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Kündigung in der Probezeit wegen drohender Arbeitsunfähigkeit, Krankengeld


| 11.11.2016 15:06 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Daniel Hesterberg



Ich bin seit 10 Wochen, noch in der dreimonatigen Probezeit angestellt. Ich habe schon lange ein Problem mit Arthrose im Knie, mal mehr, mal weniger.Vor zweieinhalb Jahren meinte mein Orthopäde schon, daß eine operative Umstellung sehr aufwändig ist und auch nicht erfolgversprechend in meinem Fall ,und ich mich wohl solange über Wasser halten sollte, bis ich ein künstlichen Knie bekomme, da ich noch zu jung bin. Damals war ich seit mehreren jahrzehnten bei einem Arbeitgeber und zögerte es natürlich hinaus. Nun hat sich vor ca. 4 Wochen mein Problem mit dem Knie zunehmend verschlechtert, ich bin seit einer Woche nur noch hinkend zur Arbeit und mit großen Schmerzen, aber eine Krankmeldung kommt für mich auch aus Loyalität zu meinem neuen Arbeitgeber nicht in Frage. Nun fragte mich gestern mein Arbeitgeber, warum ich denn hinke und er braucht eine Prognose und ich sagte, es sei ein Arthroseproblem im Knie und ich kann ihm erst näheres sagen, wenn ich beim Orthopäden gewesen bin. Wenn er mir jetzt innerhalb der Probezeit kündigt, ohne daß ich krankgeschrieben bin, bekomme ich dann trotzdem Krankengeld von meiner Krankenkasse, wenn ich nach einer Kündigung eine Krankmeldung wegen einer längeren Therapie oder einer Operation bekomme?

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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Nach dem Gesetz über die Zahlung des Arbeitsentgelts an Feiertagen und im Krankheitsfall (Entgeltfortzahlungsgesetz), § 3 Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, gilt:
(1) Wird ein Arbeitnehmer durch Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit an seiner Arbeitsleistung verhindert, ohne dass ihn ein Verschulden trifft, so hat er Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall durch den Arbeitgeber für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit bis zur Dauer von sechs Wochen.

Wird der Arbeitnehmer infolge derselben Krankheit erneut arbeitsunfähig, so verliert er wegen der erneuten Arbeitsunfähigkeit den Anspruch nach Satz 1 für einen weiteren Zeitraum von höchstens sechs Wochen nicht, wenn

1.
er vor der erneuten Arbeitsunfähigkeit mindestens sechs Monate nicht infolge derselben Krankheit arbeitsunfähig war oder

2.
seit Beginn der ersten Arbeitsunfähigkeit infolge derselben Krankheit eine Frist von zwölf Monaten abgelaufen ist.

[...]

(3) Der Anspruch nach Absatz 1 entsteht nach vierwöchiger ununterbrochener Dauer des Arbeitsverhältnisses."

Letzteres ist hier entscheidend.

Das Arbeitsverhältnis würde ja erst zum Zeitpunkt enden, zu dem die Kündigung ausgesprochen wurde.

Während einer vereinbarten Probezeit, längstens für die Dauer von sechs Monaten, kann das Arbeitsverhältnis mit einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden.

Sie müssten dann aber am besten sofort die Krankmeldung/Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung einholen.

§ 8 führt folgendes zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses an:

"(1) Der Anspruch auf Fortzahlung des Arbeitsentgelts wird nicht dadurch berührt, dass der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis aus Anlass der Arbeitsunfähigkeit kündigt. [...]."

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 26.11.2016 | 11:20

Sehr geehrter Herr Anwalt!
Eines ist mir noch unklar:
Bekomme ich dann auch sechs Wochen Lohnfortzahlung und nach sechs Wochen Krankengeld, wenn er mir der Reihenfolge nach...: erst innerhalb der Probezeit kündigt und ich dann am nächsten darauffolgendem Arbeitstag unmittelbar nach dem Erhalt der Kündigung eine Krankmeldung abgebe, oder muss ich: erst eine Krankmeldung bei meinem Chef einreichen und dann kündigt er mir deswegen daraufhin?
Er sucht anstelle von mir ja schon Ersatz und ich habe ihm versprochen, so lange ohne Krankmeldung noch durchzuhalten, bis Ersatz für mich da ist und auch eingearbeitet ist, weil er ja jemand braucht und ich ihn nicht hängen lassen möchte. Es ist aber auch schon klar, daß mein Arbeitgeber dann bei dem neuen Arbeitnehmer bleibt und ich nach der Reha nicht in den Betrieb zurückkehren kann...

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 26.11.2016 | 13:42

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Nachfrage beantworte ich Ihnen gerne wie folgt:

Wenn er Ihnen nach Ablauf von vier Wochen (Frist für den Beginn der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall) nach Beginn des Arbeitsverhältnisses innerhalb der Probezeit kündigt, ohne dass Sie krankgeschrieben sind, oder ist die Reihenfolge umgekehrt, dann erhalten Sie stets bis zu sechs Wochen Entgeltfgortzahlung (danach Krankengeld) bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses.

Das macht keinen Unterschied, was die Reihenfolge anbetrifft.

Ich hoffe, Ihnen damit gedient zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Hesterberg
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 13.11.2016 | 10:30


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