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Ladendiebstahl in der Bewährungszeit

| 04.07.2015 11:03 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Ich habe vor 2,5 jahren eine Bewährungsstrafe erhalten wegen Trunkenheit im Verkehr u. Ebay Betrug. 6 Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung war das Urteil.

Seid dem habe ich mir nichts zu Schulden kommen lassen, habe regelmäßigen Kontakt zu meiner Bewährungshelferin und habe alle Staatsanwaltschulden abgezahlt. Bewährung geht noch bis April 2016.

Nun wurde ich heute mit Lebensmitteln erwischt die sich noch im Kinderwagen befanden. Ich habe sie schlicht weg vergessen und es ist ein Betrag von 48 Euro.

Was soll ich jetzt machen?
Muss ich ins Gefängnis?

Ich beginne ab August eine Ausbildung zur staatl. ex. Altenpflegerin, mein Leben hat einen absoluten geregelten Alltag.

Sehr geehrte Ratsuchende,

aufgrund des von Ihnen geschilderten Sachverhaltes möchte ich Ihre Fragen wie folgt beantworten:

Der Widerruf der Strafaussetzung zur Bewährung ist in § 56 f StGB geregelt.

Danach widerruft das Gericht die Strafaussetzung, wenn die verurteilte Person in der Bewährungszeit Straftaten begeht und dadurch zeigt, dass die Erwartung, die der Strafaussetzung zugrunde lag, sich nicht erfüllt hat , § 56 f Abs. 1 Nr.1.StGB.
Nach § 56 Nr. 2 u.3 StGB auch dann, wenn sie gegen Weisungen und Auflagen beharrlich verstößt oder sich der Aufsicht des Bewährungshelfers beharrlich entzieht.

Nach Ihrer Sachverhaltsschilderung käme hier grundsätzlich nur der Bewährungswiderruf wegen begangener Straftaten in Betracht.

Hierzu müsste Ihnen aber zunächst einmal ein Ladendiebstahl nachgewiesen werden.

Ob man Ihre Einlassung, Sie hätten schlicht vergessen, die sich im Einkaufwagen befindlichen Waren zu bezahlen, glauben wird, hängt entscheidend von den Umständen im Laden ab. Insbesondere wird es darauf ankommen, ob die Waren nach den Umständen
als im Kinderwagen " verborgen" angesehen werden konnten.

Was aus diesem neuen Tatvorwurf wird,ob es zu einer Einstellung , Strafbefehl oder Anklage kommt, vermag ich insbesondere ohne Aktenkenntnis nicht zu prognostizieren.
Selbst wenn es zu einer Bestrafung wegen Ladendiebstahls kommen würde,
ist es wahrscheinlich, dass das Gericht von einem Widerruf der Strafaussetzung absehen wird.
Das Gericht muss vom Widerruf zwingend absehen, wenn es reicht , weitere Weisungen oder Auflagen zu erteilen oder die Bewährungszeit zu verlängern.
In diesem Zusammenhang dürfte sich für Sie positiv Ihre in einigen Wochen beginnende Ausbildung auswirken , insgesamt die Änderung der Lebensverhältnisse ( Kind).
Ganz ausschlaggebend dürfte hierbei dürfte die positive Bewertung Ihres Bewährungshelfers sein.
Sie sollten sich also zur Zeit keine allzu großen Sorgen machen und erst einmal ein neues Strafverfahren abwarten.
Gegebenenfalls sollten Sie sich einen Strafverteidiger nehmen.
Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und Ihnen eine rechtliche Orientierung gegeben zu haben.
Viel Erfolg und ein schönes Wochenende.

Mit freundlichen Grüßen

König
Rechtsanwältin

Rückfrage vom Fragesteller 04.07.2015 | 13:23

Vielen Dank, Sie haben mir sehr geholfen.

Zu meiner Bewährungshelferin besteht ein sehr gutes Verhältniss, ich sehe sie am kommenden Montag und werde dort mit ihr über das Geschehene sprechen.


Ich habe große Angst dass in den kommenden Tagen ein Haftbefehl im Briefkasten liegt und ich in Untersuchungshaft muss. Bekomme ich erstmal Post zum anhören von der Polizei?

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 04.07.2015 | 14:35

Sehr geehrte Ratsuchende,

zunächst einmal zu Ihrer Beruhigung:

Aufgrund des von Ihnen geschilderten Sachverhaltes brauchen Sie keinerlei Angst vor einem Haftbefehl zu haben.
Wenn ein Verfahren wegen Ladendiebstahl eingeleitet worden ist, bekommen Sie zunächst einmal Post von der Polizei.
Sie müssen aber als Beschuldigte in einem Strafverfahren einer Ladung zur Anhörung bei der Polizei nicht Folge leisten (etwas anderes würde gelten bei einer Ladung zur Staatsanwaltschaft ). Sie müssten den Termin nicht einmal absagen oder könnten ihn auch ohne jegliche Begründung absagen
Im Übrigen müssen Sie auch zu keinem Zeitpunkt Angaben zu der Ihnen vorgeworfenen Tat machen, weder bei der Polizei, bei der Staatsanwaltschaft noch bei Gericht.
Sobald Sie etwas hören , sollten Sie überlegen, ob Sie einen Strafverteidiger beauftragen, der Akteneinsicht nehmen kann und das weitere Vorgehen dann mit Ihnen besprechen wird.

Wie bereits erwähnt gehe ich bei Ihnen - selbst bei einer erneuten Bestrafung wegen Ladendiebstahls - davon aus, dass ein Gericht die Strafaussetzung zur Bewährung nicht widerrufen wird ( neuen Lebenssituation, Bewährung schon lange durchgehalten, guter Kontakt zur Bewährungshelferin, relativ geringer Schaden,) sondern gem. § 56 f II StGB von einem Widerruf absehen würde u.U . verbunden mit einer Verlängerung der Bewährungszeit.

Falls Sie wegen einer neuen Tat bestraft werden, würde es aber auch bis zum tatsächlichen Bewährungswiderruf noch dauern.

Zunächst müsste die Staatsanwaltschaft einen Antrag bei Gericht stellen.
Dann würden Sie eine Mitteilung bekommen und Ihnen würde Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben.
Spätestens dann sollten Sie allerdings einen Anwalt für Strafrecht einschalten.

Gegen einen tatsächlich erfolgten Bewährungswiderruf hätten Sie dann noch das Rechtsmittel der Beschwerde.
Erst wenn dieser nicht abgeholfen würde und die Bewährung widerrufen würde, bekämen Sie eine Ladung zum Strafantritt und keinen Haftbefehl.


Zusammenfassend noch einmal:

Grundsätzlich könnte zwar bei einer neuen Bestrafung die Bewährung widerrufen werden, aber dies halte ich aufgrund der von Ihnen geschilderten Lebenssituation für ausgesprochen unwahrscheinlich.

Ich wünsche Ihnen zunächst noch einmal ein entspanntes, sonniges Wochenende, machen Sie sich keine großen Sorgen.

Mit freundlichen Grüßen

Lucia König
Rechtsanwältin

Bewertung des Fragestellers 04.07.2015 | 13:24

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