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Krankengeld: Bin gezwungen Wiedereingliederung abzubrechen und voll zu arbeiten?


23.07.2005 13:18 |
Preis: ***,00 € |

Sozialrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Sehr geheehrter Rechtsanwalt,

ich habe ein Frage an Sie und hoffe, dass Sie mir weiterhelfen können. Ich habe heute einen Brief von meiner Krankenkasse, der AOK Bayern bekommen, der mich sehr beunruhigt.
Ersteinmal erkläre ich Ihnen die Vorgeschichte:
Ich habe 2002 den 2. Herzinfarkt gehabt und bin seitdem öfter krank auch wegen psychischer Probleme. Seite 07. Februar 2005 bin ich durch meinen Psychiater krankgeschrieben und mache seit 27.06.2005 einen Arbeitsversuch mit 3 Stunden täglich in der Wiedereingliederung. Da ich beim öffentlichen Dienst arbeite bekomme ich 26 Wochen Lohnfortzahlung und somit endet meine Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber am 08.08.2005.
Somit müsste ab diesen Zeitpunkt die AOK Krankengeld zahlen, da ich ja in der Wiedereingliederung weiter krankgeschrieben bin.
Heute wurde mir in einem Brief der AOK mitgeteilt, dass ich von 08.08.2005 bis 18.08.2005 Krankengeld durch die AOK bekomme und dann endet die Krankengeldzahlung und auch die Mitgliedschaft bei der AOK. Als Begründung wird angegeben, dass ich in den letzten 3 Jahren bereits 536 Tage krank war und mir nur 78 Wochen also 546 Tage Krankengeld zustehen.
Da ich aber in den ganzen Krankheitszeiten immer Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber bekommen habe, wurde mir bis heute kein Cent Krankengeld durch die AOK bezahlt.
Meiner Meinung nach widerspricht sich das, wenn die AOK schreibt ich habe Anspruch auf 78 Wochen Krankengeld und dann wird mir die Zeit angerchnet wo ich zwar krank war, aber kein Krankengeld bezogen habe. Es wird ja bis 07. August sogar noch der Krankenkassenbeitrag bezahlt!
Damit werde ich praktisch gezwungen die Wiedereingliederung abzubrechen und voll zu arbeiten, da ich sonst kein Geld mehr bekomme und auch keinen Versicherungsschutz mehr habe, weil man mich aus der Krankenkasse wirft. Ich kann mir nicht einmal mehr meine Lebensnotwendigen Medikament verschreiben lassen, die ich ja als Herzkranker brauche. Auch die Möglichkeit der Wiedereingliederung wird mir genommen auf Kosten meiner Gesundheit. Ist das Gesetz, ist das sozial?
Bitte sagen Sie mir, ob das so richtig ist und wo ich mich hinwenden kann. Falls es richtig ist, wo soll ich dann Geld bekommen? Das Sozialamt wird kaum für mich zahln, ich bin ja noch berufstätig und nicht arbeitslos!
Wie kann man so mit Kranken umspringen, ich soll die Widereingliedrung machen und habe dann nicht einmal mehr das Fahrgeld. Aber man bietet mir an mich freiwillig bei der AOK zu versichern, aber mit welchem Geld saget mir die AOK nicht!

Vielen herzlichen Dank im Vorraus für Ihre Anwort!
23.07.2005 | 14:44

Antwort

von


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Sehr geehrter Ratsuchender,

Ihre Anfrage möchte ich wie folgt beantworten:

Grundsätzlich gibt es Krankengeld wegen derselben Krankheit längstens 78 Wochen (546 Kalendertage) innerhalb von je 3 Jahren ab Beginn der Arbeitsunfähigkeit.

Zu berücksichtigen ist hierbei aber der § 48 Abs.3 SGB V:
"Bei der Feststellung der Leistungsdauer des Krankengeldes werden Zeiten, in denen der Anspruch auf Krankengeld ruht oder für die das Krankengeld versagt wird, wie Zeiten des Bezugs von Krankengeld berücksichtigt. Zeiten, für die kein Anspruch auf Krankengeld besteht, bleiben unberücksichtigt."

Das bedeutet, Zeiten, in denen der Anspruch auf Krankengeld zwar theoretisch besteht, aber tatsächlich ruht oder versagt wird, werden wie Bezugszeiten von Krankengeld angesehen (§ 48 Abs. 3 SGB V).

Wenn also Ihr Arbeitgeber bei Arbeitsunfähigkeit Ihr Arbeitsentgelt bis zu 26 Wochen weiter zahlt(§ 3 EntgeltfortzahlungsG), heißt das: Der Anspruch auf Krankengeld besteht zwar, aber er ruht (§ 49 Abs. 1 SGB V). Erst danach gibt es Krankengeld. Die 26 Wochen Entgeltfortzahlung werden aber wie Krankengeld-Bezugszeiten behandelt. Da Sie also bisher 536 Tage (76,5 Wochen) in den letzten drei Jahren krank gewesen sind, haben Sie nur Anspruch für ca. 1 1/2 Wochen Krankengeld (78 Wochen abzüglich 76,5 Wochen = ca. 1 1/2 Wochen).

Die hat leider für Sie auch zur Folge, dass mit dem Ende des Anspruchs auf Krankengeld, die Krankenkasse Sie aussteueren kann, da Sie den Anspruch auf Krankengeld voll ausgeschöpft haben und noch immer arbeitsunfähig sind. In diesem Fall endet dann Ihre Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Wie die AOK Ihnen richtig mitgeteilt hat, haben Sie nur die Möglichkeit, sich freiwillig zu versichern.

Trotzdem rate ich Ihnen, aufgrund Ihrer besonderen Situation einen Fachanwalt für Sozialrecht aufzusuchen und Ihren künftigen Versicherungsschutz zu klären.

Ich hoffe, Ihnen trotzdem weitergeholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Marcus Alexander Glatzel
Rechtsanwalt


Rechtsanwalt Marcus Alexander Glatzel, Dipl.-Jur.

Nachfrage vom Fragesteller 23.07.2005 | 17:33

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt,

vielen Dank für Ihre Antwort.
Ich habe noch eine kurze Nachfrage. Sie schreiben in Ihrer Antwort, dass es Grundsätzlich Krankengeld wegen derselben Krankheit längstens 78 Wochen gibt. In den letzten 3 Jahren war ich jedoch nicht immer wegen der selben Krankheit erkrankt.
Gerade bei der Krankheit, wo ich seit 07.02.2005 erkrankt bin und jetzt in der Wiedereingliederung bin handelt es sich um eine andere Krankheit. Spielt es eine Rolle, ob es dieselbe oder verschiedene Krankheiten sind? Die AOK schreibt, dass es keine Rolle spielt, wenn zu den ursprünglichen Krankheiten noch andere hinzukommen. In Ihrer Antwort steht jedoch derselben Krankheit!

Vielen Dank!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 24.07.2005 | 12:41

Sehr geehrter Ratsuchender,

Nach dem Gesundheits-Reformgesetz von 1989 haben sich die Voraussetzungen für den Bezug von Krankengeld verschärft. Daher spielt es leider für Sie keine Rolle, ob Sie innerhalb von drei Jahren an derselben oder anderen Krankheit erkrankt sind.

Denn nach § 48 Abs 1 Satz 1 SGB V erhalten Versicherte Krankengeld ohne zeitliche Begrenzung, für den Fall der Arbeitsunfähigkeit "wegen derselben Krankheit" jedoch für längstens 78 Wochen innerhalb von je drei Jahren, gerechnet vom Tage des Beginns der Arbeitsunfähigkeit an.

Tritt allerdings während der Arbeitsunfähigkeit eine weitere Krankheit hinzu, wird die Leistungsdauer nach Abs 1 Satz 2 der Regelung nicht verlängert.

Das bedeutet, dass sich die Leistungsdauer für die Gewährung von Krankengeld auch dann nicht verlängert, wenn innerhalb des oben genannten Zeitraums neue Erkrankungen hinzukommen.

Mit freundlichen Grüßen

Marcus Alexander Glatzel
Rechtsanwalt

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