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Ladendiebstahl 2014

07.09.2014 18:01 |
Preis: ***,00 € |

Generelle Themen


Zusammenfassung: Zum Ladendiebstahl geringwertiger Sachen gem. §§ 242, 248a StGB.

Sehr geehrte(r) Frau/Herr Rechtsanwalt,

ich bin 54 jahre alt, männlich, deutscher Staatsbürger und noch nie straffälig geworden.
Famile, Angestellter.

Gestern, Samstag, bin ich beim Ladendiebstahl erwischt.
Drogerieladen, Kosmetik, 19 Euro.

Habe "einfach" mitnehmen wollen ohne an die Konsequenzen zu denken. Aus Leichsinn, Blödheit. Ich schäme mich zu Tode.
Habe noch nie gestohlen, aber das behaupten wahrscheinlich alle.
Alles zugegeben, Personalien aufgenommen worden, Protokoll unterschrieben.

Diese kosmische Dummheit raubt mir den Schlaf und macht mich total fertig.
Gibt es eine Möglichkeit den Automatismus(Anzeige, Straffverfahren, usw) noch zu stoppen? Wenn la, wie?(Z.B. an der Fillialleitung appelieren, sich entschuldigen, eine wiedergutmachung anbieten... Gleich Montag früh zur Filliale gehen, mich entschuldigen, usw??
Mach das Sinn, hat das eine Wirkung? Gibt es Erfahrungen?).

Falls es doch zur Anzeige kommt, was kommt auf mich zu? Straffrechtlich und finanziell?
Gibt es eine "Geringfügigkeitsklausel" und versteht man auch ein Dibesgut von "19 Euro" darunter?

Wird das Vertraulich behandelt, seitens Behörden? ...sonst bin ich erledigt, Sie wissen: Familie, Nachbarn, Gesellschaft...
Mit Dank und Gruß

Einsatz editiert am 07.09.2014 18:11:26

Sehr geehrter Fragesteller,

in diesem Rahmen ist es natürlich nicht meine Aufgabe, Ihnen meine persönliche Meinung zu Ihrer grundsätzlich strafbaren Fehltritt kundzutun und Ihnen dementsprechend gut zuzureden. Daher möchte ich mich auf das Rechtliche beschränken.

Zunächst wäre interessant zu wissen, ob Ihnen bereits eine Strafanzeige in Aussicht gestellt wurde, was genau Sie unterschrieben haben und wie das Gespräch verlief. Ihrer Schilderung zufolge dürfte es sich bei den Ladendiebstahl um den Straftatbestand des „Diebstahls geringwertiger Sachen" gem. §§ 242, 248a StGB handeln. Der Diebstahl geringwertiger Sachen wird in nur auf Antrag verfolgt. Das bedeutet, dass ohne eine Strafanzeige durch den Drogeriemarkt wird nicht von Amts wegen gegen Sie ermittelt und ein Strafverfahren eingeleitet wird, es sei denn, dass die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält. Ein solches besonderes öffentliches Interesse dürfte in Ihrem Fall in der Regel nicht vorhanden sein.

Der Tatbestand der Geringwertigkeit ist ein Rechtsbegriff, der nicht genau bestimmt und definiert ist, sondern durch die Rechtsprechung festgelegt wurde. Bei der Abgrenzung geringwertiger Sachen zu nicht geringwertigen Sachen ist vom Verkehrswert der Sache auszugehen. Die Grenze der Geringwertigkeit liegt einem Urteil des OLG Frankfurt a.M. aus dem Jahre 2008 zufolge bei 50,00 EUR (OLG Frankfurt a. M., Urt. v. 09.05.2008, Az. 1 Ss 67/08). Auch das OLG Hamm hatte sich bereits im Jahre 2003 auf diesen Betrag festgelegt (OLG Hamm, Urt. v. 28.07.2003, Az. 2 Ss 427/03). Mit dem Warenwert von 19,00 EUR liegen Sie deutlich unterhalb dieser Grenze, so dass die Tat nur auf Antrag verfolgt wird, da ein öffentliches Interesse wie gesagt nicht gegeben sein dürfte.

Insofern ist Ihnen anzuraten, der Filialleitung eine Schadenswiedergutmachung anzubieten und Ihre Reue für die begangene Tat deutlich zu zeigen sowie die Gesamtsituation und die Umstände, die zur Tat geführt haben, in derselben Weise darzustellen, wie Sie dies auch hier getan haben.

Sollte die Filialleitung wider Erwarten dennoch Strafanzeige stellen, so besteht immer noch die Möglichkeit, dass es nicht zu einer Anklageerhebung und einem Strafverfahren kommt, soweit von der Strafverfolgung gem. § 153 Abs. 1 StPO abgesehen wird. Aber selbst wenn von der Strafverfolgung nicht abgesehen werden sollte, kann das Gericht während eines Strafverfahrens mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft und des Angeschuldigten das Verfahren gem. § 153 Abs. 2 StPO einstellen.

Ohne eine genaue Kenntnis von einem späteren Akteninhalt, können hier auf Ihre weiteren Fragen keine verlässlichen Auskünfte erteilt werden. Grundsätzlich könnte es im Falle einer Verurteilung zu einer geringen Geldstrafe kommen. Die Tagessätze hängen von den Umständen des Einzelfalls ab und die Tagessätzhöhe richtet sich nach Ihrem Einkommen. Ihre bisherige Straffreiheit dürfte strafmildernd berücksichtigt werden.

Im Hinblick auf Ihre Frage der Geheimhaltung seitens der Behörden verweise ich auf Abschnitt 4a RiStBV:

4a Keine unnötige Bloßstellung des Beschuldigten

"Der Staatsanwalt vermeidet alles, was zu einer nicht durch den Zweck des Ermittlungsverfahrens bedingten Bloßstellung des Beschuldigten führen kann. Das gilt insbesondere im Schriftverkehr mit anderen Behörden und Personen. Sollte die Bezeichnung des Beschuldigten oder der ihm zur Last gelegten Straftat nicht entbehrlich sein, ist deutlich zu machen, dass gegen den Beschuldigten lediglich der Verdacht einer Straftat besteht."

Ich empfehle Ihnen in jedem Fall die Konsultation eines ortsansässigen Rechtsanwaltes, der ggfs. auch Akteneinsicht beantragen kann.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet und Ihnen weitergeholfen zu haben. Mit einem Dank für das mir entgegengebrachte Vertrauen verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Oliver Daniel Özkara
Rechtsanwalt

Ergänzung vom Anwalt 07.09.2014 | 20:20

Die Tippfehler in den ersten beiden Absätzen bitte ich zu entschuldigen.

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