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Lärm aus 1. OG

| 27.02.2015 15:58 |
Preis: ***,00 € |

Mietrecht, Wohnungseigentum


Beantwortet von

Rechtsanwältin Dr. Elke Scheibeler


Zusammenfassung: Im Fall von Lärmbelästigung durch Nachbarn kann die Miete gemindert werden, zudem können die Nachbarn auf Unterlassung in Anspruch genommen werden. Für einen Prozess ist aber erforderlich, dass Beweismittel zur Verfügung stehen, in der Regel Zeugenbeweis.

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit 2006 bewohne ich eine Wohnung eines 4-Parteien-Hauses. Die vier Eigentumswohnungen sind so angeordnet, dass jeweils zwei übereinander liegen. Zwei davon sind vermietet. Meine oben wohnende Nachbarin und ich im EG haben also verschiedene Vermieter.

Obwohl das Haus sehr hellhörig ist, verhielten sich alle Bewohner stets angemessen. Nachdem der Ehemann der ca. 70jährigen Nachbarin über mir erkrankte und zum Pflegefall wurde, entfernte die Ehefrau den Teppichboden und begann damit, dem kranken Mann, laufend hinterher zu putzen, da dieser den Nachbarn zufolge alles unter sich gehen ließ. Die Arbeiten wurden von der Ehefrau sehr laut ausgeführt. Es war ein ständiges Poltern und Krachen und Klopfen immer auf den Boden. Ich habe diesen Lärm bis zum Tode des Mannes vor einem Jahr mit begrenztem Verständnis hingenommen. Danach begannen die Umbau- und Renovierungsarbeiten, begleitet von sehr lautem Poltern, Schlagen, Krachen, Schieben und Rücken. Ich nahm auch das über viele Monate hin, da ich wusste, dass die Frau alles alleine machte.

Doch seit dem ist das Werken auf Boden und an Wänden zu ihrem Lebensinhalt geworden und ich bin hier einem über den ganzen Tag verteilten Poltern, Rücken, Klopfen und vor allem dem lauten Umstürzen schwerer Gegenstände sowie ständigem Fallenlassen von Sachen ausgesetzt. Ich bin berufstätig und habe keinen Feierabend, kein Wochenende, keine Sonn- und Feiertage mehr. Da ich wenig fernsehe oder Musik höre, und die Zeit am liebsten mit Lesen verbringe, ist es oft fast unerträglich. Aber selbst, wenn ich mal einen Film anschaue, donnert es über mir so laut wie Paukenschläge. Die Ruhezeiten hält die Nachbarin allerdings ein. Da wir immer ein gutes Verhältnis hatten, sie Pakete für mich annahm etc. war ich der Überzeugung, sie ist sich ihres Wirkens nicht bewusst und wird etwas Rücksicht nehmen, wenn ich es ihr sage.

Als sie es vorige Woche abends nach 22 Uhr noch unzumutbar laut krachen ließ, ging ich zu ihr an die Tür. Der Krach hörte sofort auf, doch sie öffnete nicht, worauf hin ich ihr einen wirklich freundlichen Brief schrieb, in dem ich meine Lage und meine Bitte schilderte. Ihre Reaktion darauf war am nächsten Tag unerwartet aggressiv. Zum einen bestritt sie alle diese Geräusche, zum anderen pochte sie darauf, das außerhalb der Ruhezeiten und für die Miete, die sie zahlt, zu dürfen. Ebenfalls räumte sie ein, in der Nacht ein Regal aus- und eingebaut zu haben. Ich solle ausziehen, wenn sie mir zu laut ist. Sie bezeichnete mich später bei Nachbarn als "berufsgestresst" und "nervlich fertig" und behauptete, ich hätte verlangt, dass alle Hausbewohner ab 17 Uhr still zu sein haben. Dabei hatte ich sie lediglich gebeten, vielleicht ihre besonders lauten Tätigkeiten in die Zeiten zu verlegen, in denen ich arbeiten bin.

Nachdem eine Nachbarin sie darin bestätigt hat, sich weiterhin ganz normal in ihrer Wohnung zu verhalten und nicht schleichen zu müssen, nahm sie unverzüglich ihre körperlichen Arbeiten wieder auf und so geht es Tag für Tag weiter, eher noch lauter als vorher.

Ich führe seit einer Woche ein Lärmprotokoll. Die anderen Parteien hören nebenan nichts und wollen auch nichts hören, wollen keinen Ärger.
Meine Vermieter sind hilflos, weil sie nicht Vermieter der oberen Wohnung sind.
Mietminderung kommt für mich deshalb nicht in Frage, und weil sie den Lärm nicht mindert.

Die Beratungs-Anwältin meiner Rechtsschutzversicherung sagte, gegen den mangelnden Schallschutz könne ich in einem 64er Haus nichts unternehmen, aber ich könne gegen die Person eine Unterlassungsklage stellen, damit sie diese vermeidbaren, lärmenden Tätigkeiten einstellt bzw. sich mehr zusammennimmt. Denn das Gebot der Ruhezeiten besage nicht im Umkehrschluss, dass außerhalb dieser nach Herzenslust gelärmt werden könne. Ein Lärmprotokoll reiche in diesem Fall aus, Zeugen seien nicht zwingend von Nöten.

Jedoch war eine von mir aufgesuchte Rechtsanwältin im Ort der Ansicht, dass selbst tägliches Auf- und Abbauen sowie Verrücken von Möbeln und Fallenlassen von Dingen als normales Wohngeräusch gilt, solange keine Werkstatt betrieben wird und dies außerhalb der Ruhezeiten geschieht.
Sie sagte außerdem, ich bräuchte Zeugen. Und sie sagte, es sei ein Problem für mich, das erst jetzt zu melden und die ganzen Jahre hingenommen zu haben. Mit anderen Worten, ich habe das alles zu erdulden bzw. sehr wenig Aussicht auf Erfolg beim Wehren.

Zeugen habe ich keine. Ich lebe alleine. Und ich habe keine Bekannten oder Kollegen, die die Zeit und Lust hätten, jeden Tag etliche Stunden bei mir zu verbringen, schweigend in ein Buch vertieft, um mein Protokoll auf Richtigkeit zu prüfen. Die Anwältin sagte, es müssten 1-2 Zeugen sein, die vorübergehend bei mir wohnen! Wen soll ich denn hier beherbergen? Unmöglich!

Nun habe ich zwei unterschiedliche Aussagen von zwei Juristen und möchte einen dritten um eine dritte Meinung bitten: Könnte ein Anwalt die Nachbarin rechtlich zu etwas mehr Rücksicht bewegen oder darf man tatsächlich werken so viel und so laut man möchte, egal, wie belastend das ohne Schallschutz für den Nachbarn darunter ist?

Die Zielsicherheit bei jedweder Aktion ist für mich das Wichtigste. Denn ich fürchte, ein verlorener Kampf würde die Nachbarin ermutigen, sich noch mehr herauszunehmen. Daran muss ich bei allem denken.

Vielen Dank.

Sehr geehrter Fragesteller,

nein man darf nicht ständig werken soviel und so laut man möchte. Im Fall von Umbauten ist ein gewisser Lärm über eine gewisse Zeit hinzunehmen, aber Umbauarbeiten von mehr als ein Jahr Dauer sind dies nicht mehr.

Ein Problem ist allerdings in der Tat, dass Sie keine Zeugen haben und offenbar auch niemanden kennen, der für eine Weile sich öfter bei Ihnen aufhalten könnte. Insofern sind Ihre Aussichten im Rahmen eines Prozesses eher schlecht. Man könnte daran denken, dass Sie einen Geräuschmesser kaufen, allerdings besteht dann ja das Problem, dass Sie sich auch nicht geräuschlos durch Ihre Wohnung bewegen, die ja hellhörig ist, also man die von Ihnen verursachten Geräusche nicht herausfiltern kann.

Wenn Sie also keinerlei Beweismittel haben, hat ein Prozess wenig Aussicht auf Erfolg, sei es nun eine Unterlassungsklage gegen die Nachbarin oder eine Klage auf Feststellung einer Mietminderung. Manchmal findet sich aber bereits nach einem Aufforderungsschreiben eine einvernehmliche Lösung, und je nach Bundesland ist zudem zwingend vor Nachbarstreitigkeiten ein Schlichtungsverfahren vorgesehen. Dies könnte auch freiwillig eingeleitet werden und wäre ggf. eine Option, mit der Nachbarin ins Gespräch zu kommen.

Ein Problem, dass Sie den Lärm längere Zeit hingenommen haben, erkenne ich im Übrigen nicht. Sie können lediglich rückwirkend keine Mietminderung geltend machen, wenn Sie den Mangel der Vermieterin nicht angezeigt haben.

Mit freundlichen Grüßen

Bewertung des Fragestellers 27.02.2015 | 20:43

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