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Kratzer auf Motorhaube durch Kinder


09.10.2006 07:35 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Jens Jeromin



Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich habe folgendes Problem. Ich wohne in einem Mietshaus, bei dem sich der Parkplatz direkt vorm Haus gleich neben einer wenig befahrenen Straße befindet. Kinder meiner Nachbarin haben, ohne das ich direkt Zeuge des Vorganges gewesen bin, auf der Motorhaube meines Autos Bilder mit dem angefeuchteten Finger gemalt. Was jetzt nicht so gravierend klingt, allerdings war der Wagen ungewaschen und man weiß ja was passiert wenn man dann auf dem Lack herum malt. Der Schmutz zwischen Finger und Lack wirkt dann wie ein Sandpapier. Der Lack wurde jedenfalls nachhaltig geschädigt, man sieht ein „schönes Bild“, was richtig in den Lack gekratzt ist. Laut Lackierer befinden sich diese Kratzer in der Farbschicht des Lackes und nicht mehr in der Klarschicht darüber, was bedeutet, dass diese Kratzer nicht mehr durch Polieren wegzubekommen sind, sondern die Motorhaube muss komplett neu lackiert werden um den Schaden zu beheben.

Daraufhin hat das Kind (8J.) unter Zeugen die Tat zugegeben und die Versicherung (OVAG) der Nachbarin wurde eingeschaltet. Diese übernimmt aber die Kosten nicht (ca.350,-Eur) mit der Mitteilung, dass mit dem Finger keine Kratzer auf dem Lack entstehen könnten. Räumt mir aber ein, einen Gutachter darauf anzusetzen welchen ich aber selbst zahlen muss. Die Nachbarin stellt sich quer die Kosten für den Gutachter zu teilen oder sonst sich irgendwie an dem Schaden zu beteiligen. Ihre Aussage lautet:“ Wenn meine Versicherung das nicht zahlt, ich zahle es erst recht nicht!“
Sie hält sich auch daran fest, dass an der Motorhaube ja auch Steinschläge wären, die nach einer Lackierung weg sind. Also das an der Moorhaube „Vorschäden“ wären.
Der Wagen ist ca. 4 Jahre alt und Steinschläge an der Motorhaube sind im normalem Maß vorhanden. Also nichts außergewöhnliches, normale Autobahnfahrtsteinschläge. Zumal ich ja auch nicht vorhatte die Motorhaube deswegen zu lackieren. Wenn die Steinschläge nach Beseitigung des Schadens der Kinder weg sind, da die Haube ja komplett lackiert werden muss, ist das ja nicht meine Schuld.

Nun meine Fragen:

Kann ich den Gutachter selbst wählen um ein Gutachten ausstellen zu lassen? (Ich nehme an, Hauptsache er ist neutral. Ich möchte nur keinen der Versicherung in Anspruch nehmen, da diese sicher teurer sind und vielleicht eher im Interesse der Versicherung entscheiden.)

Kann ich die Frau, falls die Versicherung sich trotzdem quer stellt, in irgendeiner Art haftbar machen, dass sie den Schaden aus eigener Tasche zahlen muss? Oder muss ich mich der Aussage zufrieden geben, dass sie nichts bezahlt. (Gilt es nicht, Eltern haften für Ihre Kinder?)

Würde der Gutachter die Steinschläge als „Vorschäden“ bezeichnen?

Was wäre der nächste Schritt für mich, egal wie das Gutachten ausfällt?


Vielen Dank für Ihre Mühe,

MfG

-- Einsatz geändert am 09.10.2006 08:14:16

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Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank, sowohl für Ihre Anfrage, als auch für die verständnisvolle Erhöhung Ihres Einsatzes.

Sie können selbstverständlich einen eigenen Gutachter wählen, dass von einem Versicherer empfohlene oder zur Begutachtung geschickte Gutachter eine gewisse Nähe zu diesem Versicherer haben, liegt auf der Hand. Rechnen sollte Sie aber -grob geschätzt- mit Gutachterkosten ab 200 €.

Falls sich der Haftpflichtversicherer weiterhin weigert zu regulieren, müssen Sie sich sogar an den Schädiger wenden, da ein Direktanspruch gegen allgemeine Haftpflichtversicherer nicht besteht. Dieser führt zwar Korrspondenz mit Ihnen, Klagegner wäre aber der Schadensverursacher. Anspruchsgegner wäre daher das Kinde, vertreten durch seine Erziehungsberechtigten. Denn Kinder, die das siebte Lebensjahr vollendet haben, können selbst zur Verantwortung gezogen werden. Die Haftung des Kindes entfällt nur dann, wenn im Schadenfall die erforderliche Einsicht des Kindes fehlte.

Käme man, was immer eine Frage des Einzelfalles unter Bercksichtigung des Entwicklungsstadiums des Kindes ist, zur fehlenden Einsicht, hat der, der die Aufsicht über ein Kind führt, den Schaden zu ersetzen, den das Kind verursacht, § 832 BGB. Hier muss aber eine Verletzung der Aufsichtspflicht nachgewiesen werden, die sich nicht schon daraus ergibt, dass ein Kind allein gespielt hat. Auch hier ist wieder auf die Umstände des Einzelfalls bezogen zu Fragen: wie entwickelt war das Kind, was durften die Eltern ohne Aufsicht gestatten ?

Hinsichtlich der Steinschläge würde der Gutachter diese feststellen und sodann beurteilen ob eine Lackierung eine Wertverbesserung darstellen würde, da ja auch "Altlasten" behoben wurden. An dieser Wertverbesserung müssten Sie sich beteiligen. Bei einem Gesamtschaden von 350 € an einem vier Jahre alten Fahrzeug halte ich dies erfahrungsgemäß allerdings für unrealistisch.- die endgültige Feststellung obliegt aber naturgemäß dem Gutachter.

Stellt sich auch der von Ihnen beauftrage Gutachter auf den Standpunkt der Gegenseite, stehen die Chancen für eine erfolgreiche Durchsetzung der Ansprüche denkbar schlecht.

Generell müssten Sie das Gutachten zum Versicherer schicken und eine Regulierungsfrist setzen, bei Fristablauf machen Sie dies ebenso mit Ihren Nachbarn, da diese Klagegegner sind.

Nach erfolglosem Fristablauf kann der Rechtsstreit dann im Klageverfahren entschieden werden.

Ich hoffe Ihnen auf diesem Weg eine erste rechtliche Orientierung ermöglicht zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Jens Jeromin
Rechtsanwalt
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