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Langfristiges Projekt beim Kunden vor Ort, Privat-PKW/Dienstwagen


| 17.04.2007 21:48 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Reinhard Schweizer



Sehr geehrte Damen und Herren,


nachfolgender Sachverhalt liegt derzeit vor:

Ich bin Softwareentwickler und arbeite derzeit bei einem Kunden vor Ort. Ich habe einen festen Schreibtisch in der einzigen Arbeitsstätte meines Arbeitgebers (ca. 9km von meiner Wohnung entfernt), habe das Büro jedoch seit ca. 9 Monaten nicht mehr betreten, da ich in einem langfristigen Projekt bei einem Kunden vor Ort arbeite (ca. 100km von meinem Wohnort entfernt).

Derzeit pendle ich (beauftragt durch meinen Arbeitgeber) mit meinem Privat-PKW 200km pro Tag (100km pro Strecke) zum Kunden (kein Büro des Arbeitgebers) und rechne dies mit €0,30 pro KM über die monatlichen Spesen ab, mithin ca. 1200 Euro netto im Durchschnitt pro Monat.

Mir wurde jetzt ein Dienstwagen angeboten, den ich auch privat nutzen kann. Fahrtenbuchführung wird beim Arbeitgeber wg. des Mehraufwandes (Prüfung) nicht gerne gesehen, daher keine Option. Ich müsste somit den geldwerten Vorteil gem. 1% Regelung versteuern.

Meine Fragen:

1. Könnte das bisherige Schema (Privat-PKW, 30 cent pro Kilometer netto via Spesen) ohne zeitliche/finanzielle Begrenzung so fortgeführt werden (das Projekt wird noch viele Monate andauern)?

2. Bei Dienstwagen: hat sich durch die Langfristigkeit des Projektes (> 3 Monate) evtl. meine regelmäßige Arbeitsstätte zum Büro des Kunden verschoben mit der Konsequenz, dass die Fahrten steuerrechtlich Privatfahrten wären? D.h. geldwerter Vorteil = 1% Brutto-Liste plus 100x0,03% pro Entfernungskilometer, somit 4% geldwerter Vorteil (nicht akzeptabel). Habe gelesen, dass regelmässige Arbeitsstätte nur eine "dauerhafte betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers" sein kann (hier nicht der Fall).

Viele Dank im voraus!
Eingrenzung vom Fragesteller
18.04.2007 | 00:16
Sehr geehrter Fragesteller,

ich bedanke mich für Ihre Anfrage, die ich wie folgt nach Ihren Angaben und Einsatzes beantworten möchte:

1.)
Eine Erstattung der Fahrtkosten durch den Arbeitgeber ist nach § 3 Nr. 16 EStG nur dann steuerfrei, wenn es sich um eine Dienstreise handelt.
Bei einer längerfristigen vorübergehenden Auswärtstätigkeit an derselben Tätigkeitsstätte ist nur für die ersten drei Monate eine Dienstreise anzuerkennen; nach Ablauf der Dreimonatsfrist ist die auswärtige Tätigkeitsstätte als neue regelmäßige Arbeitsstätte anzusehen (R 37 Abs. 3 Satz 3 LStR).
So verhält es sich im vorliegenden Fall, da das Projekt nach Ihren Angaben noch viele Monate dauern wird. Eine steuerfreie Erstattung kommt deshalb nur für die ersten drei Monate in Betracht.
Der BFH (Urt. v. 18.05.2004, BStBl 2004 II S. 962 m. w. Nachw.) hat die Dreimonatsregelung im Grundsatz bestätigt. Er hat sich dabei von der Vorstellung leiten lassen, dass die Tätigkeit am auswärtigen Einsatzort eine solche zeitliche Nachhaltigkeit erreichen kann, dass dieser Einsatzort zur (weiteren) regelmäßigen Arbeitsstätte erstarkt.
Vor diesem Hintergrund kommt – entgegen Ihrer Vorstellung – als regelmäßige Arbeitsstätte eben nicht nur eine „Einrichtung des Arbeitgebers“ in Betracht. Da haben Sie sicherlich etwas missverstanden?

2.)
Ab dem 4. Monat wird sich die regelmäßige Arbeitsstätte zu dem Büro des Kunden verschieben.
Bei den Fahrten dorthin handelt es sich aber nicht um Privatfahrten, sondern um Wege zwischen Wohnung und (neuer) Arbeitsstätte, die ab dem 21. Kilometer als Werbungskosten geltend gemacht werden können (verfahrensrechtliche Hinweise zur möglichen Verfassungswidrigkeit der Entfernungspauschale gibt z. B. die OFD Münster v. 15.03.2007, DStR 2007 S. 625).

Der geldwerte Vorteil setzt sich aus zwei Komponenten zusammen:

• Für die Privatfahrten gilt die 1 % - Regelung.
• Für die Wege zwischen Wohnung und (neuer) Arbeitsstätte ist die 0,03 % - Regelung maßgebend, wobei hier aber der Arbeitgeber die Möglichkeit der Pauschalversteuerung hat.

Ich hoffe, dass ich Ihnen in der Sache weiterhelfen konnte und weise bei Unklarheiten auf die kostenlose Nachfragefunktion hin.
Sollten Sie eine darüber hinausgehende Vertretung in Erwägung ziehen, empfehle ich Ihnen eine Kontaktaufnahme über die unten mitgeteilte E-Mail-Adresse. Einstweilen verbleibe ich

mit besten Grüßen
RA, Dipl.-Fw. Schweizer

E-Mail: reinhard.schweizer@gmx.net

Durch Weglassen oder Hinzufügen weiterer Sachverhaltsangaben Ihrerseits kann die rechtliche Beurteilung anders ausfallen, sodass die Beratung innerhalb dieses Forums lediglich eine erste rechtliche Orientierung in der Sache darstellt und keinesfalls den Gang zu einem Kollegen vor Ort ersetzen kann.


Bewertung des Fragestellers |


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