Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.252
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Kündigung auf ärztlichen Rat


22.11.2017 17:31 |
Preis: 40,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Zusammenfassung: Um im Zuge einer Eigenkündigung eine Sperrzeit zu vermeiden, ist es erforderlich, vor dem schfritlichen Ausspruch der Kündigung mit dem Arzt die Sache zu besprechen und von diesem den schriftlichen Rat erhalten zu haben, aus gesundheitlichen Gründen den konkreten Arbeitsplatz aufgeben zu müssen.


Guten Abend,

ich suche Rat zum Thema "Kündigung auf ärztlichen Rat". Da ich in meinem aktuellen Arbeitsverhältnis nicht nur sehr unglücklich bin, sondern dies auch zu einer massiven gesundheitlichen Beeinträchtigung führt (Schlafstörungen, Migräne, Magenschmerzen etc.) denken mein Arzt und ich, dass es Sinn machen würde, wenn ich kündige. Ich möchte aber auf jeden Fall die ALG1-Sperre beim Amt vermeiden, so dass nur eine "Kündigung auf ärztlichen Rat" in Frage kommt. Meine Vorabrecherche hat ergeben, dass es da ein Formular beim Arbeitsamt gibt, dass der behandelnde Arzt quasi als Attest ausfüllen muss um die Notwendigkeit der Kündigung zu dokumentieren und somit die Sperre zu umgehen. Dazu habe ich noch folgende Fragen:

1. Mein Arzt, der für mich wie ein Hausarzt ist und mich seit ich ein Kind bin behandelt, ist Facharzt für innere Medizin und kein richtiger Hausarzt. Könnte es dadurch Probleme damit geben, dass das Arbeitsamt sein Attest für die Notwendigkeit der Kündigung anerkennt?
2. Muss ich sehr lange vorher krank geschrieben sein, damit das Arbeitsamt das anerkennt?
3. Was ist eine kluge Reihenfolge? Erst zum Amt das Formular holen, dann zum Arzt, dann Kündigung beim Arbeitgeber? Ich habe auch gelesen, dass man das Formular unter Umständen erst bekommt, wenn man schon gekündigt hat. Stimmt das?
4. Muss ich sonst irgendetwas dringend beachten?

Vielen Dank und beste Grüße, Erna Schmitt
22.11.2017 | 18:49

Antwort

von


80 Bewertungen
Kurt-Schumacher-Str. 18-20
53113 Bonn
Tel: 02 28/9 57 50 50
E-Mail:
Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Sie haben natürlich Recht, dass es im Falle einer Eigenkündigung ohne wichtigen Grund zu einer Sperrzeit bei der Agentur für Arbeit kommen wird. Und Ihnen ist auch zuzustimmen, dass aus gesundheitlichen Gründen die Möglichkeit besteht, dass "auf ärztlichen Rat hin" die Kündigung ausgesprochen werden kann- und wegen des ärztlichen Anratens ein wichtiger Grund für die Eigenkündigung angenommen wird.

Dennoch sollten Sie ggf. zunächst überlegen, ob es nicht sinnhaft wäre, zunächst sich selbst eine Chance auf Genesung ohne Kündigung zu geben: Wenn Sie arbeitsunfähig erkrankt sind, haben Sie bekanntlich zunächst für 6 Wochen die Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle. Hält die AU (Arbeitsunfähigkeit) an, dann können Sie im Anschluss wegen der Krankheit im Regelfall berechtigter Weise 78 Wochen lang Krankengeld beziehen. Das ist eine gehörige Zeit, um sich ggf. gesundheitlich zu erholen.

Käme es in dieser Zeit zu einer krankheitsbedingten Kündigung durch den Arbeitgeber, dann haben Sie für diese keinen Anlass gegeben und werden auch keine Sperrzeit erhalten, selbst wenn Sie die Kündigung einfach akzeptieren.

Nun zu Ihren 4 Fragen:

1. Mein Arzt, der für mich wie ein Hausarzt ist und mich seit ich ein Kind bin behandelt, ist Facharzt für innere Medizin und kein richtiger Hausarzt. Könnte es dadurch Probleme damit geben, dass das Arbeitsamt sein Attest für die Notwendigkeit der Kündigung anerkennt?

Nein, die fachliche Qualifikation eines Facharztes für innere Medizin genügt, msoweit er seine Feststellungen auf sein Fachgebiet stützt. Wesentlich ist, dass folgendes eingehalten wird, was ich aus einer ärztlichen Quelle aus Sicht des Arztes zitieren darf: "Wichtig ist: Sie müssen in der Patientenakte vermerkt haben, dass Sie mit dem Patienten vor (!) seiner Kündigung über dieses Problem gesprochen haben. Und: Sie müssen das entsprechende Formular der Bundesagentur ausfüllen. Kern des Formulars ist die Zeile: "Ich habe daher am xx empfohlen, die Beschäftigung aufzugeben." (Quelle: Medical Tribune, Kündigung auf ärztlichen Rat – so rechnen Sie ab, Autor: Anouschka Wasner)


2. Muss ich sehr lange vorher krank geschrieben sein, damit das Arbeitsamt das anerkennt?

Nein, es kommt der Agentur für Arbeit bei der Überprüfung alleine darauf an, dass zum Zeitpunkt der Eigenkündigung kein sozialrechtswidriges Verhalten von Ihrer Seite vorliegt. Also, ob Sie am Tag der Kündigung tatsächlich nicht mehr zumutbar die Ihnen übertragenen Arbeiten ausführen konnten. Aus einer bereits länger bestehenden AU ließe sich zwar schließen, dass ein solcher Sachverhalt vorliegt, letztlich wird es jedoch auf Grund der Angaben von Ihnen und dem Facharzt geprüft.

3. Was ist eine kluge Reihenfolge? Erst zum Amt das Formular holen, dann zum Arzt, dann Kündigung beim Arbeitgeber? Ich habe auch gelesen, dass man das Formular unter Umständen erst bekommt, wenn man schon gekündigt hat. Stimmt das?

Das Formular müssen Sie sich vor Ausspruch der Kündigung bei der Agentur für Arbeit beschaffen- und es auch dem Arzt vor der Kündigung zum Ausfüllen überlassen. Damit steht diese Reihenfolge fest. Leider habe ich es soeben nicht als download bei der Agentur gefunden- jedoch ist es stets erlaubt, bei der Agentur bereits im Vorfeld eines Sachverhaltes die Formulare zu erhalten.

4. Muss ich sonst irgendetwas dringend beachten?

Zu dieser Frage waren meine eingangs dargelegten Gedanken gedacht. Zu prüfen wäre, wie weitreichend Ihre gesundheitliche Einschränkung ist und ob es ggf. notwendig wäre, weitere Sozialträger einzuschalten. Hierüber wird aber die Agentur aufklären, falls Sie dauerhaft in der Leistungsfähigkeit eingeschränkt wären.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Hans-Jochen Boehncke
Fachanwalt für Arbeitsrecht

ANTWORT VON

80 Bewertungen

Kurt-Schumacher-Str. 18-20
53113 Bonn
Tel: 02 28/9 57 50 50
E-Mail:
RECHTSGEBIETE
Fachanwalt Arbeitsrecht, Gesellschaftsrecht, Miet und Pachtrecht, Vertragsrecht, Verkehrsrecht
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60143 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Sehr schnelle und hilfreiche Antworten. Kompetent und freundlich. So wünscht man es sich als Mandant. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Sehr hilfreiche Informationen. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen Dank für die schnelle und ausführliche, sehr gute Antwort. ...
FRAGESTELLER