Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.084
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Lärmbelästigung Renovierung


07.04.2005 12:01 |
Preis: ***,00 € |

Nachbarschaftsrecht



Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe im Nov 2003 eine Eigentumswohnung in einem Altbau im 3.Stock im Rahmen einer Zwangsversteigerung erworben. Da die Wohnung, wie das gesamte Haus, in einem desolaten Zustand war (zu deutsch eigentlich ein kaputter Rohbau), bin ich seit dem mit mehrmonatigen Unterbrechungen mit Renovierungsarbeiten beschäftigt, die ich alle selbst ausführe und ich werde noch mind. 4 Monate benötigen.
Das Haus stand bis vor vier Jahren ganz leer. Vor vier Jahren sind im 2.Stock schon mehrere Familien eingezogen und diese sind natürlich schon lange mit dem Renovieren fertig. Seit dem ich nun dort wohne, verursache ich natürlich zwangsweise Lärm (als einziger, da die anderen Wohnungen immer noch leer stehen) und die Familie direkt unter mir fühlt sich sehr stark gestört (Holzbalkendecke), was ich verstehe, aber ich nicht ändern kann. Sie haben noch dazu ein kleines Kind von ca. 3 Jahren. Ich versuche sehr viel Rücksicht zu nehmen und gehe auf Socken, arbeite nur in den gesetzlich erlaubten Zeiten und nur wochentags, lege Teppich beim Arbeiten, usw. Aber bei meinen Nachbarn liegen die Nerven blank, nachdem ich jetzt nach dreimonatiger Pause angefangen habe weiter zu renovieren. Ich höre die Mutter schon unter mir schreien oder aus Rache ohrenbetäubende Musik mit viel Baß machen, wenn ich nur eine Minute etwas säge. Das alles belastet auch mich sehr.

Jetzt stellen sich mir drei Fragen:

1.Gibt es eine Vorschrift nach der eine Renovierung nach drei Monaten (oder vielleicht andere Dauer?) abgeschlossen sein muss, wie dieser Nachbar behauptet? Eine Antwort auf diese Frage ist mir am wichtigsten!

2.Gibt es eine Vorschrift, dass ich den bestehenden alten Dielenboden in Bezug auf Schall und Trittschall verbessern muss? Kann, falls ich die Wohnung wieder verkaufen sollte, ein Käufer mir Ärger im nach hinein machen, wenn er wegen Trittschall Probleme mit den Nachbarn bekommt?
Ich habe “nur“ Trockenestrich über den alten Boden gemacht (Ausgleichslattung wegen Unebenheiten, 18mm OSB-Platten, 2mm Trittschalldämmplatte, Laminat). Unser Nachbar unter uns hat Betonestrich gemacht mit 4 cm starken Trittschalldämmplatten darunter, was natürlich schalltechnisch besser ist, aber was ich aus statischen Gründen nicht gewagt habe und nach wie vor für sehr gefährlich halte (teilweise angefaulte Tragebalken).

3.Was für eine Rechtsschutzversicherung bräuchte ich, falls mein Nachbar einen Anwalt einschaltet und mich zwingen will meine Renovierungsarbeiten einzustellen? Reicht hier meine Privatrechtsschutzversicherung?

Vielen Dank im Voraus
Sehr geehrter Ratsuchender,

tatsächlich gibt es keine Vorschrift, wonach Renovierungs- oder Sanierungsarbeiten innerhalb einer bestimmten Zeit abgeschlossen sein müssen. Vielmehr müssen zwei Belange gegeneinander abgewogen werden:

Renovierungslärm ist unvermeidbar. Daher haben die Nachbarn für den vorübergehenden Zeitraum solcher Arbeiten eine erhöhte Lärmentwicklung zu dulden. Andererseits erfordert das Gebot der Rücksichtnahme, die Arbeiten möglichst zügig abzuschließen, um die Dauer der Lärmbelästigung möglichst kurz zu halten.

Ansonsten verhalten Sie sich im Sinne der Rücksichtnahme goldrichtig, indem Sie die allgemeinen Ruhezeiten einhalten und versuchen, überflüssige Lärmentwicklung zu vermeiden.

Was die Trittschallisolierung angeht, kann es tatsächlich zu Problemen kommen. Es gibt vorgeschriebene Mindestauflagen zum Schallschutz, die in der DIN 4109 niedergelegt sind. Nach der Rechsprechung diverser Landgerichte müssen hiernach bei Altbauten mindestens die Normen eingehalten werden, die zum Zeitpunkt der Errichtung vorgeschrieben waren. Bei späterer Sanierung oder Umbauten (wie in Ihrem Fall) sind die aktuell geltenden Normen verbindlich.

Erforderlich ist ein Schallschutz nach dem Stand der Technik, der in der Regel sogar über den Anforderungen der genannten DIN liegen, die nur Mindestanforderungen stellt. Es gibt hierzu ein Beiblatt zur DIN 4109, der erhöhten Schallschutz regelt. Zwingend und ohne Wenn und Aber zu beachten ist diese Norm im Falle einer Vermietung.

Zu beachten ist aber, dass die Nichteinhaltung "nur" Probleme mit den Nachbarn machen kann, nicht bei einem Verkauf. Ein Käufer kauft die Wohnung wie sie steht und liegt, ein Nachbar hat aber Abwehransprüche gegen den jeweiligen Eigentümer.

Eine spezielle Rechtsschutzversicherung gibt es nicht. Sie brauchen nur eine "normale" Privatrechtsschutzversicherung. Die Versicherer schnüren aber auch Spezialpakete, um sich (kostengünstiger) nur gegen bestimmte Risiken abzusichern. Hier müssen Sie sich bei den Versichereren direkt informieren.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen zunächst weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas J. Lauer
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 07.04.2005 | 20:52

Vielen Dank für die Informationen Herr Lauer!

Ich möchte bitte noch zu meiner Frage 2 nachhaken:

Wenn ich sie richtig verstanden habe, könnte mein Nachbar verlangen, daß ich meinen Boden der DIN 4109 entsprechend modernisieren muß. Ich weiß nicht ob ich die Grenzwerte von 53db (bzw. sogar 46dB bei der strengeren Norm) für Trittschall einhalte. Ich weiß nur, daß meine Maßnahmen den Zustand gegenüber dem ursprünglichen verbessert haben. Könnte ich nicht auf dem Standpunkt stehen, daß ich, wenn ich mir eine Wohnung kaufe, diese so belasse wie sie ist und gar nichts modernisiere?
Falls ich verkaufe, schrieben sie, hätte ich keine Probleme mit dem neuen Besitzer zu erwarten. Aber kann dieser nicht später sagen, daß sei ein versteckter Mangel, wenn nicht die DIN 4109 durch meine Renovierungsarbeiten eingehalten wurde?
Vielen Dank im Voraus

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 08.04.2005 | 11:33

Sehr geehrter Ratsuchender,

tatsächlich könnte Ihr Nachbar unter Ihnen Sie in Anspruch nehmen, wenn der Trittschall zu hoch ist. Sie brauchen sich hier aber keine all zu großen Sorgen zu machen. Richtig ernsthafte Probleme sind in dieser Hinsicht grundsätzlich nur im Mietrecht zu erwarten. Danach sind nämlich inzwischen Wohnungen ohne Einhaltung der DIN öffentlich-rechtlich unzulässig, dürfen also nicht vermietet werden. Im Verhältnis Mieter zu Vermieter löst die mangelhafte Isolierung Beseitigungsansprüche aus.

Bevor Sie sich nun ernsthafte Sorgen machen, warten Sie doch erst einmal ab. Vielleicht reicht Ihre Isolierung; wenn nicht, stört es die Nachbarn vielleicht ja gar nicht. Und wenn doch, ist oft schon Abhilfe geschaffen, indem man grundsätzlich auf Socken geht. Im übrigen kann in Ihrem Fall möglichweise eine weitergehende Schallisolierung sogar unmöglich sein, wenn es dann tatsächlich zu den von Ihnen befürchteten statischen Problemen käme.

Im übrigen kommt es nicht darauf an, ob Sie alles beim Alten hätten lassen können. Entscheidend ist, dass Sie etwas gemacht haben.

Was die Haftung im Falle eines Verkaufs angeht, verkaufen Sie ja wie die Wohnung steht und liegt und schließen grundsätzlich sinnvollerweise die Gewährleistung aus. Eine Inanspruchnahme kommt dann nur in Betracht, wenn Sie erstens positiv wissen, dass die Dämmung nicht normgerecht ist, und zweitens ist erforderlich, dass der Käufer ausdrücklich fragt und Sie whrheitswidrig behaupten, die Dämmung wäre normgerecht. Nur dann wären Sie ggf. wegen eines arglistig Verschwiegenen Mangels haftbar.

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60078 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Ausführlich, verständlich und klar geschrieben. Sehr zufrieden. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Herr RA Vasel erschien mir sehr kompetent, da er auch bei angedachtem weiteren Verfahren meines Steuerberaters fundierte Bedenken, gerade paradoxerweise bezüglich eventuell sich daraus ergebender steuerlicher Nachteile, hatte ... ...
FRAGESTELLER
3,2/5,0
Ohne Paragraphenangabe, alles pi x Daumen, man hätte zb § 850d ZPO oder sowas erwähnen können, Frage wurde obendrein unvollständig beantwortet aber Alles in Allem eine kleine Übersicht, musste im Endeffekt trotzdem alles Nachschlagen ... ...
FRAGESTELLER