft mit meinem Stiefvater. Da alle zugewonnen Güter (z.B. Immobilie Verkehrswert ca 3 Mio €) auf meinen Stiefvater geschrieben (Grundbuchamt) sind, ging mit dem Tod der Mutter alles auf ihren Ehemann über. Für ihre Kinder gab es nichts zu erben. Wenn der Stiefvater stirbt erben meine 2 Halbgeschwister. Bin ich vom Erbe ausgeschlossen, da ich mit meinem Stiefvater ja nicht verwandt bin? Kann ich den Anteil meiner Mutter am gemeinsamen Zugewinn in ihrer Ehe erstreiten? Sollen wir noch eine Adoption machen um den Freibetrag von € 500.000 für meine Person zu nutzen.
30.04.2018 | 11:21

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

1.
Es ist richtig:
Mangels Adoption und damit mangels eines Verwandtschaftsverhältnisses erben Sie nur von Ihren leiblichen Eltern, nicht jedoch von Stiefeltern beziehungsweise Stiefelternteilen wie hier.

2.
Dazu wäre eine Adoption notwendig, damit Sie von Ihrem Stiefvater erben können.

Aber:
In der Praxis hat die Erwachsenenadoption oft auch NUR erbschaftsteuerliche Gründe, die die Rechtsprechung aber nicht als alleinigen Grund akzeptieren.

Rein steuerlichen Überlegungen mit Blick auf den Erbschaftsteuerfreibetrag ist nach Ansicht der Rechtsprechung eine mangelnde sittliche Rechtfertigung gem. § 1767 Abs. 1 BGB hinsichtlich einer Adoption.

Wenn aber, wie so häufig bei Stiefkindern zudem ein Eltern-Kind-Verhältnis entstanden ist, gilt etwas anderes und die Adoption ist möglich.

3.
Den Ehevertrag Ihrer Mutter mit Ihrem Stiefvater müsste man sich näher ansehen, aber ein Zugewinnausgleich findet nur beim gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft statt, nicht wie hier, wenn es um einen Ehevertrag mit der Vereinbarung von Gütergemeinschaft geht.

Um also selbst einen Pflichtteil bzw. Erbteil zu haben (Hälfte des gesetzlichen Erbteils) zu haben, müssten Sie die Adaptionslösung wählen.

Vor dem Hintergrund der oben angesprochenen Voraussetzungen sollten Sie das durch eine gesonderte anwaltliche Beratung und Vertretung einleiten lassen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Daniel Hesterberg

Nachfrage vom Fragesteller 02.05.2018 | 07:47

Sehr geehrter Herr Hesterberg,
versehentlich habe ich etwas falsch beschrieben.
Meine Mutter lebte in einer Zugewinngemeinschaft.
Ist Ihre Antwort da auch zutreffend?
M.f.G.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 02.05.2018 | 09:21

Sehr geehrter Fragesteller,

ich antworte Ihnen gerne wie folgt:

Antwort 1. und 2. stimmen nach wie vor, 3. Antwort in Teilen:

§ 1371 BGB regelt den Zugewinnausgleich im Todesfall

"(1) Wird der Güterstand (der gesetzliche der Zugewinngemeinschaft) durch den Tod eines Ehegatten beendet, so wird der Ausgleich des Zugewinns dadurch verwirklicht, dass sich der gesetzliche Erbteil des überlebenden Ehegatten um ein Viertel der Erbschaft erhöht; hierbei ist unerheblich, ob die Ehegatten im einzelnen Falle einen Zugewinn erzielt haben."

Das können Sie bei Versterben des Stiefvaters als Erbe Ihrer Mutter geltend machen.

Der schuldrechtliche Ausgleichsanspruch ist vererblich und übertragbar (§ 1378 Abs. 3 BGB) und verjährt in drei Jahren (§ 1378 Abs. 4 BGB).

Ich hoffe, Ihnen damit gedient zu haben.

Mit freundlichen Grüßen
Daniel Hesterberg
Rechtsanwalt


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