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Krankenhausaufenthalt - unbekannte Medikamentengabe


| 28.11.2006 18:18 |
Preis: ***,00 € |

Medizinrecht



Guten Tag,

meine 80jährige Mutter war vor kurzem auf Anraten des Hausarztes zwecks einer Neueinstellung der Medikamentendosierung für einige Tage im Krankenhaus. Der Aufenthalt gestaltete nicht sonderlich erfreulich.

Nach ihrer Aussage wurden meiner Mutter dort zahlreiche Medikamente (etwa doppelt so viele Tabletten wie sonst üblich) verabreicht, bei denen sie zuvor nicht über Art und Wirkungsweise dieser Präparate aufgeklärt wurde. Nach Einnahme einiger dieser Tabletten habe sie sich wie noch nie zuvor schwach, schläfrig und zeitweilig geistig desorientiert gefühlt. Deswegen sei sie auch nicht imstande gewesen, mit mir telefonisch Kontakt aufzunehmen - was das Krankenhaus von sich aus im übrigen auch nicht tat. Ich habe den Verdacht, daß es sich bei diesen Tabletten möglicherweise um Schlaf- oder Beruhigungsmittel gehandelt haben könnte, die bekanntlich bei alten Menschen schwerwiegende Folgen und Nebenwirkungen haben können.

Es ist zwar glücklicherweise kein weitergehender Schaden entstanden, ich möchte diese Sache jedoch nicht einfach auf sich beruhen lassen.

1) Sehe ich es richtig, daß eine Verabreichung von Medikamenten nur mit Zustimmung und vorheriger Aufklärung des Patienten über Wirkung, Risiken und mögliche Nebenwirkungen zulässig ist, zumindest was neue Medikamente betrifft (meine Mutter ist geistig rege und voll geschäftsfähig, die zeitweilige Desorientiertheit war offenbar Folge der Medikamentengabe)?

2) Muß eine Medikamentengabe in der Patientenakte genau nach Art, Dosierung usw. dokumentiert werden, so daß meine Mutter oder ich (als ihr Generalbevollmächtigter) nachträglich darüber Auskunft verlangen können? Dies habe ich nämlich als nächstes vor, ehe ich über weiteres entscheide.

Vielleicht können Sie mir noch generell einen kurzen Rat geben, wie man in so einer Situation am sinnvollsten weiter vorgeht (Beschwerde bei der Leitung des Krankenhauses oder dem Träger?). Die Betonung liegt dabei auf "sinnvoll", denn es ist meiner Mutter und mir ja nicht damit geholfen, wenn man die Sache zwar "an die große Glocke hängt", sie letztlich aber nur im Sande verläuft und Ärger einbringt.

Vielen Dank.

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Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich aufgrund Ihrer Angaben gern wie folgt beantworten möchte.

Wenn die Medikation geändert wird, ist der Patient hierüber aufzuklären. Er muss in einem solchen Fall über die Dosis, etwaige Unverträglichkeiten und unerwünschten Nebenfolgen eines Medikaments aufgeklärt werden. Dies gilt umso mehr im Krankenhaus, da dort dem Patienten in der Regel kein Beipackzettel zur Verfügung steht, sondern ihm allein die Tabletten ausgehändigt werden. Dabei gilt der Grundsatz: Je gefährlicher ein Präparat ist, desto umfassender sind die darüber bestehenden Instruktionsverpflichtungen.

Die Dokumentationspflicht umfasst neben der Anamnese und der Diagnostik auch die Therapie. In § 15 der Berufsordnung für die Ärzte ist die grundlegende Dokumentationspflicht kodifiziert. Im Krankenhaus wird daher regelmäßig auch die genaue Medikation festzuhalten sein.

Dem Patienten steht dabei grundsätzlich das Recht zu, jederzeit kostenfrei Einsicht in die Krankenakte zu erhalten. Dies gebietet bereits das ihm als Ausfluss aus Artikel 2 I i.V.m. Art. 1 Grundgesetz zustehende informationelle Selbstbestimmungsrecht. Dieses Recht können Sie als Bevollmächtigter für Ihre Mutter wahrnehmen. Sie sollten daher zunächst Einsicht in die im Krankenhaus geführte Dokumentation / Krankenakte nehmen. Eine Begründung müssen Sie dafür nicht angeben und zur Kasse bitten darf Sie hierfür auch niemand.

Wenn Sie Bedenken gegen die dort angegebene Medikation haben, können Sie sich beim Krankenhausträger hierüber beschweren. Möglicherweise gibt es dort eine Beschwerdestelle.

Zudem gibt es die Möglichkeit, sich mit einer Beschwerde gegen den anordnenden Arzt an die zuständige Ärztekammer zu wenden. Diese wird dann entscheiden, ob bzw. welche weitere Schritte sie gegen den Verantwortlichen einleitet.

Ein Anspruch auf Schmerzensgeld wäre zumindest dann nicht ausgeschlossen, wenn die verabreichten Medikamente sich nicht mehr im medizinisch vertretbaren Rahmen der gebotenen Medikation gehalten haben. Hierfür können bei den Ärztekammern eingerichtete Gutachter- bzw. Schlichtungskommissionen angerufen werden.

Abschließend bitte ich zu beachten, dass diese Antwort zwar alle wesentlichen Aspekte des von Ihnen geschilderten Falles umfasst, jedoch daneben Tatsachen relevant sein könnten, die möglicherweise zu einem anderen Ergebnis führen könnten. Verbindliche Auskünfte sind nur im Rahmen einer Mandatserteilung möglich.

Ich hoffe, Ihnen zunächst eine erste rechtliche Orientierung ermöglicht zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Tobias Kraft
Rechtsanwalt
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