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Krankheit in Arbeitszeugnis

| 03.07.2010 12:33 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Silke Jacobi


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich war bis 30.06.10 als technische Angestellte befristet für zwei Jahre eingestellt. Leider war ich während dieser Zeit häufiger und für längere Zeit krank. Insgesamt etwas über sechs Monate. Heute erhielt ich mein Arbeitszeugnis, das für mich nicht gut aussieht.
Zunächst stehen im einleitenden Absatz Beschäftigungsdauer und Ort, mit dem Hinweis darauf, dass ich meine wöchentliche Arbeitszeit seit dem 1.1.10 auf 30 Stunden wöchentlich reduziert habe. Dies entspricht zwar den Tatsachen, aber darf diese Bemerkung im Zeugnis stehen oder habe ich Chancen darauf, dass dieser Satz aus dem Zeugnis gestrichen wird? Ich werte diesen Satz als Hinweis auf meine Krankheit.

Weiterhin heißt es, dass mein Arbeitstempo "angemessen" war. Mein Vorgesetzter hat mir jedoch mehrmals erklärt, dass ich sehr schnell bin. Deswegen werte ich diese Aussage auch als Hinweis auf meine Krankheitszeit. Insgesamt habe ich die Leistungsnote "zur vollen Zufriedenheit" erhalten. Mein Chef hat mich jedoch mehrere Male wegen meiner Leistungen gelobt. Die Aussagen im Zeugnis passen also nicht zu den Äußerungen meines Vorgesetzten. Gibt es auch hier eine Möglichkeit, mein Zeugnis aufzuwerten?

Herzlichen Dank für Ihre Anwort!

Sehr geehrte Ratsuchende,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich anhand Ihrer Angaben im Rahmen einer Erstberatung auf diesem Portal gern wie folgt beantworte.

Generell gilt, dass ein Arbeitszeugnis zwar wahrheitsgemäß aber gleichzeitig auch wohlwollend ausgestellt werden muss. Der Arbeitgeber muss also das Zeugnis so formulieren, dass dem ausscheidenden Mitarbeiter das berufliche Fortkommen nicht (unnötig) erschwert wird. Deshalb sind negative Beurteilung nur im engen Rahmen angebracht.

Um einer ungerechtfertigten Schlechtbeurteilung im Zeugnis entgegen zu treten, hat der Arbeitnehmer aus § 611 BGB einen Anspruch darauf, dass ein Arbeitszeugnis berichtigt wird, wenn die Beurteilungen nachweislich falsch sind. Dabei ist grundsätzlich jeder Punkt im Arbeitszeugnis angreifbar und korrigierbar. Wenn also die Beurteilung im Arbeitszeugnis nicht dem entspricht, wie Sie bislang von Ihrem Vorgesetzten beurteilt wurden, bestehen grundsätlich recht gute Aussichten, das Zeugnis korrigieren zu lassen.

Tatsächlich sind die von Ihnen genannten Formulierungen im Arbeitszeugnis nicht von Vorteil für Sie und lassen eher negative Schlüsse auf Ihre Arbeitsergebnisse oder -einstellung zu.

1. Herabsetzung der wöchtentlichen Arbeitszeit

Die Ausführungen über die Kürzung der Arbeitszeit sind zwar nicht gänzlich unzulässig, öffnen allerdings Tor und Tür für Fragen des künftigen Arbeitgebers weshalb diese Kürzung vorgenommen wurde. Die Gefahr einer negativen Beurteilung durch einen neuen Arbeitgeber ist durch diese Formulierung also recht hoch. Wenn die Erwähnung der Herabsetzung der wöchentlichen Arbeitszeit ausnahmsweise unverzichtbar wäre, sollte zumindest ein konkreter Grund angegeben werden, der nicht auf ihr Verhalten zurückzuführen ist - in der Regel also betriebliche Gründe.

Wenn diese betrieblichen Gründe bei Ihnen nicht angegeben werden können - wofür nach Ihrer Schilderung einiges spricht - ist m. E. diese Passage komplett aus dem Zeugnis zu streichen.

Für Krankheiten gilt, dass diese sowie die krankheitsbedingten Fehlzeiten grundsätzlich nicht im Zeugnis zu erwähnt werden dürfen. Nur wenn die krankheitsbedingten Fehlzeiten außer Verhältnis zur Arbeitsleistung stehen, ist die Erwähnung dieser Zeiten im Punkt "Dauer der Beschäftigung" ausnahmsweise zulässig (vgl. LAG Sachsen, Urt. vom 30.01.1996 - 5 Sa 996/95). Außer Verhältnis stehen Krankheitszeiten grundsätzlich dann, wenn sie etwa die Hälfte der Beschäftigungszeiten ausmachen. Auch eine Umschreibung krankheitsbedingter Ausfälle ist nach der Rechtsprechung im Zeugnis zu unterlassen.

In Ihrem Fall dürften die krankheitsbedingten Fehlzeiten noch nicht als unverhältnismäßig gelten, so dass jegliche Anspielung auf Krankheitszeiten im Zeugnis zu unterlassen ist. Eine Anspielung auf krankheitsbedingte Fehlzeiten oder Herabsetzung der Arbeitszeit ist daher aus dem Zeugnis zu entfernen.


2. "angemessenes Arbeitstempo"

Diese Beurteilung ist ebenfalls als negativ zu bewerten. Diese Formulierung lässt den Schluss zu, dass Sie sich bei der Erledigung der Aufgaben entweder zu viel Zeit gelassen haben oder dass Sie mit der Erledigung der Aufgaben überfordert waren und deshalb mehr Zeit benötigten als andere Mitarbeiter. Die Formulierung "angemessenes Arbeitstempo" dürfte in etwa der Schulnote ausreichend entsprechen.

Hier sollte also unbedingt eine Korrektur vorgenommen werden, die den bisherigen Einschätzungen des Vorgesetzten und den Tatsachen entspricht. Denkbar wären z. B. Formulierungen, dass die Aufgaben zügig, verlässlich und mit guten/sehr guten Ergebnissen erledigt wurden. Dies würde in etwa einer Bewertung zwischen sehr gut und gut entsprechen. Sie müssten allerdings nachweisen können, dass Ihre Arbeitsleistungen tatsächlich besser waren als "ausreichend".


3. "zur vollen Zufriedenheit"

Diese Formulierung entspricht der Schulnote eines mittleren bis unterem befriedigend. Wie Sie richtig erkannt haben, ist also auch diese Bewertung für Sie eher nachteilig.

Eine Bewertung mit "stets zur vollen Zufriedenheit" (Note gut) oder "stets zur vollsten Zufriedenheit" (Note sehr gut) sollte angestrebt werden, wenn dies den bisherigen Beurteilungen des Vorgesetzten entspricht.

Insgesamt sollten Sie also Verlangen, dass das Zeugnis berichtigt wird. Sie müssten dazu die konkreten Passagen rügen und insoweit ausdrücklich um eine Berichtigung bitten. Die Einwendungen und die Bitte um Berichtigung sollten aus Beweiszwecken unbedingt schriftlich an den Arbeitgeber gerichtet werden. Zur Begründung des Berichtigungsanspruchs können Sie sich wegen der Anspielungen auf Krankheit und krankheitsbedingte Fehlzeiten auf die gängige Rechtsprechung berufen. Bezüglich der Bewertung Ihrer Arbeitsleistung müssten Sie allerdings im Zweifel beweisen, dass die Beurteilungen zu schlecht oder falsch sind. Dies wäre z. B. anhand von deutlich besseren Zwischenzeugnissen, Beurteilungsbögen oder aber durch eine möglichst schriftliche Einschätzung des Vorgesetzten, der Sie bislang stets lobte, möglich.

Soweit das Zeugnis fehlerhaft ist, muss der Arbeitgeber das Zeugnis berichtigen. Der Berichtigungsanspruch ist notfalls gerichtlich durchsetzbar. Es gibt damit in der Regel recht gute und zuverlässige Möglichkeiten, gegen ein ungerechtfertigt schlechtes Arbeitszeugnis erfolgreich vorzugehen, wenn eben die Falschbeurteilung hinreichend nachgewiesen werden kann.

Sollte Ihr Arbeitgeber Ihren Berichtigungswunsch ablehnen, sollten Sie das gesamte Zeugnis sowie die Ablehnung der Berichtigung noch einmal anwaltlich prüfen lassen, damit ggf. gerichtlich der Berichtigungsanspruch durchgesetzt werden kann.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meiner Antwort einen ersten Überblick über die rechtlichen Möglichkeiten und eine Hilfestellung für das weitere Vorgehen geben.

Mit freundlichen Grüßen

Silke Jacobi
Rechtsanwältin








Bewertung des Fragestellers 05.07.2010 | 19:49

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