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Kunsthandwerk, Kunst oder doch klassisches Gewerbe? Unternehmensgründung!

24.01.2015 00:59 |
Preis: ***,00 € |

Generelle Themen


Guten Tag,

kurz zu meinem Vorhaben:
Ich möchte Nebenberuflich ein Unternehmen aufbauen und die kommenden 6 Jahre nebenbei betreiben. Wenn alles gut läuft, möchte ich in 6 Jahren dann als Selbstständiger davon gut leben können.
Ich habe eine technische Methode entwickelt, die es ermöglicht Fugen und "Spalten" mittels elektrischer Illumination homogen und organisch zum leuchten zu bringen.
Ich habe bereits Pilotprojekte gestartet und gebaut, baue und designe gerade auch ein Möbelstück.
Und nein, nachträglich leuchtet natürlich nichts, ein Fliesenspiegel oder Tisch oder Wand/Boden etc. müssen gebaut werden.
Die Designs und Produkte richten sich an die "oberen 10.000".
Bis jetzt läuft alles gut, die Homepage ist fast fertig, Firmenname und Logo kreiert und entworfen. Werkzeug, Raum und know how sind auch vorhanden, allerdings ist noch nichts veröffentlicht oder beworben. Finanziert wird das ganze durch meinen Hauptberuf.

Jetzt mein eigentliches Problem:
Ich ver/bearbeite Kunststoff, Fliesen, Holz, Elektrik und Licht, Harze, Silikon, Lacke..eigentlich alles.
Ich designe Unikate, keine Serienproduktion, Arbeit nach Maß und Kundenwunsch oder wie es meiner Fantasie entspringt. Mal einen Tisch, mal ein Sideboard, mal eine Wand, Duschkabine, Firmenschild oder Fliesenspiegel in der Küche.
Wie ordne ich das im deutschen Gewerbe jetzt zu?
Für mich persönlich ist es Kunst, Kreativität gepaart mit hochwertigster Verarbeitung und einzigartigen Design.
Auf Nachfrage bei dem örtlichen Gewerbeamt wurde ich in meiner Vermutung es sei "bildende Kunst" bestätigt, jedoch weiß ich nicht in wie weit ich mich auf eine Email bei der Wahl der Unternehmensform stützen soll.
Es ist ja eine Art Mix aus Innenausbau, Möbelbau, Bodenleger, Elektriker...was auch immer.
Ich möchte es richtig machen und frage daher um Rat.
Ich hoffe ich konnte begreiflich machen um was es geht, ich selbst habe einen kaufmännischen Beruf und daher dient mir hier leider kein weiteres Branchenwissen.

Vielen Dank

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Zentral geht es um die Frage, ob Ihre Tätigkeit gewerberechtlich als Freier Beruf, also als Künstler, anzuerkennen ist oder als Handwerk/Produktionsgewerbe gilt. Dies hat z.B. für die Frage der Gewerbesteuer eine Auswirkung.

Hierzu erfolgt in der Regel eine Unterscheidung zwischen freier Kunst, also künstlerischem Schaffen, das um sich selbst Willen betrieben wird und um sog. Gebrauchskunst. Diese wird gekennzeichnet durch die Herstellung von Gegenstände, die neben dem künstlerischen Charakter auch einen praktischen Nutzer für den Verbraucher haben. Hierbei steht dann nicht der künstlerische Schaffensprozess im Vordergrund, sondern der Gebrauchsnutzen des Verbrauchers.

Hier ist auf den jeweiligen Einzelfall abzustellen, wobei seitens des Gewerbeamtes/Finanzamt u.U. auch sachverständige Beurteilungen hinzugezogen werden.

Hier wird man zunächst davon ausgehen müssen, dass die Gegenstände auch einen Gebrauchswert haben (Kommode, Spiegel, etc.). Die Rechtsprechung (Finanzgericht) hat Voraussetzungen zur Beurteilung der Frage entwickelt, ob Sie als Künstler bzw. als Kunstgewerbetreibender einzustufen sind oder als sonstiger Gewerbetreibende. Um als Künstler zu gelten, ist "die Vollbringung einer eigenschöpferische Leistung erforderlich, in der eine individuelle Anschauungsweise und Gestaltungskraft des Schaffenden zum Ausdruck kommt" und "diese Leistung über eine hinreichende Beherrschung der Technik hinaus eine bestimmte künstlerische Gestaltungshöhe erreicht". Hierbei fällt bei der Beurteilung auch ins Gewicht, ob eine künstlerische Ausbildung vorliegt, Arbeiten in der künstlerischen Sphäre gezeigt werden, etc.

Gegen eine künstlerische Tätigkeit würde sprechen, wenn diese Voraussetzungen nicht vorliegen oder die Formgebung nur "allgemeinen Formgebungen" oder "bekannten Formmustern ohne eigenen "Ausdruck" folgt.

Wie gesagt, kommt es immer auf den Einzelfall an.

Dass es bei Ihnen um Unikate, Einzelprodukte handelt, unterstützt die Argumentation "Künstler". Was schwierig zu beurteilen ist, in welchem Maße eine eigenschöpferische Leistung vorliegt. Je höher diese ist und je näher Sie von der Ausbildung und Schaffung dem künstlerischen Bereich zuzuordnen sind, umso leichter wird Ihnen die gewerbliche Anerkennung als Künstler sein und die Behörde einen "bloßen Gewerbebetrieb" verneinen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Rückfrage vom Fragesteller 24.01.2015 | 13:58

Guten Tag und vielen Dank,

abschließend möchte ich folgendes wissen:
Ausgehend davon, dass ich keine künstlerische Ausbildung habe, die Kunst einen Nutzen hat und nicht nur zur Darstellung dient, welchen möglichst freien Gewerbe kann ich dann meine Tätigkeit zuordnen? Gerne auch kombiniert, z.B. Bodenleger und Fliesenleger. Es muss ein zulassungsfreies Gewerbe sein, weil ich keine Ausbildung mit anschließender Meisterschule anstrebe.
Weiter gehe ich nicht von einem Kleingewerbe aus, dafür sind die angebotenen Produkte zu hochwertig.
Also kurz, welche/s zulassungsfreie/s Gewerbe kommen am ehesten und vertretbar in Frage und was muss Ihrer Meinung nach aus dieser Beurteilung heraus als nächstes unternommen werden, um das Gewerbe richtig und an richtiger Stelle anzumelden.

Vielen Dank

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 24.01.2015 | 17:22

Es kommt bei der Frage der Eintragung in die Handwerksrolle und gleichzeitiger Forderung nach einem Meisterbetrieb auf die tatsächliche Ausgestaltung an und nicht darauf, wie die Tätigkeit benannt wird. Ob daher Bezeichnungen wie etwa Möbeldesigner, Boden- oder Fliesenleger Ihnen helfen, kann nicht eindeutig geklärt werden. Dies auch deshalb, weil es unterschiedliche Beurteilung je nach Handwerkskammer gibt.

Ohne Eintragung in die Handwerksrolle und ohne Meisterbrief dürfen Handwerke im unerheblichen handwerklichen Nebenbetrieb betrieben werden sowie Tätigkeiten, die für ein Handwerk nicht wesentlich sind.


Tätigkeiten, die für ein Handwerk nicht wesentlich sind können ohne Eintragung in die Handwerksrolle - ohne Meisterbrief - ausgeübt werden. Manchmal wird hier auch von Minderhandwerk gesprochen. Dies sind Tätigkeiten, "die einfach sind und von einem durchschnittlich begabten Berufsanfänger in drei Monaten erlernt werden können; um Tätigkeiten die zwar eine längere Anlernzeit verlangen, aber für das Gesamtbild des betreffenden zulassungspflichtigen Handwerks nebensächlich sind und oder um Tätigkeiten, die nicht aus einem zulassungspflichtigen Handwerk entstanden sind."

Ferner können zulassungsfreie Handwerke gemäß Anlage B Abschnitt 1 HwO ohne Meisterbrief betrieben werden. Die handwerksähnlichen Gewerbe gemäß Anlage B Abschnitt 2 HwO können ohne Eintragung in die Handwerksrolle betrieben werden.

Bitte schauen Sie mal in die Auflistung dieser Berufe nach, ob der eine oder andere dieser Berufe der von Ihnen ausgeführten Tätigkeit nahe kommt.

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