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Ladendiebstahl oder nicht??


04.07.2006 20:00 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Andreas M. Boukai



Als Praxisbesitzerin und Großkunde, immer in Zeitdruck ist Folgendes passiert:

Einkauf, wie als Großkunde (einige Tausend Euro) bei Praktiker, da vom kürzlich gekauften mehrteiligen Lochsägensatz der kleinste Aufsatz kaputt ging, suchen nach diesem Einzelteil im Baumarkt, da nicht da, aus mehrteiligem Lochsägensatz dieses Teil ausgebaut (ca. 2.-), in den Wagen gelegt, an der Kasse zwar offen im Wagen gelegen aber nicht auf das Kassenband gelegt, ans Auto, Ladendedektiv hinterher, ich soll den Lochsägeneinsatz hergeben, händigte ihn aus, entschuldigte mich, sagte es eilig zu haben. Er bat mich ins Büro, wollte Personalien, holte Geschäftsführer, hätten mich auf Band aufgenommen, ich sagte Polizei solle geholt werden, da das Teil zwar von Lochsägensatz montiert wurde, aber nicht wie der Dedektiv behauptet, in eine Verpackung gesteckt wurde und so im Wagen versteckt war. Es war offen im Wagen und ich hätte es auf Forderung des Kassierers auch bezahlt! Das kann ich beschwören!!

Der Laden hat eine Anzeige gemacht.

Da ich einen einwandfreien Leumund habe, möchte ich natürlich das diese Anzeige zurückgezogen wird. Natürlich war das Abmontieren falsch, aber auch der Kassierer ist mit Schuld oder?? Weiterhin ist mir gesagt worden ich solle 50 Euro bezahlen, die ich nicht bezahlen wollte, dann aber doch bezahlte da die Summe sonst eingeklagt werden würde vom Praktiker und mir so eine wesentlich höhere Summe entstehen würde! Ich habe gehört das ist rechtswidrig, stimmt das??

Was kann ich tun?? Einen Entschuldigungsbrief an den Geschäftsführer schreiben, mit Hinweis Großkunde (alle Kassenzettel), kein eindeutiger Fall - Kassierer mit Schuld, 50 Euro Einbehalt rechtswidrig, Androhung von In-Rechnung-Stellung meiner Zeit, schlechte Behandlung von Dedektiv (hat mich angeschrien bei Bestreitung von Verstecken des Lochsägenteils in einer Packung), in meine Praxis einladen, Erwähnung von fortwährenden Baustoffeinkäufen für 3 Eigentumswohnungen, 1 Haus.

Bitte helfen Sie mir, da ich mir mit einer Praxis nicht leisten kann, in einen negativen Ruf zu kommen. Wenn so eine Anzeige nicht zurückgezogen wird, steht man doch lebenslang im Register, oder??


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Sehr geehrte Fragenstellerin.

Aufgrund des von Ihnen geschilderten Sachverhalts und in Anbetracht des gebotenen Einsatzes beantworte ich die Frage wie folgt.

1. Diebstahl ist die (vorsätzliche) Wegnahme einer fremden beweglichen Sache in der Absicht sich diese rechtswidrig zuzueignen, § 242 I StGB.

Auch wenn Sie den Lochsägenaufsatz nicht ohne Bezahlung aus dem Geschäft mitnehmen wollten (= fehlender Vorsatz), so wird man angesichts der Umstände für die Annahme der Gegenseite Verständnis haben müssen.

Das Aufreißen der Verpackung, das Legen in den Einkaufswagen und das Versäumnis den Aufsatz auf das Kassenband zu legen könnten durchaus als Vorsatz zur Wegnahme in Absicht der rechtswidrigen Zueignung gewertet werden.

Warum haben Sie den defekten Aufsatz nicht an der Kasse oder Information reklamiert und stattdessen einfach eine Packung aufgerissen?
Eine Mitschuld des Kassierers wird sich hier wohl nicht bejahen lassen.

In einem Verfahren kämen Sie hier in arge Beweisnot.

2. Glücklicherweise handelt es sich bei einem 2,- € Artikel um eine geringwertige Sache nach § 248a StGB also um eine relatives Antragsdelikt.
Der Diebstahl wird also nur auf Antrag (der Geschäftsführung) verfolgt, es sei denn die Staatsanwaltschaft bekundet ein besonderes öffentliches Interesse.
In der Regel wird die Staatsanwaltschaft – gerade bei Ihrem guten Leumund – das öffentliche Interesse nicht bejahen.
Demnach wäre es von Vorteil wenn der Antragsteller den Antrag zurücknehmen würde. Als Folge würde (bei fehlendem öffentlichen Interesse) ein Verfahrenshindernis entstehen und die Sache sozusagen „unter den Tisch fallen“.
Ein Anruf oder ein freundliches Schreiben an die Geschäftsführung könnte unter Umständen Wirkung zeigen.

3. Sollte der Antrag aus irgendwelchen Gründen aufrecht erhalten bleiben, so ist dies auch nicht dramatisch.
So kann – und wird bei derartig geringfügigen Angelegenheiten in der Regel – die Staatsanwaltschaft entweder nach § 153 StPO von der Verfolgung wegen Geringfügigkeit absehen oder hier eher unwahrscheinlich das Verfahren gegen ein Auflage (etwa eine geringe Geldstrafe) einstellen, § 153a StPO.

4. Nach der Rechtsprechung des BGH ist (der zivilrechtliche Anspruch auf) die Fangprämie rechtmäßig.

5. Sie brauchen keine Angst zu haben. Selbst wenn es zu einer – undenkbaren - Verurteilung kommen würde sind Sie nicht vorbestraft. Bis zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen ist man nicht vorbestraft. Um eine derartige Strafe zu erhalten müssten Sie schon einiges anstellen.

Ich hoffe Ihnen geholfen zu haben.
Sollten noch Unklarheiten vorliegen, so nutzen Sie bitte die kostenlose Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen,

Andreas M. Boukai
- Rechtsanwalt -

Nachfrage vom Fragesteller 11.07.2006 | 12:02

Sehr geehrter Herr Boukai,

vielen Dank für Ihre entlastende Antwort!!!

Soll ich in dem Schreiben an die Geschäftsführung alle Kassenzettel, die mich als Großkunde ausweisen beilegen? Soll ich nochmals erwähnen, dass zu Unrecht vom Dedektiv behauptet wird, die Lochsäge hätte ich in eine Verpackung gesteckt?

Soll ich als Drohung bei Nichtzurückziehung meine Zeit berechnen bzw. eine Einladung zur kostenlosen Behandlung ansprechen?

Vielen Dank nochmals für Ihre geschätzte Antwort!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 11.07.2006 | 12:12

Sehr geehrte Fragenstellerin.

Wie Sie das Schreiben gestalten bleibt letztlich Ihnen überlassen. Sicherlich haben Sie das notwendige Fingerspitzengefühl um die Sache erfolgreich abzuschliessen.
Eine Ablichtung der Kassenzettel (sofern diese auch höhere Beträge ausweisen) schadet sicher nicht. Schliesslich will man ja auch keinen guten Kunden wegen einer einmaligen Unachtsamkeit verprellen.
Der Hinweis, dass Sie den Aufsatz nicht in einem Karton "versteckt" haben sollte auch nicht fehlen.

Sowohl Drohung als auch Einladung sollten Sie m.E. außen vor lassen. Das eine könnte zu einer Trotzreaktion führen, das andere zu einem Gefühl eines Eingeständnisses Ihrerseits.

Sollten noch weitere Fragen bestehen, so können Sie sich gerne im Rahmen einer weiterführenden Tätigkeit an mich wenden.

Mit freundlichen Grüßen,

Andreas M. Boukai
- Rechtsanwalt -

Kreuzschnabelweg 24
86156 Augsburg

Tel.: 0821-4530333
Fax: 0821-4530334

mail@ra-boukai.de

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