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Kostenübernahme antroposophischer Arzneimittel im Palloativstadium

20.07.2018 21:43 |
Preis: 55,00 € |

Sozialversicherungsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Liubov Zelinskij-Zunik, M.mel.


Zusammenfassung: Erstattung Anthroposophische Arzneimittel

Meine Mutter befindet sich im Palliativstadium einer Krebserkrankung. Sie hat innerhalb weniger Wochen ca. 30 kg abgenommen da sie weder Essen noch Trinken bei sich behalten konnte, als Folge war die völlige Austrocknung des Körpers. Ich habe sie dann in eine Antroposophische Klinik einweisen lassen da ich dachte sie schafft das nicht mehr, 4 Chemotherapien in einer Uniklinik waren erfolglos, nach der Gabe von Antroposophischen Arzneimitteln ging es ihr Tag für Tag wieder besser, das übergeben hat aufgehört und sie nimmt wieder an Gewicht zu. Die Chemotherapie in Tablettenform führt sie nun ambulant in der Antroposophischen Klinik fort. Als Zugabe der Chemo bekommt sie zusätzlich Misteln gespritzt und Ihre Lebensqualität hat sich dadurch sehr verbessert. Die Arzneimittel kosten mtl. ca. 400 € nach Einreichung bei der Krankenkasse wurde die Übernahme der Kosten abgelehnt mit der Begründung das die Arzneimittel frei verkäuflich in der Apotheke erhältlich wären, was kann ich tun um von der Krankenkasse die Kosten zurückerstattet zu bekommen.

Mit freundlichen Grüßen

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Die Begründung Ihrer Krankenkasse, dass die Übernahme der Kosten nicht erfolgen kann, da die Arzneimittel frei verkäuflich in der Apotheke erhältlich seien, ist in der Form nicht zutreffend. Denn nach der Entscheidung des Bundessozialgerichtes (BSG) vom Mai 2011 (Az.: B 6 KA 25/10 R) hatte der Gemeinsame Bundesausschuss die Erstattung der Mistel durch die GKV auf die palliative Behandlung zulassen. Das hat er mit der Arzneimittelrichtlinie (Anlage I, OTC-Übersicht) am 21. Juni 2012 getan, S. 4:
https://www.g-ba.de/downloads/83-691-323/AM-RL-I-OTC-2013-06-05.pdf
„32. Mistel-Präparate, parenteral, auf Mistellektin normiert, nur in der palliativen Therapie von malignen Tumoren zur Verbesserung der Lebensqualität".
Die Voraussetzung der Kostenübernahme ist aber, dass dieses Medikament im Palliativstadium indiziert ist. Das ist z. B. nicht der Fall, wenn die Mistel gerade eingesetzt werden, um einem Rückfall (Rezidiv) oder der Ausbreitung des Tumors zu verhindern, damit es eben nicht zur palliativen Situation kommt. Ob in Ihrem Fall eine Indikation im Palliativstadium besteht (dafür würde sprechen, dass die Lebensqualität sich dadurch sehr verbessert habe), vermag ich im Rahmen dieses Forums nicht beurteilen. Die Entscheidung liegt in der Praxis bei den Ärzten der MDK.


Was kann ich tun um von der Krankenkasse die Kosten zurückerstattet zu bekommen?
Sie legen gegen die Ablehnung Widerspruch ein mit der Begründung, dass das Medikament im Palliativstadium indiziert ist und verweisen auf die Ziff. 32 der
Anlage I zum Abschnitt F der Arzneimittel-Richtlinie „Gesetzliche Verordnungsausschlüsse in
der Arzneimittelversorgung
und zugelassene Ausnahmen
Zugelassene Ausnahmen zum gesetzlichen
Verordnungsausschluss nach
§ 34 Abs. 1 Satz 2 SGB V (OTC-Übersicht)"
Dann wird die Krankenkasse einen MDK Arzt beauftragen die Indikation zu prüfen.

Lesen Sie die Info hier
https://www.damid.de/sonstiges/157-erstattung-anthroposophische-arzneimittel.html
http://rsw.beck.de/cms/main?docid=374559

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

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