Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Krankenschein aus Deutschland & Anerkennung in der Schweiz

| 16.06.2011 14:11 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Ich arbeite in der Schweiz (Zürich) seit 01.01.2011 und habe auch einen Wohnsitz in der Schweiz. In Deutschland habe ich einen Wohnsitz in Hamburg, wo auch meine Frau wohnt und wo wir eine gemeinsame Mietwohnung haben und hatten. Seit Anfang April durfte ich 40% der Arbeitszeit von Hamburg aus als HomeOffice tätigen und 60% in Zürich. Das wurde auch so schriftlich festgehalten.
Seit 17.05.2011 war ich in der Schweiz Krank gemeldet (mögliche Burn Out Syndrome) für den Zeitraum 17.05.11 bis 24.05.2011.Weil es um mögliche Burnout Syndrom handelte (eine Krankheit, die eventuell eine Therapie braucht und lange Zeit), dann habe ich entschieden nach Hamburg zurückzukommen und in Hamburg eine Psychiaterin zu suchen. Ich war Antriebslos, Depressiv, Erschöpft und in Hamburg kümmert sich meine Frau um mich und ich konnte Arzt meines Vertrauens und in der Nähe aussuchen. In Hamburg wurde es auch festgestellt, dass ich schwere Depression (BurnOut) habe. In Hamburg hat mich die Psychiaterin für den Zeitraum 24.05.11-17.06.11 Krank geschrieben. Beide Krankenscheine habe ich an Arbeitgeber weitergeleitet.
Der Arbeitgeber teilte mir am 14.06.11 mit, dass ich dann Versicherungsanspruch für die Lohnfortzahlung verliere. Für die Versicherung zählen nur Krank-Tage in der Schweiz.
Ich war am 16.06 (heute) bei der Psychiaterin und bin jetzt für den Zeitraum bis 15.07.11 Krank geschrieben.

Fragen:
1) Gilt der Krankenschein aus Deutschland nicht in der Schweiz?
2) Hat der Arbeitgeber/ deren Versicherung recht oder müssen Sie den Krankenschein akzeptieren?
3) Kann ich mich in der Schweiz rückwirkend Krank schreiben lassen?

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

Sehr geehrte(r) Fragesteller(in),

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Ich möchte diese anhand des geschilderten Sachverhaltes im Rahmen dieser Erstberatung wie folgt beantworten:

Zu 1) Gilt der Krankenschein aus Deutschland nicht in der Schweiz?

Grundsätzlich gilt der deutsche Krankenschein auch in der Schweiz so wie jeder ausländische Krankenschein in einem anderen Land Gültigkeit besitzt. Es kommt dabei lediglich bezüglich des Nachweises der Arbeitsunfähigkeit darauf an, dass das insoweit aus Sicht Ihres Arbeitgebers im Ausland ausgestellte ärztliche Attest auch den Anforderungen an die jeweiligen inländische Bescheinigungen entspricht. In dieser müssen in erster Linie nachvollziehbare Angaben enthalten sein, welche belegen, dass eine Erkrankung vorliegt, welche zur Arbeitsunfähigkeit führt. Das Ganze ist also keine grundsätzliche Frage der gegenseitigen Anerkennung der unterschiedlichen Länder untereinander, sondern vielmehr eine Frage des Beweiswertes der jeweiligen Bescheinigung für die Arbeitsunfähigkeit. Die Rechtsprechung geht dabei grundsätzlich davon aus, dass eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, die von einem ausländischen Arzt ausgestellt wird, erst einmal den gleichen Beweiswert genießt wie eine im Inland ausgestellte, es muss aber aus dieser zu erkennen sein, dass auch der ausländische Arzt zwischen einer bloßen Erkrankung und einer mit Arbeitsunfähigkeit verbundenen Krankheit unterschieden hat.

Zu 2) Hat der Arbeitgeber/ deren Versicherung recht oder müssen Sie den Krankenschein akzeptieren?

Grundsätzlich nein. Denn es konmmt wie schon aufgezeigt nicht darauf an, wo Sie krank geworden, sondern erst einmal nur, dass Sie es und darauf basiertend arbeitsunfähig sind, was sich genau aus der Bescheinigung ergeben muss. Der Krankenschein allein oder aber auch ein ärztliches Attest genügen eben nicht in jedem Fall als Beweis der Arbeitsunfähigkeit. Der Arbeitgeber bzw. die Versicherung haben insoweit zumindest die Möglichkeit, die Arbeitsunfähigkeit und die Beweiskraft des Attests anzuzweifeln, sofern dies den unter 1) schon aufgezeigten Kriterien nicht entspricht oder sich diese nicht eindeutig aus dieser ergeben. Dies wird bei Ihnen hier wohl der Fall und das eigentliche Problem sein. Im Zweifelsfall sollte und muss daher zusätzlich zu dem allgemeinen Krankenschein ein ärztliches Attest eingeholt und vorgelegt werden, aus welchem sich zweifelsfrei für den Arbeitgeber ergibt, dass der behandelnde Arzt zwischen einer bloßen Erkrankung und einer mit Arbeitsunfähigkeit verbundenen Krankheit unterschieden hat. Genügt das Attest diesen Anforderungen, müssen der Arbeitgeber und die Versicherung die Arbeitsunfähigkeit anerkennen und somit dann auch Lohnfortzahlung leisten.

Zu 3) Kann ich mich in der Schweiz rückwirkend Krank schreiben lassen?

Wie schon aufgezeigt kann es sein, dass der Krankenschein allein oder selbst ein ärztliches Attest nicht immer als Beweis der Arbeitsunfähigkeit gelten. Hierunter fallen insbesondere auch Atteste, die ein Arzt allein aufgrund der Schilderung eines Patienten ohne den Patienten selber gesehen zu haben, ausstellen würde. Ebenso verhält es sich mit zurückdatierten ärztlichen Attesten, diese haben insoweit nicht die aufgezeigte Beweiskraft. Selbst wenn Sie es also könnten bzw. einen Arzt finden würden, welcher hierzu bereit wäre, wird Ihnen folglich eine rückwirkende Krankschreibung aus diesem Grund nichts nützen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen ersten Überblick verschaffen und meine Ausführungen helfen Ihnen weiter. Ansonsten wünsche ich noch einen schönen Tag und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen


Thomas Joschko
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 16.06.2011 | 20:17

Hallol Herr Joschko,

danke für die ausführliche Antwort. Mir ist Punkt 2 nicht einleuchtend.

Interpretiere ich den Satz richtig "Genügt das Attest diesen Anforderungen, müssen der Arbeitgeber und die Versicherung die Arbeitsunfähigkeit anerkennen und somit dann auch Lohnfortzahlung leisten".

MÜSSEN mein Arbeitgeber & deren Versicherung in der Schweiz ein Attest anerkennen, wenn meine Psychiaterin ein Attest mit Erklärungen/ Hinweis erstellt, dass ich wirklich Arbeitsunfähig bin?

Wenn ich den Punkt 1 und 3 lese, ist mir nicht klar, ob dann eine Krankmeldung in der Schweiz besser ist als eine Deutsche? Beziehungsweise, jetzt wird es auch keinen Sinn machen in die Schweiz hin zu fahren und in der Schweiz Krank zu melden?

Danke im Voraus!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 17.06.2011 | 04:16

Sehr geehrte(r) Fragesteller(in),

gern beantworte ich Ihre Nachfrage noch wie folgt:

Sie haben das grundsätzlich richtig verstanden. Zur Klarstellung ist lediglich nochmals darauf hinzuweisen, dass sich aus der Bescheinigung ergeben muss, dass zwischen einer bloßen Erkrankung und einer mit Arbeitsunfähigkeit verbundenen Krankheit unterschieden worden ist, was angesichts des grundsätzlich anonymisierten Inhalts des deutschen Krankenscheins sicherlich nicht ohne Weiteres der Fall ist. Außerdem muss die Bescheinigung insoweit den Schweizer Anforderungen an eine dortige AU-Bescheinigung entsprechen. Beides müssten Sie im Zweifel nochmals gemeinsam mit Ihrem Arzt eruieren und sich von diesem dann ggf. ein zusätzliches, dies erläuterndes Attest ausstellen lassen. Dies werden dann wie Sie schon richtig erkannt haben, Arbeitgeber & deren Versicherung in der Schweiz akzeptieren müssen. Sicherlich wäre es einfacher gewesen du auch für die Zukunft ratsam, zur Vermeidung derartiger Probleme sich gleich von einem Schweizer Arzt eine AU-Bescheinigung ausstellen zu lassen. Im Moment wird Ihnen dies wie aufgezeigt aber nichts nützen, da dies eben auf eine rückwirkende Krankschreibung hinauslaufen würde, was eben nicht die erwähnte Beweiskraft hätte. Allerdings können Sie sich natürlich aktuell und für die Zukunft gleich in der Schweiz weiter krankschreiben lassen bzw. die bisherige Krankschreibung bei Bedarf dort verlängern lassen, was sicherlich der einfachere Weg wäre.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Joschko
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 17.06.2011 | 09:47

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"sehr gut. To the Point."
Stellungnahme vom Anwalt:
FRAGESTELLER 17.06.2011 5/5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 67854 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
RA Winkler beleuchtete meine Frage in allen Aspekten gründlich, schnell und professionell. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Herr Geike ist gut auf meine Frage eingegangen und hat diese verständlich beantwortet. Zudem hat er auch meine Nachfrage bestens beantwortet. Vielen Dank! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen Dank nochmals. Damit fällt mir ein Stein vom Herzen. Als Rentner mit Aufstockung hätte ich eine Nachzahlung von mehreren Jahren nicht begleichen können. ...
FRAGESTELLER