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Leben im Ausland - Scheidung in Deutschland

10.04.2010 15:30 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Michael Vogt


Mein Mann und ich sind verheiratet seit 26 Jahren und leben seit 22 Jahren auf damaliges Drängen meines Mannes im Ausland. Es besteht ein Ehevertrag, der das frühere Grundstück und zwei Häuser meines Mannes sowie seine damalige Firma von der Zugewinngemeinschaft ausschließt. Ebenso sind auch die Erträge aus diesen Vermögenswerten bei Verkauf oder Ersatz ausgeschlossen. Meinen Beruf habe ich damals nach der Geburt zweier Kinder aufgegeben (noch vor dem Umzug), da wir beide wollten, daß ich für die Kinder da sein kann. Nach dem Umzug ins Ausland kam dann noch ein drittes Kind dazu und ich hatte keine Möglichkeit, meinen Beruf wieder aufzunehmen. Zum Einen gibt es keine öffentlichen Verkehrsmittel und es liegt bei den Eltern, Ihre Kinder zu Kindergatren, bzw später zur Schule zu bringen.
Zum Zweiten ist mein Beruf hier auch nicht gefragt. In der neuen Firma meines Mannes habe ich z.T. mitgearbeitet.
Mein Mann hat nun Grundbesitz im Ausland und vor etwa sechs Jahren ein großes Bauprojekt (Reihenhäuser) begonnen. Für die Kredite muss ich nach hiesigem Gesetz als Assistent mit unterschreiben.
2005 kam es von seiner Seite aus zur Trennung, wir haben aber noch bis Ende 2008 im selben Haus gewohnt. Danach bin ich ausgezogen in eines der von ihm gebauten Häuser, das aber auf seinen Namen eingetragen ist. Mir gehört also im Prinzip gar nichts.
Nun bekam ich von meinem Mann eine E-mail weitergeleitet, die mich darüber aufklärte, daß er in unserem früheren Wohnort, wo wir auch beide noch unter der selben Adresse einen Wohnsitz haben, die Scheidung eingereicht hat. Das Schreiben, welches beim Amtsgericht schon eingereicht wurde, beinhaltet eine Menge Unwahrheiten, so z.B., daß mein Mann überwiegend in Deutschland lebt, und ich "mittlerweile" im Ausland, daß ich dem Verfahren zustimme und wir uns über die Folgesachen schon ausfühlich besprochen und geeinigt hätten. Über seine Vermögensverhältnisse weiß ich leider nichts, aber nach seinen Angaben würde ich vermutlich leer ausgehen, was einen geregelten Unterhalt betrifft, da er aussagt, im Ausland Grundbesitz zu haben, dessen "Belastungen aber den Verkehrswert bei Weitem übersteigen" und er in Deutschland von einem Bankdarlehen leben würde.
Auch möchte der deutsche Anwalt, daß ich der Zustellung von Unterlagen an eine deutsche Adresse zustimme und schlägt dafür unsere in Deutschland lebende Tochter vor.
Ich arbeite zwar seit knapp zwei Jahren als Büroangestellte in einer Teilzeitstelle und bekomme von meinem Mann zur Zeit jeweils nach Aufforderung ein bißchen Unterhalt, aber einen Anwalt, bzw. einen Flug nach Deutschland um dort auszusagen, kann ich mir davon nicht leisten.
Die hiesigen Anwälte kennen sich mit dem deutschen Scheidungsrecht nicht aus, ich müsste sicher jemanden in Deutschland haben, der mich vertritt. Wer kommt in diesem Fall für meine Kosten auf? Auch für die eventuell erforderlichen Flüge? An unserem jetzigen Wohnort wäre eine Scheidung, zumindest für mich, wesentlich einfacher und auch billiger gewesen. Wie wären meinen Chancen nach dem neuen Gesetz, eine Unterhaltszahlung zu erreichen?

Sehr geehrte Ratsuchende,

Ihre Fragen darf ich auf der Basis des von Ihnen geschilderten Sachverhaltes und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes gerne wie folgt beantworten:

Grundsätzlich können sich Eheleute, die beide die deutsche Staatsangehörigkeit haben, auch bei gewöhnlichem Aufenthalt in einem anderen EU-Staat durch ein deutsches Gericht scheiden lassen.

Dies ergibt sich aus der EU Verordnung 2201/2003 (Brüssel IIa), die ferner besagt, dass bei konkurrierenden Scheidungsverfahren in verschiedenen EU-Ländern das zuerst angerufene Gericht vorrangig zuständig ist.

Falls Sie Ihren gewöhnlichen Aufenthalt daher in einem EU-Staat haben, wird das Scheidungsverfahren, da es hier zuerst anhängig gemacht wurde, in Deutschland durchzuführen sein.

Falls Sie sich bei diesem Verfahren anwaltlich vertreten lassen wollen, kommt zunächst die Geltendmachung eines Prozesskostenvorschusses als speziellem Unterhaltsanspruch gegenüber Ihrem Ehemann in Betracht, was allerdings auch von der Leistungsfähigkeit desselben abhängt.

Kann dieser Anspruch nicht realisiert werden, müsste für Sie Verfahrenskostenhilfe beantragt werden. Das bedeutet, dass die Ihnen entstehenden Anwalts- und Gerichtskosten zunächst einmal von der Staatskasse verauslagt würden. Wird zu einem Gerichtstermin Ihr persönliches Erscheinen angeordnet und können Sie die Reisekosten nicht aus eigenen Mitteln tragen, haben Sie ferner Anspruch auf einen Vorschuss auf die notwendigen Reisekosten.

Aufgrund der langen Dauer der Ehe, der Tatsache, dass Sie Ihren Beruf für die Ehe aufgegeben haben und drei Kinder vorhanden sind, gehe ich im Rahmen dieser Erstberatung davon aus, dass Sie auch nach neuem Unterhaltsrecht zumindest einen befristeten Anspruch auf Trennungs- bzw. Ehegattenunterhalt haben. Dies hängt natürlich auch von den konkreten wirtschaftlichen Verhältnissen ab.

Zusammenfassend möchte ich Ihnen daher empfehlen, dass Sie sich möglichst bald an einen deutschen Rechtsanwalt wenden. Diesem können dann auch die gerichtlichen Verfügen und die Schriftsätze der Gegenseite zugestellt werden.

Ich hoffe, Ihnen mit meiner Antwort einen ersten Überblick über die Rechtslage verschafft zu haben.

Hierbei möchte ich Sie darauf hinweisen, dass es sich bei dieser Antwort, basierend auf Ihren Angaben, lediglich um eine erste rechtliche Einschätzung des Sachverhaltes handelt. Diese kann eine umfassende Begutachtung nicht ersetzen. Durch Hinzufügen oder Weglassen relevanter Informationen kann die rechtliche Beurteilung völlig anders ausfallen.

Sie können natürlich gerne im Rahmen der Nachfrageoption auf diesem Portal oder über meine E-Mail-Adresse mit mir Verbindung aufnehmen.

Für eine über diese Erstberatung hinausgehende Interessenvertretung steht Ihnen meine Kanzlei selbstverständlich ebenfalls gerne zur Verfügung.

Ich wünsche Ihnen noch ein schönes Wochenende und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

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