Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.463
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Kündigung in der Probezeit; vorhergehendes Praktikum


| 13.09.2007 15:13 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Guido Matthes



Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin 2,5 Wochen vor Ende meiner Probezeit (Dauer 6 Monate; 2 Wochen Kündigungsfrist lt. Arbeitsvertrag) von meinem Arbeitgeber gekündigt worden. Lt. Aussage meines Vorgesetzten ohne konkreten Grund: "Du bist gekündigt, unterschreib hier. Das wars.". Ich musste eine Empfangsbestätigung meiner fristgerechten Kündigung unterschreiben, ein weiteres Original durfte ich behalten.

Vor meiner Festanstellung war ich bereits ca. 10 Monate in der selben Abteilung mit dem selben Aufgabengebiet bei dieser Firma tätig. Ich hatte einen befristeten Praktikantenvertrag, da ich zu dieser Zeit noch Student war. Ziel des Praktikums war es, meine Abschlussarbeit in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen zu erstellen, um mein Studium abzuschliessen, was ich auch gemacht habe. Danach wurde ich ohne zeitliche Unterbrechung unbefristet eingestellt.

Meine Frage: Ist die Probezeit von 6 Monaten bei der Festanstellung trotz des Praktikums gerechtfertigt und damit auch die Kündigung?
Falls nicht, was könnte mir eine Klage vor dem Arbeitsgericht bringen, die Kündigungsfrist im ersten Jahr nach der Probezeit beträgt "nur" 4 Wochen, lt. Arbeitsvertrag? Bis jetzt habe ich auch noch kein endgültiges Arbeitszeugnis erhalten, dessen Formulierung durch so den Schritt vors Gericht ja auch negativer Ausfallen dürfte.

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrter Fragesteller,

das LAG Baden-Württemberg hat am 28.02.2002, Aktenzeichen 4 Sa 68/01 entschieden, dass eine Probezeitvereinbarung nur zu Beginn einer vertraglichen Beziehung möglich ist, da andernfalls die gesetzliche Regelung des § 622 Abs. 3 BGB nicht sinnvoll wäre. Eine neue Probezeit kann nur dann vereinbart werden, wenn zwischen dem Beginn der Anschlussbeschäftigung und der letzten Beschäftigung ein erheblicher Zeitraum liegt (idR. mehr als sechs Monate).

Diese Rechtsprechung dürfte weitgehend auf Ihren Fall übertragbar sein. Unterschied ist aber, dass hier ein Praktikum vorausgegangen ist und kein herkömmliches Arbeitsverhältnis wie in der zitierten Entscheidung. Dies birgt unter Umständen ein gewisses Prozessrisiko und einen Ansatzpunkt für die Argumentation des Arbeitgebers.

Mit einer Kündigungsschutzklage können Sie die Rechtswirksamkeit der Kündigung überprüfen lassen. Je nach Verlauf des Verfahrens bietet sich häufig die Möglichkeit über eine Abfindung zu verhandeln; ein Rechtsanspruch auf eine Abfindung besteht allerdings nicht. Es ist nicht gesagt, dass der Arbeitgeber Sie ohne weiteres ordentlich unter Beachtung der vierwöchigen Kündigungsfrist kündigen kann, falls die vorliegende Kündigung sich als unwirksam erweist. Falls das Kündigungsschutzgesetz auf Ihr Arbeitsverhältnis Anwendung finden würde, könnte der Arbeitgeber nur kündigen, wenn er einen Kündigungsgrund hat und die Kündigung nicht sozialwidrig wäre.

Der Arbeitgeber darf Ihnen kein schlechteres Zeugnis erteilen, wenn Sie gegen Ihn klagen. Ein solches Verhalten würde gegen das Maßregelungsverbot verstossen. Gegen ein unzutreffendes schlechtes Arbeitszeugnis kann der Arbeitnehmer ebenfalls den Rechtsschutz vor den Arbeitsgerichten suchen und eine Korrektur eines derartigen Zeugnisses verlangen.

Um eine endgültige Einschätzung der Erfolgsaussichten zu erhalten, sollten Sie einen Anwalt mit der Prüfung und Vertretung Ihrer Interessen beauftragen. Beachten Sie, dass es bei arbeitsrechtlichen Streitigkeiten in der ersten Instanz auch bei Erfolg keinen Anspruch auf Erstattung der dadurch entstehenden Kosten gibt. Möglicherweise können Sie aber Beratungs- oder Prozesskostenhilfe beantragen.

Ich hoffe, Ihnen einen ersten Überblick verschafft zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Matthes
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 13.09.2007 | 16:57

Vielen Dank für die ausführliche Antwort!

Kann ich denn bei meinem Fall, also einer sehr kurzen Beschäfigungsdauer mit einer hohen Abfindung (mehr als ein paar hundert Euro) rechnen? Für mich wäre es keine Alternative, meinen alten Arbeitsplatz zurückzuerhalten, da ich nicht mehr dort arbeiten möchte.
Wie wirkt sich denn ein solches Verfahren für mich auf dem Arbeitsmarkt aus? Werden potentielle Arbeitgeber durch so ein Vorgehen (Klage) abgeschreckt, da ich jetzt gerade auf der Suche nach einem neuen Job bin?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 13.09.2007 | 17:40

Als Richtwert für eine Abfindung kann man ein halbes Bruttomonatsgehalt annehmen pro Beschäftigungsjahr. Es gibt aber regionale Unterschiede; wesentlich sind auch immer die Erfolgsaussichten einer Klage.

In der Regel erfährt der Arbeitgeber von einer Klage nichts, so dass meist auch keine negativen Auswirkungen zu befürchten sind. Eine abschreckende Wirkung ist aber nie ganz auszuschliessen, falls der neue Arbeitgeber im Bewerbungsverfahren Kenntnis erlangt.

Mit freundlichen Grüßen

Bewertung des Fragestellers |


Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Schnelle Beantwortung, klare Aussage, hat mir bei der Entscheidung sehr geholfen. Danke! "
FRAGESTELLER 5/5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60176 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Kompetent und verständlich besten Dank ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Besten Dank!!! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen herzlichen Dank für die ausführliche Beantwortung meiner Frage! ...
FRAGESTELLER